sonst von Waffen besiegt, die am unleidlichsten sind – Sie werden ausgelacht werden!"
Leonin stand dieser stachelnden Rede mit einer sol
chen Abspannung gegenüber, dass sie vergeblich ihn zu kränken suchte. Er hatte nicht umsonst auf dem gefährlichen Boden so lange gelebt, und Souvré wusste das besser, wie er. Was eben schonungslos vor ihm beim Namen genannt werden konnte, war in vielen kleinen Anklängen ihm schon längst verständlich geworden, daher überraschte es ihn nicht; aber er wusste sich nur, wie immer, keinen Rat.
"Dessen ungeachtet muss ich nach Ste. Roche," hob
er endlich erwachend an – "das ist eine heilige Pflicht, mag sie verzeichnet stehen, wo sie will!"
"So tun Sie es," sagte Souvré sorglos – "nur ver
schweigen Sie die Veranlassung! – Ich muss Madame de Bellefonds diesen Morgen noch sprechen, ich will ihr sagen, dass Sie die Majestäten von Ihrer Abreise unterrichtet. Warum sollen Sie Ihr Hotel Biron nicht so gut haben, wie der König?"
Das war zu stark – es blitzte alles bessere Gefühl
in Leonin auf, zu heftiger Entgegnung richtete er sich in die Höhe; – aber schon glitt Souvré leicht grüssend die grosse Treppe hinunter und liess Leonin mit einem Gefühle von Schmerz und Entwürdigung zurück, wie dieser Feind seiner Ruhe es ihm nur wünschen konnte.
Blind und betäubt verfolgte er indessen die Rich
tung, die er genommen; die Stimmung, in der er sich befand, war Fennimor's nicht würdig; aber sie war doch von Gefühlen untermischt, die einem edleren Bewusstsein angehörten. Das Eine, dass er jetzt zu ihr zurück müsse, blieb wenigstens vorherrschend und hielt den anderen Eindrücken, die nur zu viel Wichtigkeit für ihn bekommen hatten, das Gleichgewicht.
Seine Mutter nahm seinen späteren Besuch nicht an. – Sie empfing, wie er bemerkte, heute alle Morgenbesuche persönlich und liess Leonin ein grösseres Diner ansagen. Noch ehe dieser sich zu seinem Vater begeben hatte, wusste sie Alles, was in seinem Zimmer vorgefallen, und eine kurze Unterredung mit dem Marquis de Souvré machte die Mine springen, die Beide seit langer Zeit für diesen Fall bereit hatten.
Souvré, der bei der unglücklichen, durch ihr Herz verstrickten Henriette immer Zutritt hatte, erschien eine Stunde früher, und Madame erfuhr, dass Leonin alle Hoffnung habe aufgeben müssen, in die Armee eintreten zu können, da der Marschall unerschütterlich seinem Vorsatze getreu bleibe; dass er jetzt verzweifle, der König werde ihn bei hof anstellen, und sich entehrt und herabgesetzt halte. Die Marschallin liess der Prinzessin ihren Schmerz hierüber ausdrükken, und ihre Hilfe, ihren Beistand bei dem Könige nachsuchen. Die Prinzessin versprach mit ihrer gewohnten Gutmütigkeit, dass sich Alles diesen Abend bei der Königin ausgleichen solle.
Die Marschallin erschien nicht früher, als bis ihre Zimmer sich gefüllt hatten, und kein Raum mehr für ein vertrauliches Wort vorhanden war. Als sie ihrem Sohne begegnete, blieb sie stehen, und in der Gegenwart von einigen zwanzig Zeugen sagte sie plötzlich: "Sie wollen uns morgen verlassen? Sie sind sehr eilig, Ihre schönen Besitzungen in Ste. Roche in Augenschein zu nehmen! Doch müssen wir Ihren Eifer loben – mehrere Ihrer Vorfahren pflegten von Zeit zu Zeit sich dort aufzuhalten. Ihre Eltern haben diese Neigung nicht gefühlt – vielleicht werden Sie darin Ihren Ahnherren wieder ähnlicher. – Wir werden uns diesen Abend bei der Königin sehen!"
Als sie bei diesem Winke das Wort an einen Anderen richtete, fühlte Leonin zuerst etwas wie Groll in sich aufsteigen, und sein gequältes Herz malte sich in seinen bleicher werdenden Zügen.
Mit demselben Ausdrucke noch sah ihn die sanfte Henriette von England am Abende bei der Königin, in dem ungewöhnlich vergrösserten Zirkel, und ihr teilnehmendes Lächeln wollte ihn aufrichten; da sie hoffte, er würde durch ihre Vermittlung noch Alles diesen Abend erreichen, was seine sichtlich gekränkte Stimmung verriet.
Nach dem erscheinen des Königs, der sehr bald seinen Platz neben seiner schönen Schwägerin einnahm, ward es Leonin möglich, sich Mademoiselle de Lesdiguères zu nähern, die mit der grössten Teilnahme ihn aus der Ferne beobachtet hatte. Er fühlte sich, wie immer, an ihrer Seite erleichtert; – sie schien ihm heute vor Allen das einzige menschliche Wesen in diesem Kreise, und er glaubte, nach der gewöhnlichen Weise der Männer, sich jeder Empfindung hinzugeben, ohne der notwendigen Missdeutung ihrer Aeusserungen gedenken zu wollen, dass er ihr endlich die ganze Weichheit und Erschütterung seiner Seele zeigen dürfe. Er sagte ihr, dass er am andern Morgen abreisen werde – er sagte ihr, wie schwer sein Herz sei, wie es ihm scheine, er werde nie wieder hierher zurückkehren; wie alle Hoffnungen, alle Wünsche auf diesem Schauplatze des Lebens ihm versunken wären, und er sich nur wieder finden könnte in der Einsamkeit von Ste. Roche – er verliesse hier Niemanden mit schwerem Herzen; allein die Trennung von ihr bekümmere ihn tief – gern, gern würde er ihr sein ganzes Herz aufgeschlossen haben, aber er müsse fürchten, dass sie ihn alsdann für immer aus ihrer Nähe verbanne, und es würde die brücke, die ihn zurückführen könne, völlig abbrechen heissen, wenn er Sie nicht als seine Freundin wieder zu finden wisse. –
Er sagte ihr dies Alles mit einem Tone der stimme, der die tiefste Herzensbewegung ausdrückte, und blickte sie dabei mit einer Bewunderung an, die ihre ungewöhnliche Schönheit ihm immer einflösste, und die ihm dies Mal durch