, so wissen Sie, was Sie von allen andern zu halten haben."
Da Leonin nicht antwortete, sondern seine Mutter mit düsteren, verwirrten Blicken anstarrte, fuhr die Marschallin mit steigendem Mute fort: "so sehr ich es mir auch zum gesetz gemacht habe, Ihrer Jugendverirrung nicht mehr zu gedenken, überzeugt, Sie würden im Laufe Ihres Lebens am hof, und bei erlangter Kenntniss der Verhältnisse, die Ihnen allein zustehen, von selbst die nötigen Schritte tun, sich von jedem störenden Einflusse, der daher kommen könnte, frei zu machen – muss ich doch einsehen, dass Sie mit Ihrer gewöhnlichen Nachlässigkeit jene Jugendtorheit unverändert gelassen haben. Wie jedes Uebel dadurch wächst, dass wir es nicht anzugreifen wagen, so findet es sich auch bei Ihnen; da Ihre glänzenden Verhältnisse, die Ihnen in allen Beziehungen die ersten und vollkommensten Gaben darbieten, Sie endlich auf die Spitze hintreiben, ergreift Sie das Gefühl, dieser Auszeichnungen nicht mehr wert zu sein durch unwürdige Bande, denen Sie noch Geltung zugestehen."
"Nein, nein," unterbrach sie Leonin – "nicht unwürdige – heilige, heilige Bande! – Ich bin vermählt! Ich bin ein Bösewicht, wenn ich es läugne!"
"Hierüber, mein Sohn," sagte die Marschallin mit grosser Kälte, "kann ich mit Ihnen nicht streiten. Der Pairshof würde Ihnen darauf antworten können! Doch würde ich beschämt sein, wenn mein Sohn von einem Gerichtshofe erfahren müsste, dass keine Handlung des Mineronnen, ohne Zustimmung seiner Eltern, irgend gesetzliche Kraft habe; noch mehr aber beschämt, wenn der Erbe des Namens Crecy-Chabanne in Zweifel darüber wäre, dass er sich vor der Welt nur durch eine ebenbürtige Vermählung behaupten könne. Doch dies Alles habe ich nicht nötig; – ich verweise Sie an Ihren Beichtvater; fragen Sie ihn, welche Kraft für einen Katoliken eine so ungehörige ketzerische Vermählung hat, und Sie werden erröten, der Spielball dieser Intrigue gewesen zu sein."
"O, meine Mutter," rief Leonin – "gestatten Sie mir nur, Ihnen die Dinge darzulegen, wie sie wirklich sind! Sie finden mich ja nicht hartnäckig, widerstrebend! Nur zu schmerzlich erkenne ich, wie unbesonnen und leichtsinnig ich gehandelt, wie das Wesen, das ich selbst aus freier Wahl in mein Leben verflochten, auf keine Weise in die Verhältnisse meines Standes passt, die ich jetzt erst in ihrer Wichtigkeit erkannt habe! Aber ich beschwöre Sie, wenn Sie mir helfen wollen, erkennen Sie an, dass dies Wesen edel und unschuldsvoll mit ihrem Vater mir vertraute – dass sie keinen Zweifel an der Rechtmässigkeit ihrer Vermählung hat – und bedenken Sie, dass ich damals, als ich ihr zum Altare folgte, derselben überzeugung war; mein Gelübde also zu Gott mit der vollen Zusage meines inneren drang! – Wenn Sie diesen Grad von Rechtmässigkeit erwägen, werden Sie meine Lage um so schwieriger finden; Sie werden zugeben, wie elend ich mich fühlen muss, zum Verräter an dem reinsten menschlichen Vertrauen zu werden – oder vor der Welt als ein Tor dastehn zu müssen, der die Gnade unseres grossen Königs zurückweist und ein Mädchen tödtlich verletzt, die durch Rang und Verdienst, die Erste zu sein, würdig ist."
Die Marschallin schwieg einen Augenblick und überlegte, dass ihr Sohn, wie aus seinen eben vernommenen Worten hervorging, weit genug gekommen war, dass sie jetzt teilnehmend werden könne, um das Ganze zu vollenden.
"Es ist vielleicht die Schwäche der Mutter, die mich mehr mitleidig, als zürnend macht; – ich kann aber nicht ohne Teilnahme sehen, wie diese unglückliche Sache Dein Herz beunruhigt, und ich will Dir vergeben, um Dir helfen zu können!" –
Leonin stürzte ihr zu Füssen, um die dargebotene Hand an seine Lippen zu drücken. – So gross war der Einfluss dieser Frau, dass ihre Zusage, ihm helfen zu wollen, eine Last von seinem Herzen wälzte, als ob damit schon Alles eine andere, günstigere Gestalt gewonnen habe. – "Wir müssen darüber einig werden," fuhr sie dann ruhig fort, "dass diese eingegangenen Verbindlichkeiten, seien sie so gross, als sie Dir erscheinen – oder so klein, als sie wirklich sind – auf jeden Fall gänzlich für Dich beseitigt werden müssen; und ich würde, da ich Dir wenig Geschick für diese Angelegenheit zutrauen darf, ungern in Deine Rückkehr willigen, wäre Deine Abreise nicht einmal von dem Könige erwähnt worden, und dadurch einem Befehle ähnlich zu betrachten, und damit Dir auch Zeit gegeben, eine Stimmung zu gewinnen, wie Mademoiselle de Lesdiguères sie von Dir erwarten darf. – Doch verlange ich von Dir, dass Du jene junge, unwissende person auf ihr notwendiges Schicksal vorbereitest, entweder durch die bestimmte Darlegung Deiner jetzigen Lage, über die Du früher aus Unwissenheit so falsch urteiltest – oder, indem Du ihr durch Dein kaltes Betragen Dein verändertes Herz dartust. Ich werde indessen den Marquis de Souvré, der schon einmal der Vertraute dieser unglückseligen Angelegenheit war, bewegen, sich der Sache aufs Neue anzunehmen, und er soll Dir nach Ste. Roche folgen und alles Uebrige feststellen und beendigen. Vorher musst Du Deinen Beichtvater sprechen; er wird Dir sagen, wie sehr Du Dich versündigt hast, eine Verbindung mit einer Ketzerin geschlossen zu haben, und wie Du diese Sünde nur sühnen kannst, indem Du sie aufhebst und widerrufest. Auch wird hierzu die junge person durch ihres Landes Sitte, wie durch die Lauheit