Huldigungen übergehend. Ihr war allerdings ein bedeutender Grund zum Missfallen gegeben, und um so mehr, da es ihr unerklärlich war, von welcher Seite ihr diese Störung ihres Planes kam. Die plötzliche Ernennung von Seiten des Königs sollte es Leonin unmöglich machen, nach Ste. Roche zu gehen, und eben der König erwähnte diese Reise als angenommen und erlaubt, die durch diese Erwähnung jetzt sogar unumstösslich geworden war.
Die Marschallin konnte auch den Zusammenhang nicht ahnen; denn die Ursache davon war die gute, empfindsame Gräfin Grammont gewesen, gegen die Leonin, als er die abschlägige Antwort der Prinzessin erhielt, in der gedankenlosesten Befangenheit eine Unruhe und Angst, nach Ste. Roche zu kommen, ausgesprochen hatte, von der die gute Dame so gerührt ward, dass sie ihm wenigstens diesen Dienst nach der missglückten Audienz zu leisten wünschte und die Prinzessin mit Bitten bestürmte, diesen Wunsch des armen jungen Mannes doch beim Könige zu vertreten. Henriette hatte dies mit ihrer unbefangenen Gutmütigkeit getan, und der König es bewilligt.
In welcher Bewegung jedoch Leonin durch die plötzlich auf ihn einstürmenden Eindrücke sich fühlte, würde unbeschreibbar sein! Das angeregte verhältnis zu Fennimor entkräftete zwar in etwas den Triumph dieses Abends; aber er wurzelte schon zu tief in diesen Zuständen, um nicht das Aufbrausen des Ehrgeizes mit Wonne zu fühlen; – und sich endlich sagen zu können, das er erreicht habe, was er gewollt, belebte sein Antlitz, dass Jeder darin das erfüllte Verlangen erkennen musste.
Auch Viktorine, während des Concertes hinter dem stuhl der Königin gefesselt, erkannte mit höherem Herzschlage das veränderte Ansehen Leonin's; ihre Blicke suchten und fanden sich, und das edle Mädchen, so nahe sich der Auflösung ihres Zwanges wähnend, liess ihn in ihren Augen ihr ganzes Gefühl lesen.
Jetzt erhoben sich die Herrschaften und begaben sich, von ihren nächsten Umgebungen gefolgt, grüssend an der Menge vorüber, in ihre Zimmer. Leonin stellte sich Viktorinen bei diesem langsamen zug absichtlich in den Weg. Sie sollte ihm Glück wünschen – freudig blickte er, herausfordernd zu ihr auf.
Sie glaubte ihn zu verstehen. "Leonin" sagte sie, bebend mit glühenden Wangen und gesenkten Augen, "ich kenne die Wünsche unserer Freundin – ich kenne die Wünsche unserer Familien – ich habe S i e verstanden, und mein Herz widerstrebt diesen Wünschen nicht länger, da sie mein erstes Gelübde gegen die Königin nicht aufheben werden. Die Königin kennt unsere Wünsche und billigt sie. Nach Ste. Roche also! Ich breche die brücke nicht ab, die zu mir zurück führt!"
Schnell folgte sie dem zug. Es war ein Glück – Leonin war an ihren Worten zur Salzsäule geworden; – sie sah es nicht mehr.
"Wollen Sie mir Ihren Arm geben, mein Sohn!" sagte die Marschallin in diesem Augenblicke. "Sie werden, denke ich, nicht eher abreisen, bis Sie Ihrem Vater Ihre so überaus ehrenvolle Anstellung mitgeteilt haben."
"Gewiss nicht," erwiderte Leonin und führte die Marschallin zu ihrem Wagen, bestieg den seinigen und eilte in sein Zimmer, alle Bedienung fortschikkend, um allein zu bleiben – der unglücklichste Mensch der Erde, wie er wähnte. Die Wälder von St. Roche, die Gärten, die das Schloss zunächst umgaben, die Weideplätze und Wiesengründe, die daran stiessen, Alles prangte in dem schönen Grün des Juni-Monats, und schien der Seligkeit einer vollständig erreichten, üppigen entwicklung hingegeben. Täglich sich nachdrängende bunte Blumen, die zarten ersten Früchte, die an Sträuchern und Pflanzen glänzten, Alle schienen sich in den grünen Hallen ein Willkommen zuzujauchzen, als heitere Gespielen, für die der Boden ergrünet. – Auch standen diese schönen Ankömmlinge an einander gereiht, wie reizend geschmückte Tänzer, bereit, den schönen Sommerreigen über die Erde zu tanzen; und in den blauen Lüften, in den schattigen Lauben erklang dazu aus tausend kleinen verschiedenen Kehlen ihr melodisches Orchester. Warme Sonnenstrahlen belebten den langen Tag, tauige Nächte erfrischten die duftende Schönheit der ganzen natur.
Leise aufhorchend so vielen Wundern, sie alle belauschend mit kindlich wachsamem Auge, so vertraut damit, so beseligt dadurch und zugleich so schüchtern, so behutsam, als könnte ein zu kühnes Hinblikken oder Berühren die kleinen fleissigen Arbeiter in ihrem Aufblühen, Duften und Reifen stören – so glitt Fennimor's leichter Fuss durch die Pracht des Sommers! Sie wusste nicht, dass sie keine aufblühende Blume zu beneiden hatte – selbst so reizend erblüht, dass sie zu ihnen zu gehören schien; und wenn das kindliche Antlitz aus den volleren Falten ihrer Kleider schaute, konnte man vergleichend sagen: die Knospe beuge sich über die aufgeblühte Blume, an demselben zarten Stengel getragen.
Sie wollte immer unglücklich sein, da Leonin noch fehlte; aber sie konnte doch nicht Zeit dazu finden vor all der Herrlichkeit in und ausser ihr. Die Tränen, die sie weinte, waren wie die kurzen Nächte, sie dauerten nicht lange; denn mit der Sonne – was kamen da all für süsse Gedanken! – Emmy Gray hatte ihr endlich entdecken müssen, was ihr geschah; und nun war es ihr, als ob der Altar des Herrn in ihr errichtet sei, und sie hätte in aufhorchender Stille auf ihren Knien, auf denen sie Emmy's Verkündigung erfuhr, liegen bleiben mögen, damit sie heilig würde zu der grossen Gemeinschaft mit Gott, wie sie sagte. – Wie lange konnte sie still und in sich gewendet zwischen den Blumen sitzen, und gar