, höchst übel genommen haben, und ihm blieb Nichts übrig, als äusserlich Geduld zu zeigen, während er innerlich fast vor Aufregung zu vergehen meinte.
Endlich schlug der ersehnte Augenblick, und gleich darauf eilte seine Karosse zur Gräfin Grammont.
Madame de Grammont kam durch die falsche Stellung, die Oberhofmeisterin einer geistreichen Prinzessin zu sein, in den Wahn, selbst für geistreich gelten zu müssen, und suchte durch leichte, humane und elegante Manieren die Herzogin von Bellefonds zu persifliren, deren steife spanische Grandezza über die kleinste Abweichung von der Regel den Bannfluch sprach. Sie war daher leicht zu jeder Stunde zugänglich, verbaute den Eintritt bei Madame nicht durch ihren eignen Willen und war stets in eine Wolke von Parfums gehüllt, mit Vögeln, Hunden und Kätzchen aller Rassen umgeben; – übrigens aber die beste Frau der Erde.
Sie nahm nicht allein Leonin's Besuch gnädig auf, sondern begab sich auch zugleich zu Madame, ihr die Bitte des jungen Grafen vorzutragen. Doch kam sie bald und mit sehr verlegener Miene zurück, indem sie eine völlig abschlägige Antwort zu bringen hatte, da die Prinzessin allein zu bleiben wünschte.
Leonin fühlte sich hierdurch ganz aus dem Wege gedrängt, den er sich als den leichtesten und bequemsten gedacht hatte, und schlich, in tiefes, unruhiges Nachdenken versenkt, über die Galerien und Vorsäle zurück, völlig unsicher, was ihm jetzt zu tun obliege. Einen Augenblick trat er an die Brüstung einer offenen Galerie, die vor der Prinzessin Kabinet vorbeilief und in die Gärten niedersah, um, ehe er seinen Wagen bestieg, zu wissen, wohin er ihn richten sollte; – da hörte er eine Flügeltür aufgehn, die unmittelbar in die Zimmerreihe von Madame führte, und der Marquis de Souvré eilte mit schnellen Schritten daraus hervor.
"Souvré! – Crecy!" riefen Beide überrascht. "Also die Prinzessin war nicht allein?" fuhr Leonin laut denkend heraus. – "Mich nur wollte sie nicht sehen?"
"Sie sind ja in vollkommen hypochondrischer Laune!" lachte Souvré – "Was haben Sie denn? Im Ernste, Sie sehen entsetzlich tragisch aus; – ich erkenne den leichten, heitern Gesellschafter der Mademoiselle de Lesdiguères nicht wieder!"
"Lassen wir das, Marquis!" rief Leonin – "Sagen Sie mir nur, ob Sie bei der Prinzessin waren, ob keine Möglichkeit ist, bei ihr Zutritt zu erlangen?"
"Nachdem Madame de Grammont mit ihrem Gesuche abgewiesen worden ist?" fragte Souvré – "wo denken Sie hin! Doch, lassen wir das – was gehen uns die Launen der Prinzessin an! Wer sagt Ihnen, dass ich bei ihr war? Das kann ja Alles von keinem Belange sein."
"Es ist wichtiger, als Sie denken, Souvré!" erwiderte Leonin. "Ich muss morgen früh nach Ste. Roche abreisen; der Prinzessin, dieser edlen, fühlenden Seele, will ich mich vertrauen, sie muss den König für meine Bitten gewinnen, dann werden meine älteren nicht widerstehen!"
"Nun dem Himmel sei Dank, dass Sie an der Ausführung dieses wahnsinnigen Unternehmens gehindert wurden! Was glauben Sie, dass der Erfolg gewesen wäre? Ihre völlige Ungnade, des Königs ungemessenster Zorn, und wahrscheinlich einige so gewaltsame Maassregeln, dass Sie schwerlich Ste. Roche so bald möchten erreicht haben!"
"Nein, nein, Souvré! Nein, Sie irren; das würde der König nicht tun, am wenigsten an Jemandem, der meinen Namen trägt."
"Gerade darum," entgegnete Souvré, empört über den Hochmut dieses Toren, der, immer noch zu sicher, immer noch nicht unglücklich werden wollte – "gerade deshalb würden Sie seinen stärksten Unwillen auf sich ziehen. – Sind die Crecy-Chabanne nicht Vettern des Königs? Ihre Verbindungen sind daher, wie er annimmt, von ihm abhängig. Waren Sie noch nicht hier, wie das Verlöbniss des Grafen von Harcour mit Mademoiselle de Roux auf seinen Befehl getrennt ward; da ein Harcour sich nur mit seiner Bewilligung, nach seiner Wahl, mit einer Tochter aus den alten Familien des Reichs vermählen darf?"
"Ich aber," sagte Leonin – "ich, der ich schon vermählt bin? bei dem von Auflösung nicht mehr die Rede sein kann?"
Souvré trat ein Paar Schritte näher, und dicht vor Leonin stehend, sagte er so spöttisch herausfordernd, wie er vermochte: "ist es möglich, haben Sie hier umsonst gelebt? Sie, Sie können noch von dieser Vermählung als einer Wirklichkeit sprechen? Sie können glauben, dass irgend Jemand, vom ersten bis zum Letzten, diese Verbindung für rechtmässig, für bindend ansehn werde? – fragen Sie, wenn Sie können, Ihre Priester, Ihre Verwandte, die Minister, die Armee, den König – und wenn Sie Zeit haben, die Antwort zu hören, so werden Sie ein und dieselbe hören. Niemand wird Sie für vermählt halten. Niemand wird es für möglich achten, dass ein Crecy-Chabanne – ein Vetter des Königs – ein Katolik überdies, eine englische Pfarrerstochter ehelichen könnte, die eine Ketzerin ist. Niemand denkt daran, dass eine Procedur dieser englischen Kirche, die überdies den Minorennen, ohne Einwilligung der Eltern und des Königs Dastehenden, vor aller Augen als ein Opfer der Intrigue erscheinen lassen wird, rechilich oder kirchlich binden könnte. Daher rate ich Ihnen als Freund – treten Sie mit dieser kleinen Jugendtorheit nicht in die Schranken; Sie werden