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Ihrer Majestät?"

"O, Madame," sagte Souvré, "welche Voraussetzung! Er ist wie ein Wahnsinniger Tag und Nacht gereist, als er die Weisung zur Rückkehr erhielt, und da hat er sich erkältet. Doch, es wird vorübergehn! Euer Gnaden haben sicher schon über die Vermählung des Paares Ihre Dispositionen gemacht; darf ich im Vertrauen sein?"

"Sie sind mein Verzug!" erwiderte die Herzogin mit einer steifen Grimasse, die Lächeln andeuten sollte, "und wollen immer Alles voraus wissen. Doch ist es zu erwähnen, wie Ihre Gesinnung wirklich sich stets unbefleckt rein erhält, und ich habe deshalb manche Rücksichten!"

Der Marquis verneigte sich, und Madame de Bellefond fuhr fort: "Die Zeit erlaubt keine FestlichkeitenIhre Majestät muss sich bereit haltenSie wissen, das erste Hauptquartier wird in Nancy seinwir müssen uns auf den Weg dahin begeben, um dann mit Seiner Majestät zugleich einziehen zu können. natürlich können aber der Graf und Mademoiselle de Lesdiguères nicht bei demselben Hofstaat, in derselben Karosse vielleicht, die Reise antreten, ohne vermählt zu sein. Das haben denn auch Ihre Majestäten erwogen, und ich habe selbst die etwas streitsüchtige Lesdiguères zum Schweigen gebracht. – Nun soll es also ein Impromptu werden! Wie ich höre, hat es aber die eigensinnigste Hofdame, die ich je unter Aufsicht hatte, durchgesetzt, dass die Frau Königin den Herrn Erzbischof von Noailles um die Abtretung seiner Funktionen an Monsieur Fenelon, diesen überspannten Pfarrer von St. Sulpice, gebeten hat. Das war hinter meinem rücken geschehen; die Königin wird von dem jungen Mädchen beherrscht; doch hatte sie die Gnade, sich bei mir deshalb zu entschuldigen. Sie fühlte wohl, dass sie mir ins Amt gegriffen! Doch mein Kind, Sie sehen, wir haben nicht mehr viel Zeit, und der Bräutigam fehlt! Dieser junge Mensch, Marquis, im Vertrauen, ähnelt nicht sehr seinen musterhaften Eltern! Krank zu werden, wenn man seine Anstellung bei hof antreten soll, hat immer etwas gegen den Respekt und gegen die vollkommene Feinheit, die wir bei solchen Gelegenheiten vorherrschen lassen müssen. Wer kann mir nachsagen, dass ich je krank war? Aber das ist so der Spuck, der sich gern einschleichen möchte, den alle diese Herren Dichter, Philosophen und Gelehrte verbreiten, und den sie Menschenrechte, oder Naturgebote, oder Gott weiss wie nennen. Aber ich frage Sie, Marquis, ist es schicklich, dass man so etwas bei hof hört, wo lauter Edelleute vom ersten Range leben? – Ich frage Sie, mein Lieberwenn Monsieur Molière im Vorzimmer des Königs frühstücken darf, und Seiner Majestät ihn anredet, als wäre er ein Mensch, wie jeder andere, da haben wir freilich nichts Besseres zu erwarten! Sonst, Marquis, begaben wir uns in die grosse königliche Loge, und vor uns auf den Brettern, in dieser unüberschreitbaren Entfernung, liessen wir alle diese Herren machen, was sie konnten, und frugen nicht nach, ob es sogenannte Dichter, Philosophen und Gelehrte waren. Machten sie es gut, wurde geklatscht, machten sie es schlecht, wurden sie wieder weggejagt. Das erhielt aber die Luft rein! Da waren unsere Cavaliere ohne jene sonderbaren Manieren, die jetzt einen jungen Mann in den Zwanzigern erkranken lassen, wenn er eine Hofcharge antreten soll und sich vermählen!"

"Euer Gnaden zürnen, wie ich merke," sagte Souvré, "ich muss Fürbitte tun! Ihr Zürnen würde nicht allein den Schuldigen unglücklich machen, sondern besonders die Eltern, die Sie doch anerkennen!"

"Sie sind ein gutes Kind, Marquis, ich weiss es wohl. Nun sehen Sie, Sie sollen Recht behalten! Ich gehe und rede die Marschallin an."

Damit schritt sie auf die indess von mehreren Bekannten umgebene Marschallin zu; und da bei ihrer Annäherung gleich Alles Platz machte, konnte sie, wenn sie es beabsichtigte, mit Jedem reden, wie in ihrem Privat-Kabinette.

"Marschallin," sagte sie – "ich muss so einen kleinen Wink geben. Die hohen Herrschaften sind voll Gnade für Ihr Haus, wie dies eine so bedeutende Familie auch erwarten darf. Es sind Auszeichnungen beabsichtigt, die wir allerdings zu schätzen und zu würdigen wissen werden; – aber die Jugend, meine Liebe, man weiss wohl, wie das jetzt gehtdie Jugend hat nicht das alte Mark der Ehrfurcht in den Gliedern, – da müssen wir nachhelfen, bis sie es lernt. Krankheiten sind immer kein Grund, gegen die Befehle der hohen Herrschaften zu handeln. – Nun, wem sage ich das? Sie, meine Liebe, sind ja die vollkommenste Dame des Hofes! Sie werden mich verstehen und darnach Ihre Maassregeln nehmen!"

"O, meine teure Herzogin," rief die Marschallin mit dem süssesten Lächeln – "wer kann Sie in Ihren anmutigen Belehrungen übertreffen! Sie haben eine Gabe, anzudeutenden Weg zu bezeichnendie einzig in ihrer Art ist! Glauben Sie mir, ich habe Sie verstandenum so mehr, da mein eigenes Gefühl Ihnen längst auf diesem Wege entgegen kam."

"Ich weissich weiss!" sagte die geschmeichelte Herzogin – "Sie sind vollkommen zu haus in der guten alten Welt des Hofes, in der wir wenigstens noch einige Male vereint mit solchen Mitteln die Brücken abbrechen werden, die die Populace nach uns hinauf zu bauen trachtet; – doch still,