ungeheure Plan in sich selbst zerfiel, obwol ich glauben möchte, ein solcher Stoss würde nicht erfolglos unser wankendes Leben berührt haben.
Fastnacht, in der Dämmerung.
So eben ist Casimir's Leichnam in Bardeloh's wohnung geschafft worden. Mir bangt vor dem Tage; der Pöbel ist unruhig; die Freuden der Fastnacht traich nicht ohne bange Besorgniss dem Abende entgegensehe.
Bardeloh hat Mardochai's Brief gelesen. Ich war zugegen, es malte sich ein furchtbarer Kampf auf Richard's Mienen. Lange Zeit sprach er kein Wort, er mass mit grossen Schritten das Zimmer, sann, runzelte die Stirn, sprach dumpf vor sich hin und liess zuweilen den niederschmetternden Hohn um seine feinen Lippen spielen, der diesem Mann das Aussehen eines idealen Dämon gibt.
"Haben Sie den Brief aufmerksam gelesen?" fragte er mich endlich. – Ich bejahte.
"Nun was meinen Sie denn zu unserm Plane, denn nun Mardochai seine Humanität so weit getrieben hat, steht es mir wohl auch frei, Ihre Ansicht darüber zu hören."
In wenig Worten sprach ich mich frei darüber aus und verhehlte gar nicht meinen Widerwillen gegen so verzweifelte Mittel.
"Sie haben die gespräche vergessen," erwiderte Bardeloh, "die wir bei unserm ersten Begegnen auf dem Dampfboote führten. Wissen Sie nicht, dass ich damals sagte, ein halbjähriges zwingen der europäischen Menschheit zum tod oder zum Handeln sei die alleinige Rettung für sie?"
"Dies Alles weiss ich recht wohl," versetzte ich, "doch bin ich auch noch heute der Meinung, dass ein solches Handeln wohl vorübergehend eine Tat erzwingen, ihr aber nie jene heiligende Flamme einhauchen würde, ohne welche jede Unternehmung nur ein Schritt weiter zum Untergang ist."
"Und deshalb wollen Sie nach Amerika gehen?" warf Bardeloh ein.
"Aus Lebensmut, nicht aus Todesfeigheit."
"Nun ja, der Eine nennt es so, der Andere so! – Wann gedenken Sie Europa zu verlassen?"
"Sehr bald; nur Mardochai's Abreise und Casimir's Bestattung will ich noch abwarten. – Begleiten Sie mich, nicht mir zu Gefallen, Ihrem weib, Ihrem Sohne zu Liebe!"
"Hm. Vielleicht!" Bardeloh machte wieder ein paar Gänge durch's Zimmer, und liess die Tapetentür aufspringen. "Wie gefällt Ihnen jetzt mein Studirzimmer?"
In der Nische standen die Todtenköpfe wie immer, auf dem obersten lag eine vielfach versiegelte Rolle. Ich schwieg und beobachtete scharf Richard's Mienenspiel.
"Mit diesen Boten des Hasses," fuhr Bardeloh fort, auf die Rolle deutend "glaube ich heute mein Testament verkündigen zu können. Der Zufall hat es anders beschlossen. Sei's darum!"
Ruhig liess er die Tapetentür wieder in's Schloss fallen. Ein abermaliger gang durch's Zimmer gab seinen Gedanken eine andere Richtung. "Sigismund," sagte er und ergriff mit herzlichem Druck meine Hand, "da dieser Gedanke zur Bekehrung der Welt, an den ich doch mein ganzes Leben hingegeben habe, auf eine so verrückte Art und Weise vernichtet worden ist, so bitte ich Sie, tun Sie mir einen Gefallen. Wollen Sie?"
"Von Herzen gern."
"Genug; nur keine langen Beteuerungen! Uebermorgen wollen wir Casimir's Leiche bestatten. Ich traure um ihn so gut, wie um meine Nichte, Mardochai's Tochter. Ich könnte Ihnen noch mehr darüber sagen, aber wozu? Es kann uns Beiden nicht weiter helfen. Aus dem Maskenzuge wird nichts, das ist so gut als entschieden. Die Bevölkerung aber verlangt einen Scherz. Sie mag ihn haben. Ich mache einen Anschlag am Gürzenich und lade, so viel deren Raum haben, auf heute Abend zu einem Souper in mein Haus. Es mag dieses Gastgebot zugleich Ihre, meine, unser aller Abschiedsmahl, das Abendmahl der Zeit sein, wenn Sie wollen. Aber ich bedinge mir aus, dass Jedermann schwarz gekleidet erscheine! Wir feiern auch ein Todtenfest. Gehen Sie zu Mardochai?"
Ich verneinte es.
"Es ist auch besser," fuhr Mardochai fort, "ich werde ihm ein paar Zeilen schreiben und ihn ebenfalls nochmals zu mir einladen. Casimir's Leiche soll im Hausflur auf den Katafalk gestellt werden. Die Besorgung dieser Angelegenheit übertrage ich Ihnen, wie die Anordnung des etwaigen Schmuckes, wie er diesem sonderbaren geist ziemen mag. Sprechen Sie meiner Frau Trost zu, ich gehe ganz sicher aus Europa, auch Felix! Rosalie wird dann nicht zurückbleiben. – Um Mardochai's Brief bitte ich noch einige Zeit." – Mit einer Art religiöser Freudigkeit verliess ich Bardeloh. Ich würdigte im Stillen Casimir's Tat und Tod, und eilte auf Rosaliens Zimmer, um ihr sogleich den tröstlichen Entschluss ihres Gatten mitzuteilen. Ruhig hörte mich das duldende, schöne Weib an und schien einiges Mistrauen in meine Worte zu setzen. Auch meine wiederholten Beteuerungen nahm sie ganz in gleicher Weise auf. "Sie meinen es gut und ehrlich," erwiderte sie, "darum kränkt Sie mein Zweifel. Allein nicht in Ihr Wort, nur in Richard's Willen setze ich Argwohn. Tun Sie indess, was Sie für Recht halten, auch ich will durch Zaudern der Möglichkeit einer glücklichen Vollendung des gefassten Entschlusses nicht vorbeugen. Schicken Sie mir Felix, das arme Kind wird sehr glücklich sein." Diese Mutlosigkeit des Gemütes lähmte meine Kräfte. Wenn Frauen aufhören zu