grossen Resten ehemaliger Schönheit und mit einem bezaubernden Ausdrucke von Geist und Gefühl. Sie war in dunkeln Sammet gekleidet, und die feinen Spitzenbarben ihres Bonnets gaben ihrer prächtigen, aber bescheidenen Tracht eine nonnenhafte Decence; sie hielt ein Blatt in der Hand, was sie vorgelesen hatte, und hörte der lebhaften Prinzessin zu, welche, mit ihr sprechend, anmutig seitwärts blickte.
"Nein, liebe Sevigné," rief sie, "sein Sie nicht zu bescheiden! – Nur Sie, behaupte ich, nur Sie allein können ein so bezauberndes geständnis über die Gefühle einer Mutter ablegen, Sie repräsentiren die Mutterliebe in Frankreich, wie sie das Ideal jeder edlen weiblichen Brust werden muss, auf Sie wird hingewiesen werden, wenn wir schon alle in Staub zerfallen sind; und die entarteten Mütter dieses Landes werden nicht sagen dürfen, wir wussten nicht, was Rechtens war; denn man wird ihnen antworten können, dass Madame de Sevigné lebte!"
Die berühmte Frau neigte ihr feines Antlitz noch tiefer, und der erhöhte Ausdruck zeigte eine Rührung, die keinen Hauch von Eitelkeit trug.
"Es ist so natürlich, was ich auszudrücken wagte," sagte sie sanft, "dass ich mich kaum in dem schmeichelhaften Lobe Eurer Königlichen Hoheit wieder erkenne. Wer könnte mit dem Glücke begnadigt werden, Mutter zu sein, ohne mehr oder weniger dasselbe zu fühlen, was ich hier bloss sammelte, aneinander reihte. Die Erscheinung einer Mutter bleibt in jedem Individuum eine Art göttliches Mysterium, und auf allen Stufen dieses rührenden und erhabenen Zustandes liesse sich die unmittelbarste Gemeinschaft mit dem höchsten Geber nachweisen, und darum auch sicher Anklänge der Seligkeit, die nur von dem harten Drucke der Aussenwelt zuweilen verkümmert hervortreten."
"O, wie schön, meine edle Sevigné, ist Ihr frommer Glaube!" rief die Prinzessin mit einer Aufregung der Gefühle, die nur zu klar das ewig unbefriedigte Sehnen nach dem Glücke einer Mutter, das sie so tief nachzufühlen verstand, ausdrückte. – "Möchte ich," setzte sie leise und mit feuchten Augen hinzu, "noch dereinst Ihre Schülerin werden können!"
Frau von Sevigné drückte die dargereichte Hand nicht mit höfischer, sondern mit menschlicher Zärtlichkeit an ihre Lippen und fügte leise Worte der Hoffnung hinzu, welche die junge Fürstin kopfschüttelnd anhörte.
"Eine Stuart! eine Stuart!" sagte sie blass werdend, mit Bitterkeit und Schmerz – "denken Sie, meine Liebe, ob sie Hoffnung auf Glück nähren darf – ob ihnen geschieht nach der Ordnung der natur!"
"O, Madame," rief die Sevigné, "so werden S i e wenigstens dazu bestimmt sein, uns zu lehren, wie man die Unbilden des Schicksals durch die Erhabenheit der Gesinnungen zu besiegen vermag!"
"Meinst Du, süsse Trösterin?" erwiderte die Prinzessin mit dem sanften Ausdrucke von Schwermut, der zuweilen über den frischen Glanz ihrer Schönheit wie ein Wolkenschatten glitt. "Doch hier," fuhr sie fort, alles persönliche Gefühl augenblicklich unterdrückend, "was wollen wir mehr? Welch' ein schöneres Bild mütterlichen Glückes können wir nach den Mitteilungen unserer Sevigné finden, als unsere teure Marschallin von Crecy?" Und so neigte sie sich mit der vollen Anmut einer Fürstin über die indess zwischen Leonin und Louise eingetretene Marschallin, welche mit der eigentümlichen Grazie, die einer vollendeten Dame von Range zukam, ihren Sohn der Prinzessin vorstellte.
Leonin erschrack fast vor dem blendenden Glanze der Schönheit, der er nun gegenüber stand, und die unglückliche Henriette, die das zärtlichste Herz vergeblich in ihrer Brust trug, musste sich mit den kleinen Triumphen zerstreuen, die ihr jeder Mann, der ihr zu nahen wagen durfte, bereitete.
Sie sammelte lächelnd das geständnis der Bewunderung von Leonin's sprachloser Blödigkeit ein, und erhob sich sodann; denn das Rauschen der Türen und die plötzliche tiefe Stille des Vorzimmers zeigte an, der König sei gekommen!
Ludwig der Vierzehnte stand auf dem Punkte des Alters, wo die Frauen den Männern erst das Prädikat des Interessanten beilegen, was für sie so wichtig ist, dass keine Jugend, keine Schönheit ohne diese Zugabe der Zeit ihnen die anmutige Eigenschaft des Gefährlichen verleiht. Ludwig hätte nicht König zu sein brauchen, um allen Frauen als schön und ausgezeichnet zu erscheinen – aber als König rechnete man ihm die Vollendung als Mann um so höher an; und in der Tat konnte sich Niemand ihm zur Seite stellen, er wäre im einfachsten Kleide in den hintersten Reihen der Erste geblieben.
Als er eintrat, hatte er den Kopf halb über die Schulter gewendet, um den Herzog von Lauzun anzuhören, der ihm einige Worte sagte. Heiterkeit, Geist und Scherz lagen dabei auf seinem Antlitz ausgedrückt, und man konnte unmöglich anmutiger lächeln, als eben der König, wie er dem Herzog einige Worte erwiderte.
Jetzt aber erblickte er Madame Henriette, die mit der Lebhaftigkeit der Huldigung ihm entgegen eilte.
Die leichte Haltung der kurzen Besprechung mit Lauzun war sogleich verschwunden – jetzt war er der huldigende Ritter, welcher, der Schönheit gegenüber, nur ihr Diener sein kann, und den Stolz, den er fühlen darf, nur von der Ehre ihrer Nähe empfängt. Als er die glänzende, blühende Fürstin zu ihrem Sitze zurückführte, hielt er ihre Hand so, dass er sie den Versammelten darzustellen schien; und indem er selbst den gebieterischen erhabenen Anstand entfaltete, der seine Schönheit so imponirend machte, schien er nur stolz sein zu wollen als ihr Führer, von Allen für s i