Auskunft in der Trennung zu hoffen! Sie ist es, die uns lehrt, welchen Wert das übrige Leben behält, wenn uns das geraubt wird, wodurch wir erst zur Fähigkeit gelangten, es zu lieben."
"Haltet ein;" rief Miss Eton, mit neuem Versuche, den Rückweg anzutreten – "vergesst Euch nicht selbst! – vergesst nicht, was Ihr mir schuldig seid, und wie wenig diese Sprache für uns gehört, ja, wie beleidigend ich sie finden müsste, wüsste ich nicht, dass Ihr dies nicht beabsichtigt. Aber lasst meine einfache dringende Bitte etwas gelten und schont meine Ruhe, indem Ihr zurückkehrt und Euch an den Gedanken zu gewöhnen sucht, dass ich Euch nur eine entfernt bleibende Freundin sein kann! Ich bitte Euch," unterbrach sie ihn zitternd, als er ihr antworten wollte – "haltet mich jetzt nicht länger auf – wir dürfen den Unglücklichen nicht vergessen, der dort unserer hülfe benötigt ist – ich selbst," fuhr sie fort, "bedarf der Ruhe, und meine Kleidung, die mit seinem Blute gefärbt ist, erfüllt mich mit Schauder."
Dies entschied bei dem Fremden, der augenblicklich zurück trat; und Miss Eton eilte nun einige Schritte auf dem Fusspfade vor, der sie, an einem kleinen Vorsprunge vorüber, auf eine gesicherte Stelle führte.
"Lebt denn wohl!" sagte hinter ihr eine zitternde stimme – Miss Eton blickte schüchtern um und gewahrte, wie der Fremde ihr noch einige Schritte gefolgt, jetzt an einen Baum gelehnt, ihr nachblickte – sein Angesicht war todtenblass, und der linke Arm hing wunderbar schlaff an ihm nieder. – Einen Augenblick schien das fräulein den schmerzlichsten Kampf zu kämpfen, dann eilte sie, zurückgrüssend, so schnell es ihre Kräfte zuliessen, den Weg nach Ardoise zurück.
Am Eingange des Waldes stiess sie auf die Leute der Gräfin d'Aubaine, welche diese, über ihr langes Ausbleiben höchlichst beunruhigt, ihr entgegen geschickt hatte. Der Anblick des Fräuleins, ihre in Blut getränkten Kleider, ihr blasses, erschöpftes Ansehn, erfüllte Alle mit Schrecken. In wenigen Worten erläuterte sie Ihnen das Vorgefallene, und jede hülfe von sich ablehnend, bat sie vor Allem, zu dem Unglücklichen zu eilen, den sie nur mit dem tiefsten Entsetzen sterbend zu denken vermochte. Sie selbst eilte, sich so unbemerkt, als möglich, nach dem schloss zu schleichen, um durch ihren Anblick die gütige Freundin nicht zu erschrecken. Umgekleidet eilte sie alsdann zur Gräfin d'Aubaine, durch ihren Anblick die Mitteilungen zu mildern, die so viel Erschreckendes hatten.
"Aber, mein teures Kind," fuhr die Gräfin fort, nachdem sie an ihre Freude über die glückliche Rettung ihres Lieblings manchen zärtlichen Vorwurf über die dreisten Wanderungen angeknüpft – "wären wir doch nur so glücklich, den Fremden wieder zu finden, der uns einen so unschätzbaren Dienst leistete! Du kanntest ihn also nicht?" fuhr sie fort, als das fräulein schwieg – "aber vielleicht gehört er doch zu meinen Nachbarn, und wir können ihn ausforschen und unsere Dankbarkeit ihm bezeigen."
"Ich glaube nicht" – sagte das fräulein rasch und unruhig – "es war gewiss ein Fremder – ja, ich erinnere mich genau, dass es ein Fremder war – er wird abgereist sein – wir werden ihn nicht auffinden."
"Sagte er Dir dies?" fragte die Gräfin, das Gespannte und Aengstliche in diesen Worten fühlend.
"Ich glaube, ja!" – seufzte Miss Eton, "aber ich weiss es nicht genau zu sagen."
"Ich aber," sagte die Gräfin und erhob sich lächelnd – "weiss sehr genau, dass mein liebes Kind mich sogleich verlassen wird, und ihren Gehorsam mir zeigen, indem es sich niederlegt und so viel Schrecknisse durch Ruhe auszugleichen sucht."
Miss Eton zeigte sehr gern den verlangten Gehorsam, und eilte, die Ruhe ihres Lagers zu suchen, wenn wir uns auch nicht dafür verbürgen wollen, dass sie dieselbe, nach so vielen Erschütterungen ihrer Seele, fand. –
Die Gräfin d'Aubaine empfing Miss Eton am andern Morgen, als die Frühstücksstunde die beiden Damen wieder zusammenführte, mit der Nachricht, dass sie gestern Briefe von ihrer Nichte, der Marquise d'Anville, aus Paris empfangen habe, welche deren Besuch ihr angemeldet, und äusserte ihre Freude, diese liebenswürdige Nichte mit Miss Eton bekannt machen zu können, da sie über das Wohlgefallen Beider an einander keinen Zweifel trug. "Meine Nichte wird fürs Erste ohne ihren Gemahl hier sein," fuhr sie fort, "da derselbe Güter übernimmt, welche er seit längerer Zeit besitzt, ohne sie zu kennen; dann wird er uns auch auf einige Zeit seine liebe Gegenwart schenken, und später mit seiner Gemahlin das Hauptgut in Besitz nehmen, welches die Neugierde der jungen Frau zu reizen scheint."
Miss Eton wünschte der Gräfin Glück zu dieser angenehmen Aussicht, und schien lebhaft von dem Gedanken dieser neuen Bekanntschaft erregt zu sein – dann bat sie die Gräfin um Auskunft über den Unglücklichen, der sie gestern in so grosse Gefahr gebracht, und um einige Nachrichten über sein Schicksal.
"Fürs Erste," erwiderte die Gräfin, "kann ich Dir die Versicherung geben, dass seine Wunde nicht tödtlich ist: die Kugel ist aus der Schulter herausgelöst, und der starke Blutverlust macht seinen ganzen Zustand selbst bei dem unvermeidlichen Wundfieber milde und ohne die sonst gewöhnliche Gemütsstimmung. Sein Schicksal wirst Du zum