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Opfer unermüdlichen Fleisses ohne Anteil und achtung betrachten. Diese seelenvollen, grossen, schwarzen Augen schienen um den Mangel der physischen Kraft zu klagen, die der sprudelnde Geist zu seinen Schöpfungen begehrte. – Seine schlanke, magere Figur war frühzeitig gebeugt, seine Kleidung immer zu weit, und wenn auch sauber, doch zerstreut angelegt, ohne die Verheerungen zu verbergen, welche schon von dem Vorschreiten der Krankheit zeigten. Seine Sprache war abwechselnd rauh, oder leise und schwach, die kleinste Veranlassung schreckte ihn auf und erfüllte ihn mit Einbildungen. Er hielt sich verfolgt und gekränkt, er misskannte seine Erfolge und glaubte sich von Niemand geschätzt und gewürdigt. Auch tat Lebrun Manches g e g e n , Nichts f ü r ihn, welches ihm um so leichter durchzuführen wurde, als er der Modemaler geworden war, dessen Name die Menge von der notwendigkeit erlöste, selbst zu prüfen und ihr die Bequemlichkeit sicherte, eine Bewunderung zeigen zu dürfen, die sie nicht nötig hatte zu beweisen; da der Name Lebrun für ihre fehlende Beurteilung gut sagte.

Eben hatte Lesüeur der Marschallin geklagt, wie Lebrun ihn verfolge, und Wahrheit und Täuschung mengten sich krankhaft durch einander, was die kluge Frau, die herrschende Mode, Künstler und Gelehrte zu beschützen, mitmachend, mit voller Beredsamkeit in Lesüeur zu mildern gesucht hatte.

"Hier, mein Lieber," sprach sie zu ihrem Sohne – "eilen Sie, die angenehme Bekanntschaft unsers berühmten Lesüeur zu machen und bewundern Sie dann das bezaubernde Bild von Mademoiselle Louise, welches wir ihm verdanken werden."

Dies tat Leonin mit der ganzen Freundlichkeit, die seinem wohlwollenden Herzen so natürlich war, und berührte dadurch das Gemüt des Künstlers wahrhaft erquickend; aber noch wohler tat ihm das Entzücken, mit welchem Leonin das Portrait seiner geliebten Louise betrachtete, das, wenn auch im Geschmacke der Zeit etwas nebelartig und phantastisch aufgefasst, doch keinem Zeitgenossen anders, als ein vollendetes Kunstwerk erscheinen konnte.

Er nötigte Lesüeur, an seine Arbeit zurück zu kehren, und nahm an seiner Seite Platz, mit Interesse die fortschreitende Arbeit des Künstlers verfolgend.

"Und dieser Mann, den Sie mit Recht so bewundern, mein Sohn," – fuhr die Marschallin im trockenen Protektionstone fort – "können Sie denken, dass er mich den ganzen Morgen schon in Arbeit erhält, um ihm seine törichten Einbildungen zu verjagen, weil er sich überredet, Lebrun sei Schuld, dass der König seine schönen mytologischen Bilder für das Hotel Lambert nicht erlaubt hat, im Louvre auszustellen?"

"Ach, Madame," seufzte Lesüeur leise – "Euer Gnaden sind so gut, dass Sie von der Bosheit der Menschen keine Vorstellung habender Herzog von Rochefaucault war ja schon völlig von der Einwilligung des Königs überzeugt, als er plötzlich über die ganze Sache schwieg und endlich die Achseln zuckte. Was konnte das Anderes bedeuten, als dass Seiner Gnaden mir den Grund verschweigen wollten?"

"Wie das nun aus der Luft gegriffen ist und eigentlich Nichts beweist!" fuhr die Marschallin fort. "Der Herr Herzog kann ja so viel verschiedene Gründe gehabt haben, zu schweigen, wie Seiner Majestät, es abzuschlagen!"

"Ja," sprach Lesüeur heftig, "aber le Beaume, der Kammerdiener Seiner Majestät, sagte mir, Lebrun habe an dem Tage eine Audienz bei dem Könige gehabt. Da wird Seiner Majestät ihn über den Wert der Bilder befragt haben, und Lebrun wird sie der Ehre unwert erklärt haben, im Louvre ausgestellt zu werden."

"Nun, weiss Gott," rief die Marschallin lachend, "wenn solch' ein eigensinniger Künstler Recht haben will, dann wird ihm die gesunde Vernunft selbst dienstbar, seine tollen Behauptungen zu unterstützen! K l i n g t es nicht, als ob er Recht hätte? Und doch ist es nicht wahr, das möchte ich beschwörenUnd ich will es heraus bekommen, verlasst Euch darauf! Und ist es so, schaffe ich Euch Genugtuungder Gram soll nicht a u c h noch an Eurem Herzen nagen!"

"Ach," rief Lesüeur, "es hat mein Herz so tief getroffen, dass Hilfe zu spät kommt, fürchte ich. Ich bin öffentlich lächerlich damit gemacht, verachtet und dem hof bloss gestellt. Denn schon hatte sich das Gerücht dieser Ehre verbreitet, und ich hatte Glückwünsche darüber empfangen. Wollte Gott, ich wäre weit weg von Paris! Die Steine auf der Strasse sehen mich an, und ich zittere, irgend wem zu begegnen, der mich kennt!" –

"In Wahrheit, Lesüeur," erwiderte die Marschallin, als der kranke Künstler ermattet sich in seinem stuhl zurücklehnte, und grosse Schweisstropfen seine Stirn bedeckten – "es wäre besser, Ihr verliesset auf einige Zeit Paris; und statt zu arbeiten, genösset Ihr etwas die Landluft, die Euch, trotz der vorgerückten Jahreszeit, bei der Milde dieses Winters zusagen würde. – Geht auf meinen Plan ein, und ich gebe dem Intendanten Befehl, auf meinem schloss Moncay Alles zu Eurem Empfange bereit zu halten. Dort gehet und fahret spazieren und begleitet die Jäger zur Jagd! Ihr seid in Wahrheit krank und habt eine Krankheit, die Paris, das Louvre und Lebrun heisst, und die Ihr nur los werdet, wenn Ihr ihr entlauft!"

Lesüeur war tief bewegtzu sehr, um seiner stimme vertrauen zu können. Er arbeitete deshalb still fort, und wenn er den engelschönen Ausdruck von Louisens teilnehmenden Augen