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, fielen wie Strahlen hineines war Alles dasselbe! Sie schwamm, wie eine schöne duftende Nimphaea, auf dem ruhigen Wasserspiegel der Gegenwartdie Sonnenstrahlen über ihr, die den kurzen Lebenstag beseligten, für unvergänglich haltenddie Nacht vergessend in dem reinen Lichte des Mittags!

Leonin hatte das Härteste getan, ehe der Eindruck dieses verklärten Zustandes ihn erfassen konnte. Jetzt stand er davorvon seinem Gewissen aus diesem Paradiese vertrieben, den Fluch schon fühlend, der seine Stirn langsam umkreiste, die Flammenschrift der Befleckung einzugraben!

Wie Leonin auch gelernt hatte, mit der Sünde zu scherzen, ihren Lockungen nachzugehen und vor ihren Anforderungen nicht mehr zu erbebendas erste positive Böse hatte er erst hier getan, und er empfand den ungeheuern Unterschied zwischen einem solchen eigenmächtigen, selbstgewählten Schritt und dem negativen Hingeben, dem er bis jetzt sich überlassen. Gerade, dass er noch nicht vollständig verführt und verhärtet war, machte diesen Schritt so verhängnissvoll für ihn. Es war damit eine Art Wahnsinn entstanden, eine Mischung von Schmerz, Verzweiflung, Hass und Grausamkeit, die sein ganzes Wesen in Gährung versetzte und nur eine hohnlachende stimme aus ihm hörbar werden liess, die immer aufs neue wiederholte: vorwärts, vorwärts, Du bist nicht mehr zu retten!

Hätte Fennimor nicht an ihrer Brust das holde Kind, diesen Schild gegen alle Verwundungen der Welt, getragen, wie würde sie Leonin's Veränderung schnell erkannt haben! Aber das Kind lag zwischen ihnensie fand Leonin nur durch dies hindurch und deshalb immer verklärt oder eingehüllt. Doch auch für diese Täuschung musste die Aufklärung kommen.

Fennimor ward mit den wiederkehrenden Kräften auch selbstständiger; aus dem physisch träumerischen Zustande, der sie zu Anfang an ihr Kind fesselte, wie noch in einem Pulsschlage gebundenerfolgte nun die natürliche Trennung, die in der Mutter die gesonderte Existenz herstellt, die der erste Schritt für die Emancipation des Kindes wird.

Hiemit trat sie Leonin näher, und ihr kluges Auge, ihr reines Gefühl liess sie augenblicklich die Wahrnehmung seiner Veränderung machen.

"Ach, Leonin," sagte sie – "durch Lesüeur habe ich viel von der bösen Welt gehört, in welcher Du leben musst, und es hat mich recht geschmerzt auch um Deinetwillen! Wie schwer muss es sein, dort zu leben, und wie kann ich es Dir anfühlen, was Du dort leiden musstest! Du hast keinen guten blick mehrDeine Seele sieht traurig aus Deinen Augen heraus!"

Leonin zog ein Lächeln um seinen Mundes war krankhaft und bitter und entielt eine ganze Antwort, die aber Fennimor nicht verstehehen konnte; und da er ausserdem schwieg, fuhr sie fort: "sag' mir, bleibst Du nun in der schönen Welt hier, oder muss ich mit Dir in jene andere hinein ziehen?"

Hoch brauste es in Leonin's Brust auf. Ha, rief seine Seele, warum stösst Du mich selbst in den Abgrund, den ich Dir noch verdecken wollte? So machte er, verwirrt von der Verzweiflung seines Herzens, es ihr zum Vorwurf, dass sie ihn veranlasste, ihr zu sagen, wie unglücklich er sie zu machen beschlossen hatte! Wer hätte die Qual zergliedern können, die ihn zerriss, als er die Lippen öffnete.

"Weder das Eine, noch das Andere," rief er. – "Ich kann weder die Welt verlassen, die Dir der krankhafte Träumer Lesüeur so böse geschildert hat, noch Dich dortin führen; denn das Eine bleibt gewiss, für Dich passt diese Welt nicht, und Du würdest dort keinen Platz für Dich finden!"

"Ja, das dachte ich auch," sagte Fennimor sorglos,

"und immer nur, wenn Du mich darum bitten würdest, dürfte ich es tun; denn es ist ja unser Gebot, dass wir das Böse nicht suchen sollen, weil es, wie der Staub in der Luft, unmerklich uns berührt und endlich doch die reine Farbe unseres Inneren entstellt. Aber dann ist doch Deine Heimat auch nicht dort, und warum willst Du zurück, da es Dich traurig macht und Deine schöne Seele kränkt?"

Leonin's Brust wollte zerspringen. Er hätte ein lau

tes Angstgeschrei ausstossen mögendie Welt mit den Füssen unter sich zerstampfen. Ungeheuer! rief er innerlich. – Er wusste nicht, ob gegen sich oder gegen Andere; aber die erste selbstgeführte schlechte Tat hatte ihm den Zügel aus der Hand gerissener jagte fort, verwildert von der Angst, mit der sie ihn verfolgte.

"Darin irrst Dumeine Heimat darf hier nicht

sein. Ich bin dem vaterland, dem Könige, meinen hohen Verhältnissen als Vasall der Krone eine andere Lebensweise schuldig, als diese müssige Existenz hier sein würde."

"Ha," rief Fennimor, "das klingt schön, und ich begreife Deine hohe Bestimmungerzähle mir recht Viel davon! Du hast Recht, Dich so gross und kräftig zum Leben zu stellen, ein Mann muss das auch! So waren einst die Makkabäer, und ihre Grösse und Heldentugend diente auch zum Schutze des Vaterlandes. Davon wird die Seele ein mächtiger Tron erhabener Gedanken, die den Mann Gott näher führen, und doch bleibt er dabei sanft und heiter, wie ein Kind. – Wie gönne ich Dir diese grosse Weihe zum Leben, mein Geliebter! Wie stolz bin ich darauf und wie begreife ich nun wohl, dass Dir das armselige, kleine Leben, von dem Lesüeur sprach,