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Lächeln die schmeichelhaften Worte, und schien bloss die schöne Sprecherin zu bewundern.

"Unser liebenswürdiger Bruder in England sollte in Ihnen, Madame, eine sanftere Richterin finden. Ich zweifle nicht, dass der Hofstaat, den Seine Majestät vorfand, es benötigt war, durch die Würde eines rechtmässigen Herrschers in seine Schranken zurück geführt zu werden; und wenn der vollkommenste Cavalier, für den Karl Stuart bei allen Damen von St. Germain galt, dieser Eigenschaft einige gute Laune hinzugefügt, wollen wir dies dem ernstaften England gönnen, da wir ihm überdies Nichts mehr zu beneiden haben, indem wir ihm Alles geraubt, was ihn über uns hätte erheben können."

Madame belohnte mit einem holden Erröten die anmutsvolle Verbeugung des Königs, der schnell jetzt fragte, wer ihre böse Laune gegen den König gereizt habe?

"Wahrlich," sprach die Prinzessin begütigend, "diese Absicht lag nicht zum grund. Der Sohn unserer lieben Marschallin, der junge Graf Crecy-Chabanne, erscheint seit seiner Abwesenheit im Auslande hier zuerst vor Euer Majestät. Ich verzeihe es ihm, wenn das Andenken an alle Herrscher Europa's, die er sah, hier vor ihm zusammen sinkt."

D e r Blitz aus dem Auge des Königs traf Leonin, der ihn aufnahm unter die Begünstigten, die sich sagen durften: Er kennt Dich!

Die Marschallin, bis zur Erde sich neigend, legte die Hand auf den Arm ihres Sohnes, ihn bezeichnend als den ihrigenLeonin wollte das Knie beugen. –

"O nicht doch! nicht doch!" rief der König – "hier nicht!" Und schnell verhinderte der Marquis von Vieuville Leonin an dieser Bewegung, indem er ihm zuflüsterte: "hier ist das nicht Styl!"

"Der Marschall von Crecy," sprach die Marschallin mit unerschütterlicher Haltung, "hat vergeblich auf das Glück gehofft, seinen Sohn Euer Majestät vorstellen zu können. Er ist müde geworden in dem heiligen Dienste für Frankreichs erhabene Herrscher, und die Mutter fühlt aufs tiefste die Gnade, seine Stelle ersetzen zu dürfen."

"Madame," erwiderte der König, "der Marschall von Crecy gehört zu den Männern, die selbst, wenn sie aufhören persönlich zu repräsentiren, ein Eigentum des Vaterlandes bleibenderen Einfluss so unvergesslich ist, als ihr Name! Müssen wir den Marschall entbehren, so wissen wir ihm Dank, Madame, uns durch Ihre Gegenwart entschädigt zu haben."

"Junger Mann," sprach er dann zu Leonin mit wohlwollendem Tone, "wir freuen uns, den besten Namen unseres Frankreichs fortblühen zu sehenes ist ein Name, der Sie auszeichnet, es ist zugleich ein Name, den Sie zu fürchten haben, da ein Anspruch jeglicher Tugend mit ihm verknüpft ist, der ein ernster, Viel fordernder Aufruf an Sie selbst wird."

"Sire, der Wille ist Alles, was ich Euer Majestät zu Füssen legen kann," erwiderte Leonin mit glühendem Antlitz; "aber er ist, auf Frankreichs Boden von seinen Wundern erzeugt, ein Ausfluss dieser Segnungen, der ihn zu Taten ausprägen wird!"

Der König streifte mit einem wohlwollenden

cheln den jugendlichen Anlauf dieser Rede und wendete sich zum Marquis Fenelon, der in devoter Erwartung neben dem jungen Geistlichen stand, den Leonin mit so vielem Gefühle gegen Madame de la Fajette sich hatte äussern hören.

Diesen jungen Mann unterwarf der König der auf

merksamsten Prüfung; und da er ihn unverändert bescheiden, ohne alle Bestrebung, ohne alle Erwartung verharren sah, schien er sichtlich von seiner Erscheinung überrascht.

"In Wahrheit, mein lieber General," sprach er zu

dem Marquis Fenelon, "Sie haben in Ihrem dreiundzwanzigjährigen Neffen einen Philosophen erzogen, der das graue Haupt der Weisheit beschämt. Es tut mir leid zu hören, dass Sie die glänzenden Erfolge unterbrechen wollen, die seine Kanzelreden sich mit Recht erworben. – Ich habe selbst mit Vergnügen seine Rede: U e b e r d i e W a h r h e i t g e g e n s i c h s e l b s t , gehört. Ein wichtiges, unendlich wichtiges Tema, dem wir nicht genug Aufmerksamkeit schenken können! – Und Sie, Abbé Fenelon, bedauern Sie es nicht, einen Schauplatz zu verlassen, der Ihnen so bedeutende Erfolge gab?"

"Mein Oheim," erwiderte der junge Abbéder später so berühmte Verfasser des Telemach – "hat sich mehr m e i n e n Wünschen gefügt! Es schien m i r schwer, der Aufregung zu widerstehen, in welche dieses öffentliche Auftreten mich versetzen konnte. Der Weg, der mir vorliegt, ist noch so weit, ich habe noch keine geistlichen Pflichten zu erfüllen gehabt; – diese Kanzelreden waren noch nicht gerechtfertigt durch eigne Erfahrungen; – sie mussten mich zum Heuchler machenzu einem bloss leeren Verbrauche des schon Vorhandenen führenvon dem Wege eigner Forschung mich ablenken."

"Den charakter fremder, bloss angenommener Ueberzeugungen trugen Ihre Reden nicht," fuhr der König ernst fort; "ein Geist der Inspiration belebte sie, der oft die Erfahrung überbietet und einer inneren Wahrheit, selbst bei Ihrer Jugend, nicht zu entbehren braucht."

"Dies dürfte ich mir auch bis jetzt noch zugestehen," erwiderte ruhig der junge Fenelon. "Der Augenblick, der uns zuerst vor versammelten Christen von den göttlichen Dingen reden lässt, deren erkenntnis wir unser Leben weihten, ist gewiss von einem Hervortreten aller Kräfte begleitet