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gehöre in das Schloss der Gräfin d'Aubaine, führt mich dahin, oderich bitte Euchhaltet meinen Weg nicht auf, die Gräfin erwartet mich."

"Ach, warum sagst Du mir das Alles, was ich ja weiss! Wohl wird Dich die Gräfin erwartenaber wo warst Du? – Du hast sie so lange schon warten lassen, dass sie Dich nicht mehr erwarten wirdaber mich? mich? warum hast Du denn auch mich warten lassen? so lange, so vergeblich?" Hier verzog ein konvulsivisches Weinen sein zum tiefsten Schmerze ausgeprägtes Angesicht.

"Armer Unglücklicher," sprach Miss Eton, deren Rührung über ihre Angst zu siegen begann – "Du bist wohl recht traurig und leidest wohl grossen Schmerz? Doch kann ich Dir Deinen Kummer nicht lindern, denn ich bin nicht, wofür Du mich hältstaber ich bitte Dich, da Du unglücklich bist, habe Mitleid mit mir und lass' mich jetzt ungehindert weiter gehen!"

"Ich Dich gehen lassen?" rief der Jäger dagegen in wilder Hast, "ich soll Dich aufs Neue verlieren?" – Eine fürchterliche wilde Angst brach aus seinen Zügen und verwandelte die Todtenbleiche seiner Farbe in Purpurglut. "Niemals! Niemals!" rief er mit solcher Heftigkeit, dass Elmerice, die Besinnung verlierend, fast bewusstlos gegen den Abgrund zustürzte. Da fühlte sie sich mit einer Gewalt ergriffen, als ob eine Riesenhand sie umspannte, und sie sah sich nun gänzlich in die Macht des Wahnsinns gegeben. – "Willst Du wieder hinabstürzen, willst Du nicht warten, bis ich Dir den schönen ebenen Weg gezeigt, den ich ja für Dich schon fertig gemacht hatte, ehe Du Dir selbst den steilen, rauhen hier suchtest. Ach, hättest Du noch einen Tag gewartet, so hätte ich ihn Dir gezeigt! – Sie sagen," fuhr er fort, ganz zerstreut mit der Hand an seine Stirn fahrend, indem er die zitternde Elmerice aus seinen Armen liess – "Du seist hinab gestürzt, als Du in der Finsterniss nach Ardoise zurück wolltest, hier unten hätten Deine blutigen Gebeine gelegenda habe ich sie gesehenda!" fuhr er fort und starrte vor sich hin – "ganz in Blut! Dein Köpfchen geknickt daneben, Deine lieben arme zerrissenwarst Du das?" – Er fing still und bitterlich an zu weinen. – "Hätte ich Deinen Wunsch erfüllt und Dich den Tag vor unserer Hochzeit hinab geführt, dann könnte ich doch schlafen, wie Du, aber so, – wer konnte auch denken, Du würdest Wort halten und hinabsteigen!" Er schien Elmerice ganz vergessen zu haben, die Vergangenheit trat mit allen ihren schmerzenden Bildern ihm nah'; Miss Eton raffte aufs Neue ihren Mut zusammen und versuchte zurück zu kehrenda hörte er ihr Gewand rauschen, er blickte um, er sah sie und schrie krampfhaft auf. "Jenny, Jenny, Du willst doch fort?" rief er, sich ihr nachstürzend; – "nein, nein, geh' nicht, ich bitte Dich, geh' nicht! oder es geschieht, was die Leute sagen, und ich verliere den Verstand!"

Miss Eton blieb stehen, unfähig zu gehen, aber wohl fühlend, dass jeder Versuch, ihn zu verlassen, ihre Lage bedenklicher machte, rief sie schnell entschlossen: "Nun wohl, ich will Euch nicht verlassenaber bringt mich selbst nach Ardoise zurückich bitte Euch, tut das!"

"Ja!" sagte er sanft und freundlich, "das will ich gewiss, aber erst muss ich Dir den schönen Waldweg zeigen, den ich für Dich gemacht, und von da aus führe ich Dich durch den Steinbruch einen Weg, den Niemand kennt, nach Ardoise; dort bei unserer Hütte, in der wir uns immer trafenweisst Du noch, liebe, liebe Jenny? O, Du hast doch nichts vergessen? Denn es ist lange her, wie sie Dich begrubendazwischen war Winterda hatten sie mich eingesperrtnun ist die Zeit unserer Hochzeit wieder da! und nun kommst Du auch, und bist so schön, so schön! Du bist wohl noch schöner geworden, weil Du ein Engel geworden bist."

Miss Eton hörte trotz ihrer Angst mit Rührung und Interesse die Klagen des Armen, dessen Schicksal sie aus seinen Andeutungen hinreichend erraten konnte, aber sie wusste ihm nichts mehr zu antworten; sie zitterte eben so sehr vor seiner Begleitung, als vor dem Zustande, worin ihn ihre Weigerung versetzte. – "Lasst uns ein anderes Mal diesen Weg versuchen," sprach sie schüchtern, "ich bin heute ermüdet, kann so weit nicht mehr gehen."

"Ermüdet bist Du? – da müssen wir uns erst ausruhen. O gehe nur wenige Schritte weiter, so will ich Dir einen schönen Moossitz zeigen, wo Du ausruhen kannst, und dann steigen wir hinaboder ich trage Dich bis dahin."

"Um Gottes Willen, nein!" rief Miss Eton und eilte, so schnell sie vermochte, voransie fühlte, dass ihr nichts übrig blieb, als sich ohne Widerstand in seine Gedanken zu fügen, sie hoffte ihn so sanft zu erhaltenvielleicht traf sie auf dem Wege einen Schutz, vielleicht leitete er sie selbst, in dem Wahne, die Geliebte zu führen, sicher nach Ardoise zurück.

"Nein," rief er und