ist gut," erwiderte Fennimor ruhig, – "wenn er nur nicht bei Euch ist, da kann ich leichter Eure Gegenwart ertragen; Ihr habt keine Gewalt über mich!"
"Nicht?" sagte Souvré, und sein boshaftester blick flog über sie hin; "wir wollen sehen! So vorbereitet, wie Ihr Euch auf mich habt, scheint es wohl, ist jede Schonung überflüssig; doch wollen wir sehen, ob ich keine Gewalt über Euch habe."
"über mein äusseres Schicksal sicher" – sagte Fennimor – "das fühle ich eben immer, wenn ich Euch sehe. Ich meine nur, über meine Seele habt Ihr keine Gewalt, und ich habe bessere Kraft, nun ich allein mit Euch bin; wenn Leonin dabei ist, fühle ich nur das Leid, was Ihr ihm angetan, und dann ist der Schmerz grösser."
"Ihr seid nicht zurückhaltend in Euren Meinungen über mich, das muss ich gestehen. Doch muss ich glauben, Ihr gebt mir den Ton an, der unter uns walten soll. So hört denn! Ich habe mich aus Freundschaft für die Familie des Grafen Crecy-Chabanne der Mühe unterzogen, Leonin, den jungen Grafen und einzigen Erben, aus einer Verbindung loszumachen, in die ihn Leichtsinn, Unwissenheit und, wie ich gern eingestehe, Eure schönen blühenden Wangen und die zu bereitwillige Gastfreundschaft Eures Vaters geführt haben; indem der junge Mann natürlich in seine ehrenvollen, angestammten Verhältnisse nicht zurückkehren konnte, ohne die Unzulässigkeit dieser anscheinenden Verbindung zu empfinden, da nie, auf keinem Punkte, weder bei seinen Eltern, weder bei seinem Könige, noch, und am wenigsten, bei seiner Kirche eine Anerkennung dieses leichtsinnig geschlossenen Vertrages denkbar ist. – Hiervon Euch, bei Eurer Unkenntniss der Welt, einen Begriff zu machen, habe ich übernommen; zugleich Eure und Eures Kindes Verhältnisse so sorglos zu stellen, als es Euch zukommt, von einem mann zu fordern, der in so unabhängigen Vermögensumständen ist, als der junge Graf Crecy."
"Ich kann Euch noch nicht verstehen," entgegnete Fennimor, noch immer ruhig; "denn, was Ihr sagt, ist ja Alles unrichtig – ich weiss nicht, was Ihr von unserer Vermählung denkt! Freilich soll die Vermählung bei den Katoliken anders sein; aber sie muss doch immer dasselbe bedeuten, sonst wäre ja die Eurige keine christliche Verbindung."
"Legt endlich Eure Unerschütterlichkeit ab, mit der Ihr mir unbeschreiblich lästig fallt!" sagte jetzt Souvré, indem er übellaunig aufstand. "Ist denn das nicht zu verstehn, was ich Euch sage? Ihr seid nach katolischem Rechte gar nicht vermählt, Eure anscheinende Verbindung in jeder Beziehung völlig ungültig. Kein Mensch erkennt Euch für des Grafen Gemahlin, kein Mensch dies Kind für ein ehelich geborenes an. Dies soll ich Euch bekannt machen, damit Ihr eine Art Erklärung darüber unterzeichnen könnt, die ich hier bei mir führe, die Euren Begriffen nach, eine Art Scheidung auch jener Ceremonie, auf die Ihr Euch zu stützen scheint, rechtskräftig bewirkt, und dem jungen Grafen Crecy, der zu einer hohen Hofverbindung bestimmt ist, seine Freiheit wieder gibt."
Fennimor stand auf, langsam aber fest, die Stuhllehne krampfhaft haltend – sie schien zu wachsen – das treulose Blut, was ihr Herz erdrücken wollte, strömte in ihre Wangen zurück. Die zahllosen Stiche, die sie empfangen und, zweifelnd, dass sie ihr gelten könnten, immer verläugnet hatte, wurden mit diesem letzten fürchterlichen Angriffe plötzlich alle zu reissenden Wunden. Sie war völlig enttäuscht! Aber Sprache fand sie erst mit einem kurzen wilden Schrei, der ihre fest zusammen gepressten Lippen brach – dumpf, aber erhaben sagte sie dann:
"Du gehörst nicht zu Gott und weisst von seinen heiligen Geboten Nichts! In welchem Namen soll ich zu Dir reden? Unglückliche, verlorne Seele! Der kleinliche Jammer Deiner Rede richtet Dich so fürchterlich, dass ich vor Gott erbebe, der schon Gericht über Dich hält in jedem Deiner verstockten Worte! Armes, elendes Wesen – welch ein schauderhafter Lästerer bist Du! Welch ein Grauen wird Dich befallen, wenn Gott den Nebel zerstreut, in den Dein armes, kleinliches Leben noch vor Dir selbst gehüllt ist, und Du Dich erkennst! – Wie könntest Du, verlorenes Werkzeug jener verderbten Welt, aus der Du gesandt wirst, mir Zweifel einflössen gegen die Heiligkeit meiner Verbindung, gegen die Geburt meines Kindes?"
Wir wissen nicht, warum Souvré diese Rede nicht unterbrach, warum er endlich halb abgewendet in der Nähe ihres Stuhles stehen blieb, zuletzt die Augen auf sie richten musste und ein Ansehn gewann, als versteinere sie ihn.
Fennimor wollte ihn verlassen. Kräftigen Schrittes, erhaben in jeder Bewegung, wollte sie an ihm vorüber. Das weckte ihn. Mit Wut beladen, kam sein Bewusstsein zurück. Sie hatte ihn bezeichnet, wie er war; dies unbedeutende, unberechtigte Wesen hatte laut genannt, was die neckende Hölle in seinem Busen, während sie es sprach, hohnlachend bestätigt hatte – er war vor sich selbst entdeckt – und: Rache! Rache! war das einzige Geschrei seines beleidigten inneren.
"Halt," rief er, mit heiserer stimme und entstellten Zügen, "halt! Ihr dürft nicht fort, bis Ihr dies Blatt unterzeichnet habt. Dankt Gott, dass ich mich herablasse, mit Euch zu unterhandeln, die Ihr kein Recht habt an der Gemeinschaft ehrbarer Personen!"
Fennimor wies das Blatt mit der Hand