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"Ja," lachte der Herzog – "hier besiegt immer Einer den Andernich halte heute fräulein von Lesdiguères für die Siegreichste in diesem Kreise!" –

"Das macht, weil sie eine schon halb überwältigte Festung vorfand," fiel ihm der Marquis de Souvré ins Wort; "ich möchte nicht derjenige sein, der die Befehle für die Ausstattung des Hotel Biron überschritt!"

"Sollen denn die Bevollmächtigten eines königlichen Willens, der selten den kleinsten Aufschub gestattet, auch bedenken, welche Veränderung ein solcher Wille in vier und zwanzig Stunden erleiden kann?" sagte der Herzog von Rochefaucault.

"Nun," meinte Madame de Sablière, "die Nerven der Königin hätte ich mir abgehärteter gedacht. Die neue Herzogin von Lavallière wird ihr Hotel nur vier und zwanzig Stunden später beziehn, und Nichts wird unterbleiben, was hier eingeleitet ist. Wenn die Erschütterung vorüber, die Seine Majestät durch den Unfall der Königin erfahren, werden die Anstalten ihren alten gang vorwärts gehen."

"Darunter wird Niemand mehr leiden, als Madame de Lavallière selbst," bemerkte der Marquis de Souvré; "in i h r möchte Seiner Majestät das grösste Hinderniss zu besiegen haben."

Alles horchte auf und blickte den Marquis erwartungsvoll an. Jeder war überzeugt, er wisse mehr; man wünschte, er teilte sich mitdoch schwieg er mit der überlegenen Miene, mit der er sich stets zu sichern schien, und geschäftig trat ein Kammerdiener von Madame an ihn heran und rief ihn zur Prinzessin.

Der König hatte sich erhoben. Obwol das obige Gespräch nur flüsternd vorging und durch hunderte von Menschen vom Könige getrennt war, so schwieg dennoch augenblicklich Jeder, als er sich erhob, und sein königlicher blick die Versammlung überflog.

"Die Prinzess de Lesdiguères hat gesiegt," sagte der Herzog von Rochefaucault – "er nimmt Abschied von Madame und geht zur Königin!"

"O," rief der Graf Guiche, "wie schwer mag es ihm werden, die einsam weinende Lavallière ohne Trost lassen zu müssen. Welche Widersprüche mögen sein edles, gefühlvolles Herz bewegen!"

"Sein Sie nicht zu gefühlvoll, Graf Guiche!" lächelte der Herzog. "Solch' hervorstechendes M i t gefühl richtet die Blicke auf Sieman macht Folgerungenman glaubt Sie zu verstehengenug, das sind alles Dinge, die ein junger Mann, wie Sie, nicht gebrauchen kann. Nähern wir uns lieber jetztder König ist fortMadame sucht ihre zurück gebliebenen Freunde." –

Als Leonin spät in der Nacht die Zimmer der schönen Henriette von England verliess und sich endlich in den seinigen allein sah, wollte er es unternehmen, an Fennimor zu schreiben; da am andern Tage sein vertrauter Diener nach Ste. Roche gehen sollte, beladen mit den anmutigen Schätzen, die Paris dem Reichtume darbot. Aber er suchte sich vergeblich dazu zu sammeln. Der KönigMadame Henriettesein eigenes BetragenFenelonund vor Allen die junge Prinzessin von Lesdiguères traten mit Ansprüchen an seine Gedanken dazwischen, die er nicht abzuweisen vermochte. Er war nichts weniger, als zufrieden mit sicher hatte es weder vermocht, sich dem neuen Tone anzuschliessen, wie es seiner Eitelkeit genug getan hätte, noch war er sich selbst getreu geblieben, den Zwecken und Absichten gemäss, die er verfolgen musste, um Fennimor's Glück zu begründen. Die Ausbeute des Augenblicks hatte ihn allein in Anspruch genommen. Er war sich einer Menge Vorsätze und Einflüsterungen bewusst, die er mit innerlicher Heftigkeit verfolgt hatte, und deren Gelingen notwendig eine andere Zukunft herauf führen musste.

Er trat an das Fenster, um Luft zu schöpfen. Es war eine milde Nacht, wie sie der Winter Frankreichs zu erhalten weiss. Das Palais Crecy gestattete einen blick auf die Gärten von Versailles. Die geschnittenen Bäume und Hecken behielten Körper und gaben Schatten, obwol vom Laube entkleidet, und der Mond zeichnete sie auf den zierlichen Parterres der Gärten, während über die dunkeln Bassins Schwäne segelten, als zögen sie den Sternbildern nach, die auf dem ruhigen Spiegel vor ihnen schimmerten. – Dahinter lag das grosse Schloss mit seinen vorspringenden Pavillons, mit allen Vorzügen, die der Mondschein der Architektur verleiht, anscheinend in Stille versenkt, von keinem Lichtschimmer mehr erhellt.

"O," rief Leonin, zur Ruhe gesprochen von diesem unerschütterlichen Walten der natur, "wie ist Dein Bereich das einzig wahre Element für eine bessere menschliche Existenz! Wie findet man in Dir Harmonie und Gleichmaass der gestörten Empfindung wiederwie giebst Du uns unsern bessern teil zurück, wenn in dem Bereiche der Menschen Alles verdrängt und verjagt wird, was in ihre angekünstelten Zustände störend eingreifen will! – Und doch haben sie Macht über mich," fuhr er schmerzlich fort "doch ward ich von ihnen verführt und trachtete in ihnen unterzutauchenso gross ist ihr falscher Schein!"

"Fennimor, mein unschuldiges reines Naturkindwie würdest Du erstaunt Deinen Liebling anblicken und das Zeichen fühlen, das der Böse macht, um seine Opfer wieder zu erkennen! O, sende Deine Engel," rief er, die hände ringend, "damit ihre Tränen es auslöschen!"

Er blieb so stehen, mit einem Schmerze, der grösser war, als ihn dieser Abend hatte verschulden können. Aber er strafte die Ahnung daran geknüpfter grösserer Verschuldungen für die Zukunft, und Leonin schob die Schwäche, mit der er sich diesen Lockungen hingegeben, auf Rechnung ihrer