zurück: "Ich werde Leonins erhabene Mutter befragen, welch einen ehrenvollen Platz sie der Gemahlin ihres Sohnes zugesteht. Von Euch fordere ich bloss Entfernung. Ihr, armes, elendes Wesen, könnt mich nicht herabwürdigen!"
Die Erwähnung von Leonins Mutter verstärkte augenblicklich den bösen Willen des Marquis. "Törin," sagte er lachend, "das fehlt nur noch an Eurer kindischen Anmassung! Gerade sie – sie schickt mich, Euch Eure Torheit vorzustellen; denn sie hält Euch für nichts mehr, als die Geliebte ihres Sohnes, obwol sie alle Eure geträumten kirchlichen Rechte kennt. Sie hat eine Braut für ihren Sohn gewählt, seiner würdig, und verachtet Euch vollständig!"
Fennimor blieb stehen. Sie hob hände und Augen zum Himmel auf. – "O, Herr des himmels, erbarme Dich! Ich fürchte, Ihr sprecht eben die Wahrheit. Mein Vertrauen zu dieser einst so verehrten Frau war durch Manches gesunken, was mir Lesüeur erzählte. O, wie beklage ich sie!"
"Beklagt lieber Euch selbst" – stiess Souvré roh heraus, "Ihr habt es nötiger! Doch hoffe ich, da Ihr Eure Stützen brechen seht, so werdet Ihr jetzt nicht zaudern, Eure Unterschrift unter dieses Blatt zu setzen. Ihr entsagt darin für Euch und Euer Kind jedem rechtmässigen Anspruch an den Grafen Crecy-Chabanne; Ihr nehmt den Namen Lester wieder an und erhaltet dafür ein anstandiges Vermögen zur Versorgung für Euch und Euren Sohn, mit der Freiheit, nach England zurückzukehren, oder auch hier in Ste. Roche ohne weiteres aufsehen zu verbleiben; doch ohne Versuche, die Ruhe der Familie Crecy ferner zu stören, und ohne dazu das kleinste Recht behaupten zu wollen."
"Das lässt mir Leonin's Mutter sagen?" rief Fennimor trostlos; – "das, glaubte sie, könnte ich annehmen? Ein Weib fordert das von einem weib? Eine Mutter von einer Mutter? – Nun, so soll diese entartete Welt erfahren, was die Worte bedeuten, die dort zu Gottes Hohn getragen werden!" Mit ein Paar raschen Schritten trat sie dicht vor den Marquis.
"Geht, geht!" sagte sie kräftig, "sagt Ihr – es läge in keiner menschlichen Macht, das aufzulösen, was vor Gott geknüpft sei durch seinen heiligen Diener – durch das Gelübde der Herzen, die Gott zusammen gefügt hätte an jenem Tage. Sagt Ihr, ich sei die rechtmässige Gemahlin ihres Sohnes! Ich, Fennimor Lester, deren Vater überdies aus einer vornehmen englischen Familie abstammte und ein Priester war, sei in Nichts zu gering dafür. Sagt Ihr, dass das Kind dieser ehelichen Verbindung, der allein rechtmässige Nachkomme ihres Sohnes, unentäusserlich, wie ich, seine Mutter, den Namen Crecy-Chabanne führen werde; und wenn sie ein zeugnis dafür bedarf noch ausser dem Blatte des Kirchenbuches, welches Emmy Gray mit sich genommen und bewahrt hat – so soll sie ihren Sohn fragen und hören, ob er dies Lust hat zu läugnen!"
Da stieg der Triumph über sein Schlachtopfer in Souvré's Zügen auf. Mit dem verwundendsten Lächeln sagte er: "Ich glaube, er w i r d dazu Lust haben! Denn e r gerade wünscht, Ihr möchtet Euch in diese Anordnungen fügen. – Seine Schwäche und Euren heftigen charakter fürchtend, hat er diese ganze Angelegenheit in meine Hand gelegt – er hofft, ich bringe dieses Blatt unterzeichnet zurück."
"Da sei Gott vor, dass Ihr Wahrheit redet! Wo ist Leonin – ich will ihn augenblicklich selbst Euch gegenüber stellen!" –
Souvré zuckte die Achseln. – "Dies ist nicht mehr möglich! Seine Rückkehr war vom Könige befohlen – er musste zur bestimmten Stunde dort sein – dem peinlichen Abschiede zu entgehn. – Seht dort! Ihr werdet an der Wahrheit nicht länger zweifeln!"
Fennimor sah ihn an, als sehe sie einen Geist – sie liess sich selbst von ihm berühren – nach dem Fenster führen, und folgte mit den Augen, wohin er deutete. Da sah sie den Fahrweg durchs Tal Leonin's Reisewagen fliegen, sie erkannte seinen Postzug – seine Livreen.
"Leonin! Leonin!" sagte sie leise gebrochen und griff in die Ranken, die um das Fenster hingen. So blieb sie stehen – die Augen unverwandt hinaus gerichtet. – Souvré – wir dürfen ihm das einzige Zeichen der Menschheit, was wir an ihm zu entdecken haben, nicht vorentalten – schauderte, als er sah, wie sie immer blässer und blässer, zuletzt bläulich erdfarben ward, und die Augen und alle Züge sich zu versteinern schienen. Er redete sie an, er hoffte selbst auf den Widerwillen, den er ihr einflösste. Es war umsonst – sie hörte nichts mehr. Ihr Auge haftete an dem immer kleiner werdenden Reisezug – er verschwand. "Leonin!" sagte sie dumpf, fast undeutlich – aber sie blieb unbeweglich stehen.
Da ergriffen die Furien den Marquis de Souvré. Als ob er, von ihrem Anblick gerichtet, im nächsten Augenblicke des Todes sein würde, so stürzte er aus dem Zimmer. Emmy Gray sass zusammengekauert vor der Tür. "Geht hinein! Geht – geht!" rief er wild und stürzte über die Zimmer und Gänge fort nach den seinigen.
Emmy wusste Alles. Es kostete sie keine Träne, keinen Seufzer – finsterer Zorn machte sie jeder sanfteren Empfindung unmöglich; selbst für den ihr über Alles teuern Gegenstand hatte sie kein mildes Wort. "So