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Du leicht fühlen. O, bleibe bei mir, bis er fort ist!" rief sie flehend, als Leonin, sie sanft beruhigend, sich von ihr losmachen wollte, "bleibe bei mir, bis er fort ist, er tut Dir sonst ein Leid!"

Souvré lachte wiederLeonin führte sie zu ihrem Sitze zurück. "Fasse Dich, Fennimor! Es ist ja derselbe, der Dich schon ein Mal so gegen Ordnung und Recht erschreckt haterkennst Du ihn denn nicht wieder?"

"Ja, ich erkenne ihn," sagte Fennimor mit schwacher stimme. "Ich fühle den Stich von damals wieder durch mein Herzes wird nicht ohne Grund sein. O, rette Dich, rette Dicher will Deine Seele!"

"Beruhige Dich, geliebte Fennimor," rief Leonin zärtlich, "ich will ihn wegführenvon Dir wegführen, damit Deine Angst sich legtspäter wirst Du ruhiger sein."

"Gehe nicht! o, gehe nicht! sonst wird es mein Tod!" stammelte Fennimor und glich in diesem Augenblicke fast einer Sterbenden. "Wenn er Dich wegführt, sind wir auf immer getrenntdann ist D e i n e S e e l e dem Bösen verfallen, m e i n L e i b dem tod!"

Ihr Kopf sank zurück; sie konnte ihn nicht mehr mit ihren ohnmächtigen Händen halten. Leonins Herz war zerrissen von Schmerz; aber der höhnende, stechende blick Sonvré's, der ihn beständig verfolgte, war so unerträglich, dass er Leonins Blut mit jedem Augenblicke mehr vergiftete. Er sprang auf, von Fennimors Seite hinweg, aus ihren matten Händen gleitend, er hörte ihren leisen Schrei, er sah, wie ihr brechendes Auge ihm noch folgte, und indem er Emmy rief, stürzte er auf Souvré zu, riss ihn mit sich fortwie er hofftenur, auf wenige Augenblicke.

Als die Tür zufiel, schlossen sich auch Fennimors Augen. glückliche Bewusstlosigkeit deckte ihre Schmerzen zu. –

Mit kalter, finsterer Entschlossenheit stand Emmy Gray ihr zur Seite. Hätte man den Ausdruck dieser strengen Züge deuten wollen, man hätte glauben können, sie wünsche ihrem Lieblinge den Tod, der scheinbar nur ihre Züge bedeckte. Wenigstens rührte sie keine Hand zu ihrer Belebung; aber bitter und finster blickte sie nach der Tür, und eine Drohung von Hass und Verachtung konnte kein Wort deutlicher bezeichnen, als dieser blick!

Fennimor schlug endlich die Augen auf; aber sie blieb wie leblos in ihrem stuhl. Emmy Gray ging schweigend ab und zu. Das Kind schlief wieder, die Mutter begehrte nicht danach, ihre Sinne schienen gebunden. Endlich strömte die Abendluft in die Fenster, die Emmy geöffnetFennimor ward davon belebt.

"Wo ist er?" war ihr erstes Wort. "Wenn Ihr den Grafen meint," erwiderte Emmy, "so ist er bei dem Herrn Marquis."

"Erbarme Dich, Gott!" rief Fennimor und verhüllte ihr Gesicht. Tiefe Stille herrschte fortsie schien zu betendann siegte die Erschöpfungein kurzer Schlummer berührte ihre schweren Augenlieder.

Die Abendsonne bestreute das schöne reiche Gemach mit glänzenden Lichtern; in die Fenster schaute die herrliche Landschaft des Tales von Ste. Roche. Hinter Blumen und niedrigen Gesträuchen, die das Fenster zunächst umzogen, ruhte weiterhin in dem warmen sonnengefärbten Dufte des Sommers der Wald und der Fahrweg durch den Wiesengrund; Alles atmete Schönheit, Genuss und Erfüllung. Nur Fennimors kurzer Schlaf hatte den unruhigen Atem des beklemmten Herzens; ihre Wange sank bleicher ein, und das Auge war nur halb geschlossen.

Emmy hörte Schritte nahen; sie riss sich von dem schwermütigen Anblicke ihres Lieblings los, um leise die Tür zu öffnender Marquis de Souvré trat herein. – "Meine gute Frau," sprach er, "ich muss Eure herrschaft sprechen, lasst mich nur näher treten."

"Da ist sie," erwiderte Emmy, mit bitterm Hasse im Blicke. "Stirbt sie Euch noch nicht früh genug, so wird es Euch bald gelingen, es zu vollenden."

"Das alte Hexenschloss" lachte Souvré, "hat in Wahrheit würdige Bewohner; jedes singt auf seine Weise irgend ein Beschwörungslied. Mit Euch muss ja ein ehrlicher Mann den Mut verlieren zu reden!"

"Ihr freilich," zögerte Emmy nicht zu erwiedern, "Ihr solltet ihn billig verlieren! Aber Ihr, prophezeihe ich, werdet ihn behalten, bis Ihr allen Frevel vollführt, den Ihr beabsichtiget."

"Immer besser!" rief Souvré, "doch, Kind, Du bist zu gering zum Wortgefechtetritt bei Seitesiehe, Deine Herrin ist erwacht!"

"Wer ist da?" rief Fennimor zusammen schaudernd. – "Mein böser Geist!" setzte sie ihn erkennend hinzu.

"Ich hoffe," sagte Souvré, sich ihr nahend, indem er über sie weg mit vornehmer Nachlässigkeit das Zimmer musterte, "Ihr habt jetzt die kleine Erschütterung überwunden, mit der Ihr jedes Mal meine Erscheinung beehrt; es ist um so nötiger, da Ihr gezwungen seid, mit mir einige Dinge zu besprechen, die für Eure Zukunft wichtig sind."

"Wo ist Leonin?" fragte Fennimor, sich aufrichtend. –

"Davon nachher!" sagte Souvré leicht, indem er durch das Fenster blickte, "vorerst nicht bei mir, wie Ihr seht."

"Das