den Schwank des gegenwärtigen Tages sich zu äussern beginne.
Der Abend war herangekommen und in besonnener Eile jedes Nötige besorgt worden. Bardeloh liess noch eine besondere Einladung an Mardochai ergehen, teil zu nehmen an dem Feste. Er schrieb ihm ein kurzes Billet, das er mir zeigte, bevor er es abschickte. Die Worte lauteten: "Da Sie der Zufall genötigt hat, zum ersten Male der Allgemeinheit nicht Wort zu halten, hoffe ich, dass Sie mindestens den Freund, den Einzelnen, nicht versäumen werden. Das fest der Sühne wird gestört, da Sie nicht teil daran nehmen mögen. Halten Sie also vereint mit mir das Trauermahl und vergessen Sie nicht, durch den Ueberbringer dieser Zeilen mir die Maske zurückzuschicken, die Sie eigentlich heute zieren sollte!"
Mardochai sagte bereitwillig zu, indem er zugleich meldete, dass die Einbalsamirung seiner Tochter geschehen und überhaupt sein ganzes Hauswesen bestellt sei. In einem Packet überreichte der Diener meinem Gastfreunde die verlangte Maske. über Bardeloh's Gesicht flog ein Zucken, das wie die Freude wilder Dämonen seine männlich schönen Züge nur auf Sekunden verunstaltete. Ich erschrack, ohne das Warum zu begreifen; ich hatte keine Ahnung von dem Inhalt des Packets.
unterdessen war der Salon geordnet, die Divane mit schwarzem Stoff überzogen, statt der bunten Teppiche schwarzwollene aufgerollt worden. Bardeloh selbst, so wie alle Hausgenossen und Dienstboten hatten tiefschwarze Kleidung angelegt. Der Lärm am Heerde contrastirte grell genug mit diesen Todesschauern.
In der Hausflur war der Katafalk errichtet. Hohe Kandelaber standen um den Sarg, aus dessen schwarzer Tiefe das bleiche Gesicht des toten Casimir, ähnlich einer Wachsmaske, hervorsah. Einen Lorbeerkranz im spärlichen Haar, eine Lyra in der Linken, verbarg die Rechte einen Dolch. Um den Sarg schritten ernste Wächter, um jeden Neugierigen in die Schranke der Sitte zurückzuweisen.
Die anberaumte Stunde erschien, und mit ihr die zahlreich geladene Gesellschaft, der sich anschliessen konnte, wer Lust hatte, sobald er sich nur schwarz gekleidet zeigte. Schon die ersten Ankömmlinge stutzten beim Anblick des Katafalks mit Sarg und Leiche. Es erfolgte indess, was ich erwartet hatte. Jeder hielt diese Anordnung für einen pikanten Scherz des Hausherrn und sah in dem wirklichen Leichname nur eine meisterhafte Maske. Da nur Wenigen Casimir persönlich bekannt war, liess die Täuschung sich um so leichter bewerkstelligen, und zeigte auch dann und wann ein allzu Neugieriger Lust, den Sarg einer genaueren Besichtigung zu unterwerfen, so wiesen den Zudringlichen die Wächter noch zu rechter Zeit in die Schranken der Mässigung zurück. Es unterblieb daher jede Störung, so arg der Zudrang war. Eine Menge müssigen Gesindels fand sich ebenfalls ein, über die Kleidung der Dürftigkeit den pomphaften Staat der Trauer geworfen, nicht selten verschossen oder gar Lumpen ähnlicher als Kleidern. Die kecke Zudringlichkeit dieser Menschenklasse wusste Bardeloh auf das glücklichste zu stillen. Es fehlte weder an Speise, noch Trank, und die beliebten Spirituosen wurden reichlich, doch mit Vorsicht, umhergereicht. Das ganze Erdgeschoss war für die Belustigung der lauten Volksmenge vorgerichtet, und es währte auch nicht lange, so war der Scherz im vollen Gange und Niemand dachte sehr an das störend ernste Gerüst auf der Flur.
Bardeloh sah, in feinstes Schwarz gekleidet, diesem Staunen, verblüfftem Lächeln, der unablässigen Mischung von geahntem Schreck und gewünschter Freude, im Hintergrunde zu, wo er die feinere Gesellschaft begrüsste, die alsdann nach den oberen Gemächern sich verfügte, wo die sinnende Rosalie sie freundlich, wenn auch befangen, empfing. Schon hatten sich Gleichmut und Steinhuder mit dem ganzen langen Schweif seiner Anhänger eingefunden, denen er hier gleichsam zum Führer diente. Er war demütig-höflich, kriechend heiter, und wusste sogar seinen Zorn beim Anblick Lucien's und Oskar's zu unterdrücken. – Von den Geladenen ward nur Mardochai noch immer vergeblich erwartet, Bardeloh zeigte einige Unruhe, traf aber zugleich Anstalt, die Tafeln ordnen zu lassen. In einem Vorzimmer sammelte sich das Orchester.
Gleichmut suchte mich allein zu sprechen, wir traten zusammen in die psychologische Warte. "Sigismund," sprach der schwer Geprüfte, "was ist dies für ein fest? Wissen Sie, was Bardeloh beabsichtigt? Oder sollte ich mich irren in dem Argwohne, der das Leben mit seinen täuschenden Scheinfreuden mir zurückgelassen hat? Unten der Katafalk, die Leiche, von der man nicht weiss, ob sie Maske oder Wirklichkeit ist, und hier die wandernde Leichenbittergesellschaft, die umher schleicht, als gälte es die Grablegung der Menschheit! geben Sie mir Aufklärung!"
"Es gilt, zu versühnen," erwiderte ich. "Sie ahnten das Rechte in Bardeloh, aber die Vorsehung ist mächtiger gewesen, als die leidenschaftliche Aufregung geistig grosser Menschen. Im Sarge liegt Casimir's Leiche!" –
Gleichmut musste sich an das Getäfel lehnen, um Kraft zu sammeln. Bardeloh trat mit seinem Sohne Felix in die Versammlung. Ich setzte den Pastor mit kurzen Worten von dem Vorgefallenen in Kenntniss.
Mein Gastfreund begrüsste mit bitterm Lächeln seine zahlreichen Gäste. "Ich bedauere," sprach er mit der Ruhe eines umsichtigen Diplomaten, der seinen Zweck um jeden Preis erreichen will, "ich bedauere, dass ich das Vertrauen, welches man mir zu schenken so wohlwollend war, auf eine so wenig genügende Art und Weise rechtfertige. Ein trauriger Vorfall hat die Freude meines Hauses gestört, eine geliebte Nichte von mir ist auf eine höchst betrübende Weise aus dem Leben geschieden. Mein Herz fühlte sich zu tief verwundet, um in dieser