wenn Du etwas sagst, das vor Gott nicht gehört, weil es mich dann treibt, Dich davon abzuhalten; und doch – Du weisst, was ich dann tue" – sie hielt schüchtern inne und legte bloss leise ihre Hand auf sein glühend Haupt.
"Ach, Fennimor – strafender Engel, Du hast das Paradies nicht schützen können, vor dem Du einst mit dem feurigen Schwerte standest – jetzt bin ich daraus vertrieben, und ohne dass Du es willst, jagen mich Deine Worte weiter und weiter daraus fort!" –
"Nein, nein, sage das nicht! Da beginge ich grosse Sünde, und wenn sie so in mich gekommen wäre, ohne dass ich davon wusste – das wäre grosses Unglück! Bete doch, Leonin, und denke während des Gebetes, dass wir gar nicht glauben müssen, so fest im Unrechte zu sein, als Du vorher sagtest; da Gott auch das Unrecht Deiner Seele in Händen hat und Alles wenden kann – dann gewinnst Du Vertrauen zu ihm, und ohne Vertrauen ist alle Reue unwirksam! Ach siehe," fuhr sie, schüchtern über den Schweigenden gebeugt, fort – "Dein Unrecht ist mir nicht recht bewusst! Du bist wohl sehr traurig, das fühle ich – Du sagst auch von den verkehrten Begriffen jener fremden Welt Einiges – aber wenn Du selbst nicht darnach handelst, hat sie ja keine Macht über Dich!"
"Ach," rief Leonin – und der Schmerz durchzuckte krampfhaft seinen Körper – "sie hat aber Macht über mich gewonnen, ich habe nach ihren Begriffen gehandelt, und bin nun hier und dort verloren!"
Fennimor erhob sich und störte ihn dadurch auf. Todtenblass stand sie vor ihm, das Kind leise an der Brust haltend; ernst und erschüttert sagte sie dann leise: "Leonin, wir wollen zusammen beten! Jetzt darf Dein Weib sich nicht von Dir trennen – ich weiss Dich nicht zu stützen – das Gebet wird es uns lehren!"
Sie wollte das schlummernde Kind nach seinem Bettchen tragen; als sie den Fuss erhob, liess sich in den Vorzimmern Geräusch hören – Türen gingen auf – Schritte nahten sich – es war der Kammerdiener – kaum hatte er Zeit, zu sagen: "der Marquis de Souvré," als dieser auch schon eintrat – Fennimor schrie laut auf – das Kind fuhr aus dem Schlafe – Leonin sprang von seinen Knieen auf.
Der Marquis blieb mit der höhnischen Miene, halb Lächeln, halb Zorn, vor dieser aufgestörten Gruppe stehen, zufrieden, dass Beide in ihm den Henker ihres Glücks erkannten.
"Eine idyllische Scene!" rief er, als Beide schwiegen. "In Wahrheit, man glaubt hier um ein Paar Jahrhunderte zurück zu leben!"
Dies erzürnte Leonin. "Ich denke, Marquis, die natur, mit ihren ewig gleichen Beziehungen zu dem Menschen, m ü ss t e auch überall dieselbe geblieben sein!" –
"Ich glaube – es kann sein" – erwiderte Souvré mit allen Zeichen der Langenweile, womit er Leonin immer unsicher machte und ihm zu imponiren wusste – "Sie wissen, ich habe nicht Zeit, an so Etwas zu denken. Wir Vornehmen der Erde sind genötigt, diese Dinge den augenblicklichen Zuständen der Zeit anzupassen – ich grüble über so Etwas nicht. – Doch, Crecy, machen Sie die Honneurs in Ihrem haus! Denn diese kleine Dame" fuhr er leicht grüssend gegen Fennimor fort, "scheint dazu nicht zu passen, und ich bin wie ein Unsinniger gefahren, Ihr altes Eulennest zu erreichen, und bedarf jetzt Ruhe."
Er wollte Leonin's Arm ergreifen und ihn mit sich ziehen. Da erwachte Fennimor; sie stand auf, schritt auf Beide zu und heftete ihre grossen, angstvollen Augen so fest auf den Marquis, dass dieser den blick nicht zu ertragen vermochte.
"Berührt ihn nicht," sagte sie dann mit einer Geisterstimme, "berührt ihn nicht! Ihr dürft keinen Anteil an ihm haben – und Du, Leonin, gehe nicht mit ihm, er ist nicht rein geblieben, Du gehest verloren mit ihm!"
So gewandt Souvré jeden Gegenstand zu behandeln wusste, war er doch mehr auf die Impertinenzen der grossen Welt abgerichtet; hier trat ihm eine Verwerfung, eine Verachtung entgegen, die sich um kein Bonmot, um keinen Scherz drehte, der durch einen noch böseren Witz wieder bezahlt werden konnte. Ihr Ernst, der von einer fast überirdischen Schönheit unterstützt ward, überwältigte ihn mit der Macht der Wahrheit, und der Patos, mit dem sie ihn so ohne Rücksicht bezeichnete, hatte etwas so Mächtiges, dass er sich ihm nicht zu entziehn vermochte und einen Augenblick davon berührt ward, wie von einem Strafgerichte.
Aber was hätte auf lange die Gewalt gehabt, ihn gegen seinen Willen zu beherrschen! Fast erschrocken fühlte er ihren Einfluss auf sich, und doppelt erzürnt, sprang er um so wilder mitten durch. Ein misstönendes Gelächter erschallte aus seinem mund. "In Wahrheit," rief er, "Deine Kleine ist die anmutigste tragische Schauspielerin, die ich noch je sah! Aber ein ander Mal – jetzt bin ich zu abgespannt! Komm', Leonin! Ein Bett ist mir jetzt lieber, als alle kleinen Teaterscenen!"
Erschrocken war Fennimor bei Souvrés Gelächter in Leonin's arme geflogen – scheu blickte sie daraus hervor auf jenen hin. "Wehre ihn ab!" sagte sie schaudernd, "er ist ganz zerfallen mit Gott, das kannst