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unerträglich sanftmütigich sollte es gar nicht unternehmen, mit Ihnen zu streiten, ich behalte niemals Recht!" –

"Und doch haben Sie eben so Recht, als ich, und Keiner sollte dem Andern zürnen wollen, weil er gern seiner Pflicht getreu bleiben willes muss uns nicht über unsere Absicht verwirren, dass wir in verschiedener Richtung sie erfüllen müssen. Ich verehre Sie so sehr in Ihrer treuen anhänglichkeit an die Königin, dass ich selbst die gegen mich gerichteten Vorwürfe fast gern höre; denn sie sind eine Konsequenz Ihres vortrefflichen inneren!" –

"Ich will nicht von Ihnen gelobt sein! Sie wissen doch nicht, wie ich's meinekein Mensch braucht das zu wissensie sind mir hier alle gleich! Aber Sie, Fenelon, obwol ich Sie jetzt hasseSie hätten mein Verbündeter bleiben müssen!"

"Und das bleibe ich, wenn Sie mich auch jetzt zurückstossenIhr Herz denkt anders, und vielleicht treffen unsere Wege noch einmal wieder zusammen."

"Mit dem Geistlichen von St. Sulpice?" erwiderte sie, fast weinend. "Wo soll ich d e n wiederfinden? Nein, nein, ich will gleich und für immer von Ihnen Abschied nehmen! Adieu, Fenelon, stolzer Fenelon!" – Sie wollte gehensie blieb stehenkindlich lächelnd, setzte sie halb leise hinzu: "Lieber Fenelon, kommen Sie morgen noch zur Königin?"

"So lange ich in Versailles bleibe, alle Abende," sagte der junge Geistliche.

"O, Sie guter, edler, bester der Menschen!" rief sie und wendete sich von ihm in dem Augenblicke, wie Herr von Dreux mit den Worten vortrat: "Herr von Fenelon, der Graf von Crecy-Chabanne wünscht Ihnen vorgestellt zu sein."

Die junge Dame blieb stehen; der kälteste, hochmütigste blick dieser glanzvollen Augen streifte Leoninsie erwartete seine Anrede mit der bizarrsten Verletzung der Schicklichkeit, wendete sich dann so geringschätzig als möglich ab und war bald unter der Menge verloren. – Kaum war seine flüchtige Unterredung mit Fenelon vorüber, als er gespannt, erschrokken fast Herrn von Dreux fragte, wer die Dame gewesen, mit der Fenelon gesprochen habe? –

"Es ist die Tochter des Herzogs von Lesdiguères, das erste Hoffräulein der Königin, und trotz ihrer Jugend die Freundin und Vertraute der erhabenen Frau!" –

Als er zu seiner Mutter zurückkehrte, fand er sie im gespräche mit einer älteren und einer jungen Dame; in Letzterer erkannte er Mademoiselle de Lesdiguères. Die Marschallin von Crecy rief ihn sogleich heran. "Madame," sagte sie zu der älteren Dame, "erlauben Sie, dass ich Ihnen meinen Sohn vorstelle. – Die Frau Herzogin von Lesdiguères," wandte sie sich zu Leonin, "hat Deine Mutter von Jugend auf mit ihrer Freundschaft beglückt. Schon von fräulein von Reetz genoss fräulein Soubise diesen Vorzugjetzt, nach langer Trennung, finden wir uns wieder."

"In Wahrheit," rief die alte Dame, den Jüngling mit vielem Kopfnicken begrüssend – "Mademoiselle de Soubise war unser aller Bijou, als wir Kostgängerinnen waren bei den Ursulinerinnen; und es freut mich, dass ich in Ihnen einen schönen jungen Mann sehedas wird Ihnen lieb sein, meine Teure; denn immer hatten Sie ein stolzes Herz, wie Ihnen das zukam, und ich es gern leiden mag. – Victorine," fuhr sie fort, Leonin's Antwort unterdrückend und sich zu ihrer Tochter wendend, "Du musst mit dem jungen mann gut Freund werden; was die Mütter anfingen, müssen die Kinder fortsetzen."

"So viel Güte, so viele glückliche Aussichten zu verdienen und zu rechtfertigen," erwiderte Leonin, fast seine Worte aufdrängend, "wird eine schwere, aber zu teure Aufgabe sein, um nicht mit allen Kräften nach ihrer Lösung zu ringen."

"Bemühen Sie sich nicht darum" – erwiderte Mademoiselle de Lesdiguères, "ich liebe so etwas nicht mit anzusehen! Auch, denke ich, hat Madame de Crecy eine Tochter, der ich mich schon anschliessen will."

Alle lachten bei diesen Worten, und das fräulein selbst sah nicht so bös aus, als ihre Worte klangen.

"So stolz zurückgestossen," rief Leonin, "fordern Sie mich gerade damit zum Kampfe auf. Ich gelobe Ihnen hiermit feierlich, wie Sie auch meine kleine liebe Louise mir eben vorziehen, ich will nicht eher ruhen und rasten, als bis S i e , gerade S i e meine Freundin sind!"

Sie sah ihn hochmütig an, lachte aber dann einen Augenblick mit den Andern, und indem sie Louise an sich zog, rief sie: "Ist das der liebenswürdige Bruder, von dem Du mir so Viel erzählt hast? Ich erkläre ihn für den anmassendsten Mann des Hofes."

"Tun Sie, was Sie wollen," lachte Leonin, "mein Entschluss bleibt derselbe, und ich rate Ihnen, machen Sie sich den Rückschritt nicht zu schwer, indem Sie sich so weit von mir entfernen."

Victorine zuckte mit den Achseln und überflog ihn mit halbem Lächeln. Die Marschallin aber, bemerkte Leonin voll Erstaunen, die ein so formloses Wesen sonst nur allzu schnell mit einigen Worten würde zu dämpfen gewusst haben, sah mit der huldvollsten Miene auf das junge Mädchen und lachte mehr, als sie sonst für schicklich gehalten hätte. Madame de Lesdiguères aber schien überhaupt, von