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nichts anhaben kann! – Aber," fuhr sie fort, "in diese schöne, erhabene Welt, die Du Dir geschaffen hast, kann ich Dir folgen; die ist es gerade, von der ich geträumt habe, bis der arme Lesüeur sie so bitter verklagte."

"Lesüeur," erwiderte Leonin kalt und stolz, "kann gar nicht die Welt beurteilen, zu der ich gehöreeben so wenig kannst Du mir aber dahin folgen. Ich werde immer von Zeit zu Zeit nach Ste. Roche zurückkehren, und in Deinen Verhältnissen hier wird sich Nichts ändern; – dort aber erlaubt Dir Deine Geburt nicht, den Rang zu teilen, den ich einnehme; und daher würden wir Beide eben so getrennt leben müssen, als wärest Du hier und ich dort."

"Was meinst Du damit, ich verstehe Dich nicht," rief Fennimorund eine Anregung von Stolz und Kränkung stieg in ihren reinen Zügen auf – "da ich Dein Weib bin, bin ich dasselbe, was Du bist, und mein Vater war ja nicht geringer, als der Deinige und ein Geistlicher überdies!"

Leonin fühlte einen Krampf in den Schultern; nur mit Mühe unterdrückte er es, sie zu zucken. Die Antwort übergehend, fuhr er fort, indessen sein Fuss den Rasen, der grün und duftend vor ihnen ausgebreitet lag, zu zerstören suchte: "Der König hat mich zum Kammerherrn und Reisekavalier der Königin ernannt. Ihre Majestät wird dem Könige in den Krieg nachfolgen, und ich muss daher zurück, sobald die Nachricht eintrifft, dass die Armee sich in Bewegung setzt."

"Sagtest Du denn nicht dem Könige, wie lange Du von mir getrennt seiest, Leonin?" rief hier Fennimor, in Tränen ausbrechend. – "Er, der so gut, so übermenschlich begabt sein soll, hätte Dich doch wohl aus diesem harten Dienste entlassen?"

Hätte Leonin die Augen aufgeschlagen und Fennimor's Engelsantlitz gesehen, wie es unter seinen kalten, herzlosen Antworten nach gerade verändert ward, er wäre wenigstens vor sich selbst zurückgeschaudert. So aber wühlten seine düsteren Blicke sich in die Erde ein, die er vor sich aufriss, und er behielt Mut zu seinem Frevel.

"Der König ahnt meine Verbindung mit Dir nicht! Zu spät habe ich erfahren, dass Familien wie die meinige, als Vettern Seiner Majestät, nicht das Recht haben, sich ohne seine Bewilligung zu verbinden, dass er streng darauf hält, dass sie sich nur mit Familien des höchsten französischen Adels vermählen, dass er gewöhnlich selbst die Wahl trifft und jede andere Verfügung mit den strengsten Verfolgungen bestraft." –

"So hat Lesüeur doch Recht, Dein König ist doch nicht der rechte von Gottes Gnaden, der hier auf Erden handeln soll, als wäre er besonders erwählt, Recht und Gerechtigkeit zu übenund Du" sagte sie jetzt, ernst und kräftig sich aufrichtend, "bist fast von der schlechten Welt dort verführt und hast zaghaft und kleinlich gehandelt, gerade wie ich es an Lesüeur beobachten konnte. Alles, was Du da gesagt hast, kann vor Gott nicht bestehen, und wenn Du es gegen sein Recht hältst, so muss man erstaunen, dass ernstafte und gereifte Menschen dort bei Euch es für etwas nehmen, wonach sie sich richten müssten. Als wenn es den geringsten Wert hätte! – Aber Ihr fürchtet Euch dort alle vor einander, so dass Ihr aufhört, die rechte Gottesfurcht zu haben; darum werdet Ihr zuletzt verzagt, und Euer Herz gerät in Siechtum! Leonin," sagte sie, "Du armer Lieber, da haben sie Dich auch zum Sündigen gebracht. Denn sieh', eine Sünde hast Du begangen, dass Du vor dem Könige nicht Dein göttlich Recht behauptetest und ihm sagtest, wie Du ein Weib habest! Ehe Du von seinem Rechte gewusst, habest Du sie durch göttliches Recht empfangen und könntest deshalb nicht weiter zu ihm gehören, als so weit sie dies auch könne. Denn da sei Gott vor, dass ich mit zu feld ziehen wollte, wie keine christliche Hausfrau das wollen wird! Nein, wenn Du ein Krieger wärest, wie die Makkabäer, im Dienste für Dein Vaterland, da wüsste ich, ohne dass ich den König zu fragen hätte, wohin ich gehörte; – aber siehe, das bist Du nicht. Einen Posten gibt er Dir, von dem mir Lesüeur sagt, wie klein und nichtig er ist; ein müssiger Dienst, in welchem Du nicht einmal so wichtig bist, als unsere eigenen Diener uns sind. Und das, glaubst Du, sei ziemlich und recht und ein Dienst für einen Mann, für einen Vasallen des Königs, wie Du vorher so schön sagtest, wonach ich hoffte, Du müsstest auch mächtig und fleissig für Dein Vaterland handeln?"

Wie sollen wir ausdrücken können, was Leonin empfand bei dieser feurigen Strafrede! Es war fast dasselbe, was er vor seinem Vater empfunden hattehier, wie da stiess er auf eiserne, unerschütterlich fest stehende Ansichten, die auch keinen blick gestatteten in die ihnen entgegenstehende Welt. Dasselbe Gefühl der Unmöglichkeit, zu jenen Zuständen eine duldende überzeugung einzuflössen. Eine Verzweiflung, nie verstanden oder entschuldigt werden zu können, ergriff ihn, Fennimor gegenüber, mit einem Zürnen verbunden, welches in ihrer, ihm nach gerade überredeten, unberechtigten Stellung zu ihm lagin der Beschämung, mit der er Verhältnisse, die er herbei zu führen, sein ganzes besseres Selbst