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!" – Doch brach sie nach diesen Worten ab; denn sie durfte ihrem zürnenden Herzen nicht trauen. –

Am Abende erschallten Hörner in der Ferneein Reisezug flog durch das Tal. Als Fennimor es hörte, sank sie auf ihre Knie und beteteEmmy's Brust wollte zerspringen.

"Lebt sie, wowoist sie, Emmy, geliebte Emmy?" rief Leonin und weinte wie ein Kind, als er die spröde, schluchzende Gestalt wie eine Geliebte an seine Brust drückte.

"Sie ist ihrer Stunde nahe, Herr," sagte Emmy. Eis und Bitterkeit glitten dabei von ihrem Herzen; denn sein Gefühl war keine Lüge.

Da drängte er den Ungestüm zurück, und sie führte ihn bis zu Fennimor's Zimmer. Sie hatte ihm nicht mehr entgegen eilen könnenihre Füsse hatten gewanktsie sass, und ihr im vollsten Purpur glühendes Engels-Antlitz leuchtete über die bedeutungsvolle Gestalt.

Als er sie sah, ward sein Herz wieder festaller Ungestüm, alle Leidenschaftlichkeit war daraus verschwunden. Er fühlte die ganze Heiligkeit ihrer Stimmung und lag weinend zu ihren Füssen, sein Gesicht in die Falten ihres Kleides bergend.

"Sieh nur, Leonin," sagte sie da über ihm mit der klaren, süssen stimme – "sieh nur, wer ich bin!" Und sich kräftig fühlend, erhob sie sich und stand vor ihm, und als er aufsah, erblickte er sie leuchtend vor Freude, mit der Gewissheit des höchsten Glückes, das sie ihm zu geben hatte.

Und das war der Inbegriff von Allem, was sie ihm zu sagen hatte. Kein Vorwurf, keine Unsicherheit, keine Befürchtungals ob sie gestern das letzte Wort mit ihm gesprochen hätte, so ruhig, so froh und heiter knüpfte sie wieder an. Nur lieblich, kindlich wehren tat sie ihmer durfte nur leise mit ihr seinsie behütete sich ernst und doch halb kindlich spielend. Doch verhüllte die Freude nur noch schwach die ahnungsvolle Bangigkeit, die immer schneller wiederkehrend in ihr aufstieg und Emmy Gray entführte sie endlich aus Leonins Armen in ihr Schlafzimmer. –

Als aber die ersten Strahlen der Juli-Sonne den Horizont röteten, kniete Leonin nach einer unter tausend Qualen verlebten Nacht an Fennimors Bette, und sie sah an seiner Brust ihren Traum erfüllt, und Leonin rief immer fort: "Fennimor, Fennimor, mein geliebtes Weib, Du hast mir einen Sohn geboren!"

"Und so klein ist er! und so rund! und seine Aeuglein glänzen wie Sterne!" setzte Fennimor leise lächelnd hinzu, während grosse Tränen über die blassen Wangen flossen, und die schönen matten Händchen sie nicht trocknen konnten.

Emmy's argwöhnischer Tadel verstummte nach gerade vor dem glücklichen Vater, der, zwischen Fennimors Lager und der Wiege seines Kindes mit eifersüchtiger Sorgfalt Beide behüten wollte. Sie ward wieder hoffnungsvoll und heiter, und sah dem Glücke ihres Lieblings ohne so bange Schmerzen zu, als sie bisher erlitten. Und dennoch hatte sie Rechtdennoch war es derselbe Leonin nicht mehr, der diese Stelle einst einweihte als das Ziel seines Strebens, als die Bestimmung seines Lebens!

Er war jetzt, was er an dem hof Ludwigs des Vierzehnten wardas Kind des Augenblicks. Hier von den edelsten Beziehungen der Menschen zu einander so warm ergriffen, wie dort von ihren eiteln Bestrebungen beherrschtkeiner Lage ganz gehörendzu der einen zu eitel und ehrgeizig, zu der andern zu gut, zu tief in die Geheimnisse eines höheren Lebens durch Fennimor eingeweihtüberall geteilt, zerfallen mit sichauf dem sichern Wege, das zu werden, was der Marquis de Souvré zu erreichen trachtete: ein unglücklicher, von verfehlten Lebenswegen irre geführter Mensch!

In dem Augenblicke, wo er beinah mit Andacht sein Weib, die Mutter seines Kindes, betrachtete, wusste er, dass seine Verlobung mit fräulein von Lesdiguères am hof deklarirt war, und seine Rückkehr erwartet, um seine öffentliche Vermählung zu feiern. Er wusste, dass er diese gegen seinen Willen ihm über den Kopf gewachsene Verpflichtung jetzt erfüllen musste, oder dass er vor der Welt, deren Meinung ihm so wichtig geworden, entehrt dastehen, und auf ewig aus der glänzenden Gemeinschaft getrieben sein würde mit der sichtbaren Gotteit Frankreichsmit seinem Könige. Jede ehrgeizige Hoffnung wäre damit vernichtet gewesen, der Name, dessen stolzen Anspruch er jetzt erst begriff, zu dem trostlosesten Dunkel hinab gewiesen, und in der Verbannung keine Hoffnung auf Seelenruhe, da ihm der Fluch der Eltern und das Andenken an Viktorinens gebrochenes Herz folgen musste. –

Am Morgen nach der uns bekannten Ernennung des Königs, begab sich die Marschallin von Crecy, die sonst die Waffensäle ihres Gemahls selten besuchte, dahin, dem zögernden Leonin zuvorkommend. Der Marschall musste die Aufmerksamkeit seiner Gemahlin anerkennen, dass sie schon am frühen Morgen zu ihm eile, ihm sowohl die Anstellung ihres Sohnes, wie die Verlobung desselben mit Mademoiselle de Lesdiguères anzuzeigen, die durch einige Worte der Majestäten, welchen allerdings die Sache ausser Zweifel war, für beide Ehegatten die Sanction einer priesterlichen Einsegnung erhielt. So ward Leonin, als er später dem Vater nur seine Anstellung mitteilen wollte, in doppelter Beziehung beglückwünscht, und der unbeschreiblich ungestüme jubel des alten Helden ertödtete jeden Versuch der Widerlegung in dem fast von diesen Eindrücken betäubten Sohne. Auch fand er ihn schon zur Hälfte in seiner Marschalls-Uniformer wollte dem Könige seinen Dank abstatten und dann der alten