e allein die Huldigung fordernd.
Und doch war diese ihm fast ungeteilt zugewendet – denn er war Jedem in irgend einer Art ein Vorbild – ein erfülltes Ideal.
Selbst Leonin hatte die schöne Henriette vergessen und alles Blut drängte sich zu seinem Herzen, als er den angebeteten Monarchen jetzt in einer Vollendung vor sich sah, die er früher weder gelegenheit hatte zu beobachten, noch zu fassen.
Der König zog ein Tabouret vor den Sitz, den die Prinzessin einnahm, und setzte sich nieder, als habe er Lust, knieend den lebhaften Worten derselben zuzuhören. Er hielt jedes Mal mit der Prinzessin auf diese Weise ein kurzes Zwiegespräch, welches anscheinend von Keinem der Hofleute beobachtet ward; und doch war gewiss kein Wechsel der Miene oder der Farbe, kein Lächeln, kein Seufzer, welcher nicht von der argwöhnischen Schlauheit ihres Hofstaates belauscht wurde.
Leonin aber sah Alles ohne Beziehungen und Berechnungen. Verloren war er in dem Anblicke dieser ungewöhnlichen Erscheinung, und Alles schien ihm gerechtfertigt, was er seit seiner Rückkehr von dem überschwänglichen Entusiasmus der Menge erfahren, und was ihm mindestens überraschend geschienen.
Als einen Helden, als einen Feldherrn hatte er ihn nennen hören, kühn, scharfsichtig und grossartig im Rate; er hatte gefürchtet vor den ernsten Patos eines römischen Imperators zu treten. Und jetzt sah er einen heiter lächelnden jungen Mann, mit einer Anmut und Leichtigkeit der Bewegung, mit einem poetischen Schmelze der Augen und des Mundes – einen der schönsten Männer, der sich dessen nicht bewusst sein wollte, um den Frauen allein eine Huldigung zu gestatten, auf die er sie durch seinen Willen anwies, allen Männern auch hierin zur Richtschnur dienend.
Leonin fühlte, dass diese Vereinigung etwas Erstaunenswürdiges, fast Berauschendes hatte, und dass man sich eben dem Zauber seiner Persönlichkeit so völlig ohne Rückhalt hingab, weil man seiner übrigen Herrscherfähigkeit gänzlich vertraute. Sein Alter hatte ihn vom hof entfernt gehalten, er hatte den König nur bei öffentlichen Veranlassungen als Zuschauer gesehen, die zu Anfange seiner Regierung nicht häufig waren. Erst in Leonin's Abwesenheit trat der Glanz des Hofes auf solche Weise hervor, wie auch die Liebenswürdigkeit des Königs erst zur vollen Blüte kam.
So beherrschte dieser anmutige junge Mann alle seine Umgebungen. Nicht, wie ihn Leonin sich unwillkürlich gedacht hatte, als einen ewigen Repräsentanten mit Krone und Zepter sah er ihn; aber dennoch von einer Atmosphäre der Hoheit umgeben, dass die jugendliche Anmut niemals auch nur zu einem vertraulichen G e d a n k e n hätte verführen können. Im Gegenteile fühlte Leonin eine Beklommenheit, die ihn fast betäubte, bei dem Gedanken, dem Könige heute gegenüber zu treten. Seine Grösse wuchs, indem sie verdeckt lag – aber wie gross musste er sein, da er sich ihres Scheines absichtlich entäussern konnte!
"Madame hat Briefe aus England erhalten," sagte der Marschall de la Ferté zu Madame de la Fajette, die mit etwas verdorbener Laune in Leonin's Nähe stand; "der König wird wohl seine Absicht mit Dünkirchen durch ihre geschickten Unterhandlungen erreichen."
"Wenigstens täte Madame besser, nur solche Angelegenheiten zu dem gegenstand ihrer Beurteilung zu machen," erwiderte Madame de la Fajette – "in allem Uebrigen fühlt man immer, dass sie kein französisches Blut in den Adern hat. Es ist komisch oft – ihr Urteil über unsere Literatur!"
"Ach so! Euer Gnaden meinen ihre Bewunderung für die Marquise de Sevigné!" rief der Marschall – "ja, ja, Madame trägt stark auf, wenn sie spricht. Doch glaube ich nicht, dass ein so unbedeutendes Produkt, wie uns vorgetragen wurde, Eindruck machen würde, belebte sie nicht dasselbe Verlangen, das Madame de Sevigné als erfüllt darstellte." –
"Ja, so ist es, mein Herr Marschall – die gute Sevigné gehört nach der Kinderstube, nicht an den Schreibtisch! Ich versichere Sie, dass sie nicht im stand ist, ortographisch richtig zu schreiben, u n d damit müsste man doch wohl anfangen, wenn man eine Schriftstellerin sein will." –
"W ä r e es n i c h t wichtiger," erwiderte hier ein junger Mann in einfacher geistlicher Tracht, "erst richtig zu denken? Wie Viele mögen den Vorzug besitzen, richtig zu schreiben, ohne einen einzigen Gedanken so ausdrücken zu können, wie Madame de Sevigné – ohne Gefühle in sich zu haben, wie sie hier eine Zierde der Menschheit werden!"
Die Gräfin de la Fajette blickte etwas hoch auf, und ihre sich spannenden Augenbrauen verrieten, dass sie nicht geneigt sei, den halb vorwurfsvollen Ton dieser Erwiederung milde hinzunehmen; als sie aber die sanften, edlen Züge des Jünglings erblickte, der zu ihr gesprochen, musste sich die kluge Frau gestehen, er habe gar nicht daran gedacht, dass seine Erwiederung sie träfe, sondern sich in den Gegenstand vertieft, ihm sein Recht gönnend und damit eine Beleidigung unmöglich haltend.
"Vollkommen richtig bemerkt, mein lieber Salignac!" sagte die Gräfin daher, schnell gefasst: "wer hätte hierüber zu entscheiden mehr Recht, als Sie, der Sie der Verkündiger der edelsten und frömmsten Gesinnungen sind!"
"Nein, Madame, nein!" rief der junge Mann mit schwärmerischem Eifer, "über den ganzen Wert der Gedanken und Gefühle, die Madame de Sevigné uns mitgeteilt, wird nur eine F r a u entscheiden können, in die Gott ausschliesslich die Seligkeit einer Bestimmung ausgeschüttet hat, der wir nur aus der Ferne mit