– von ihrem Bilde eilte ich zum Krankenlager! Da hat sie mich gepflegt – hören Sie, mein Herr, nicht diesen elenden, dem tod verfallenen Leib hat sie bloss gepflegt – meine Seele hat sie geheilt, die, kränker als mein Körper, zum Mörder an ihm ward! Wenn ich jetzt den Weg in das Jenseits finde, wenn Friede und Ruhe mein letztes Lager umgeben – dann werde ich es ihr danken, die alle meine Irrtümer so lange verfolgte, bis sie besiegt zu ihren Füssen lagen. Ich werde sie sehen, bis mein Auge bricht, wie sie mit dem Heiligenscheine ihrer Begeisterung an meinem Lager betete, als sie mich für sterbend hielt; – ich werde dies Gebet auf meinen Lippen tragen, wenn ich ende, und es wird die brücke sein, die mich hinüber führt! Und dies tat sie," fuhr er fast weinend fort, als Leonin sein Gesicht in tiefster Bewegung verhüllte, "obgleich ihr eigner Zustand Schonung, Sorgfalt verlangte, die wohl keine Frau in solcher Lage sich versagt."
"Was meint Ihr, Lesüeur?" rief Leonin und sprang todtenbleich von seinem stuhl auf, ihn mit fieberhafter Bewegung ergreifend. "Was fehlt Fennimor – warum bedarf sie der Schonung – was ist ihr geschehen?"
"Wie!" rief Lesüeur, "so fragen Sie mich? Sie wissen nicht, was Fennimor geschah? – O, gehen Sie hin, gehen Sie hin, so schnell Sie können! Hat sie es Ihnen verschwiegen, so sollen Sie mit dem heiligen Glücke überrascht werden, das sie Ihnen aufhebt!"
"Lesüeur," stammelte Leonin, "sagt, sprecht es aus! Fennimor!" Er konnte seiner Ahnung keine Worte geben.
"Fennimor," sprach Lesüeur, "wird Mutter werden!"
laut weinend stürzte Leonin bei diesen Worten in Lesüeur's arme. Die Rinde um sein verlocktes Herz war gesprungen – er war wieder Mensch – Fennimor's Gatte, die natur hatte ihren mächtigen Ruf nicht umsonst ertönen lassen.
"Nun dem Himmel sei Dank, Emmy Gray hat nicht Recht!" rief Lesüeur – "Er liebt sie noch, er wird sie ehren und erheben, wie es sich gebührt! – Doch eilen Sie! Noch hält sie fest am Glauben, und das Glück, das sie, mit kindlichem Erstaunen wie die heilige Jungfrau, selbst in sich trägt, erhält sie in seliger Verklärung. – Emmy Gray sagte mir, in den nächsten monat müsse die entscheidende Stunde fallen."
"Lesüeur, mein Freund! mein Wohltäter! – Fennimor, mein geheiligtes, unschuldiges Weib! – Morgen, morgen will ich fort!"
Ausser sich, rief Leonin seinen vertrauten kammer
diener; augenblicklich gab er die Befehle zur Abreise; am andern Morgen wollte er fort. Er liess sich bei seinem Vater melden – er wollte ihm seine Abreise nach Ste. Roche anzeigen. Dann wollte er zu Madame Henriette, ihr sein ganzes Herz ausschütten – sie sollte beim Könige, bei der Königin Alles vorbereiten; dann wollte er in dem Abendzirkel der Königin sich von Beiden beurlauben. Seine Mutter drängte er bei diesen Ueberlegungen zurück; was er mit ihr wollte, wusste er nicht, darum berührte er es nicht. – laut denkend, indem er Alles, was er dachte, an Lesüeur aussprach, lief er im Zimmer umher und bestellte endlich seine Toilette und seinen Wagen, um zur Oberhofmeisterin der Prinzessin, der Gräfin von Grammont, zu fahren.
Dann ging er zu seinem Vater und trug ihm über
eilt, zerstreut und mit dem vollsten Ausdrucke der erlittenen Gemütsbewegung seine Absicht vor, nach Ste. Roche abzureisen.
"Aha," lachte der Marschall, "wir haben
Crecy'sches Blut! Wir sind verdriesslich! Die Hofcharge und die Braut bleiben zu lange aus! – Nun höre, mein Junge, das ist so übel nicht! Tue Du ein wenig empfindlich, damit sie nicht vergessen, wer Du bist! Es wird schon aufsehen machen, wenn Du jetzt fortgehst, als ob Du aller Hofgunst den rücken kehrtest, wo alle die Hasen in einer Reihe lauern, um auf das erste Signal nach dem roten Lappen zu laufen. Ich habe nichts dagegen – und sei nur ruhig – ich werde indessen Deinen Platz einnehmen! Sie sollen mich nur fragen, wo Du hin bist – ich will ihnen dienen! Die Frau Königin Anna denkt wohl, sie hat Wort halten nicht mehr nötig; da der alte Marschall nicht mehr die Tore von Paris stürmen und ihre Frondeurs in die Flucht schlagen kann! Nun, nun – wir wollen sehen lassen, wer ich bin! Gehe Du indessen, mein Junge – ich stehe Dir dafür, Du wirst bald zurück gerufen."
Der Arzt und der Kaplan unterbrachen diesen väterlichen Erguss und nahmen Leonin die gelegenheit zu jeder Erwiederung, selbst wenn er sie beabsichtigt hätte; was wir indessen bezweifeln, da er, um den Marschall von seinen eisernen Ideen abzubringen, wenigstens die entschlossene Sicherheit seiner Mutter hätte haben müssen, die ihm um so mehr fehlte, da ein Meer der widerstrebendsten Gedanken und Gefühle in ihm nichts weniger aufkommen liess, als einen festen und geordneten Zustand. – Zur drückendsten Bürde wurde es ihm dagegen, den langweilig scherzhaften Gesprächen längst verbrauchter Gedanken zuzuhören, mit denen diese, täglich nur auf sich selbst angewiesenen, Männer sich zu vergnügen glaubten. Doch würde der Marschall seine Entfernung, ehe e r dazu das Zeichen gab