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die Dinge, die sie nicht wusste, so anzunehmen, wie sie zu den Schritten passten, die jetzt ihrer überzeugung nach nicht mehr ausbleiben konnten. Sie war daher ungemein erfreut, als sie Leonin eben so getrieben, und ihn den entscheidenden Augenblick mit einer Fassung bestehen sah, deren grimassenhafte Weise nur sie zu verstehen vermochte.

Herr von Dreux und der Marquis Vieuville unterbrachen diese Spannung. Man hob die Tafel auf; Herr von Vieuville verkündigte die glänzenden Siege der Armee, die Flucht des Herzogs von Lotringen und den Beschluss der Königin, am andern Mittag ihre Reise anzutreten. – "Madame de Bellefond," setzte er lächelnd und heimlich zur Marschallin gewendet, hinzu, "ist von der Rückkehr des jungen Grafen unterrichtet. Sie lässt Euer Gnaden sagen, die ganze Familie Crecy-Chabanne würde in voller Parüre diesen Abend bei der Königin erwartet."

Die Marschallin fühlte, dass sie kalt ward! Die Wichtigkeit des Moments entzog sich ihr nicht. Aber, was auch Abweichendes ihr Inneres berühren mochte, die äussere Form war ihr so durchaus die dringendste Anforderung, ihr so bequem und gewohnt, dass sie stets, jeder anders wirkenden Anregung entgegen, den ungestörten Mechanismus derselben betreiben konnte.

"Meine Herren," sagte siesich laut redend gegen Gemahl und Sohn wendend – "Ihre Majestät wollen uns Alle noch diesen Abend empfangenFrau von Bellefond befiehlt im grossen Hofkostüme!"

"Weiss Gott, ich gehe hin!" rief der Marschall – "ich will unsere gute, schöne Königin noch ein Mal sehen, wie wenig das Hofleben auch eigentlich mehr für mich passt!"

Schon unterrichtete der Marquis Vieuville den Marquis de Souvré, bei Seite tretend, von den Absichten der Königin, und Souvré sah ein, er müsse jetzt Leonin Etwas von seinen Nachrichten geben, wenn nicht ein Aergerniss eintreten solle. – Er benutzte daher den Moment, wo Leonin zu erreichen war, und flüsterte ihm zu: "Mut, MutSie sind frei!"

"Frei," stammelte Leonin erbleichend – "frei!" rief er noch ein Mal; und schon fühlte er den Wert dieses Ausspruches, den neuen ihn bestürmenden Anforderungen gegenüber. – "Hat sie eingewilligt? Gott, wie ertrug sie es?"

"Später, später!" rief Souvré – "jetzt tut Ihnen nichts so Not, als Ihre Freiheit! Darum begnügen Sie sich damit, dass ich Ihnen versichere, dass Sie frei sind."

Leonin fühlte diese Wahrheit. Er beruhigte sich damit und flog der neuen Richtung seines Lebens mit der Hast eines Menschen entgegen, der nicht mehr den Mut hat, in sein Inneres zu blicken. –

Als die Marschallin im grossen Hofkostüme, mit Juwelen beladen, ihr Ankleidezimmer verliess, um in den Wagen zu steigen, stand der Marquis de Souvré vor ihr, und sein boshaftes Auge überlief die anmassende Erscheinung der stolzen Frauer sann der Hoffnung nach, sie zu erschüttern.

"Madame," sagte er – "ich darf über den Gegenstand, um dessenwillen Sie mich zu sprechen wünschen, nicht im Zweifel seinberuhigen Sie sich, Ihr Sohn ist frei!"

"Das habe ich vorausgesetzt," sagte sie kalt – "was wollte solche person auch für so angemasste Rechte hervorbringen?"

"So war es nicht, Madame," sagte Souvré scharf – "Ihr Recht war in guter Ordnung. Kein Gerichtshof von Frankreich hätte es bezweifeln können; – und eher hätte man den König bewogen, seine Krone niederzulegen, als s i e , diesen Rechten zu entsagen!"

"Ihr scherzt," sagte die Marschallin, etwas herabgestimmt – "also müssen wir wohl Alles Ihrer besonderen Klugheit zurechnen?" –

"Auch das nicht, Madame."

"Nun, und dann? Ihr sagtet doch, Leonin sei frei!" –

"Er ist Wittwer!" rief der Marquis mit dem schneidendsten Tone, indem sein Auge durchbohrend auf seiner gefassten Verbündeten ruhte.

Doch diese taumelte ein Paar Schritte zurück und schien alle Fassung zu verlieren. – "tot? tot? Marquis, was habt Ihr getan? Diese Sache durfte so nicht endendas ist gegen unsere Würde!"

Mit unbeschreiblicher Verachtung blickte der Marquis auf diese hochmütige, entsetzte person. Selbst im Sündigen wollte sie noch mit sich coquettiren und ihren aristokratischen Dünkel behaupten. Sie, die mit langer, sorgfältiger Mühe und Vorbereitung den Dolch schliff, der ihr Schlachtopfer vernichten sollte, und ihr Gewissen so eingewiegt hatte, dass sie hoffte, sich nie davor erschrecken zu müssensie glaubte sich nun aus ihrer Würde verdrängt, da sie das gemeine Schicksal jedes Bösewichtes erfuhr, dass blut fliesst, wo der Stoss trifft!

"Madame," sagte er mit hoher stimme, "ich muss bitten, sich zu fassen, damit Ihre Aeusserungen keine Beleidigung werden und sie überlegen können, dass Alles einfach und notwendig aus den Bedingungen hervor gehen musste, die ich und Leonin nach Ihren eignen Angaben genötigt waren, ihr zu machen. Die junge Gräfin Crecy" – –

"Halt, halt, nicht diese Benennung! ich dulde es nicht!" rief die Marschallin, ausser sich. –

"Und doch, Madame, hatte sie dazu ein unbezweifeltes Rechtdoch, wie Sie wollen! Also, die junge Frau hatte erst kurze Zeit ihr Wochenbett überstanden. Da sie zart warund, ich muss hinzusetzen, schön wie ein Engelda sie