wider Gift! So lieb ich's, als ein deutscher Sappermenter. Darum will ich den Juden seinen Witz beschneiden.
Sara ist ein frisches Kind. Sie hat süsses Fleisch. Die Juden halten sammt und sonders grosse Stücke auf ihre Nachkommenschaft. Sie bewachen und pflegen das Fleisch ihrer Töchter eben so sorgsam, als sie das von einem andern Geschöpfe verachten. Da hab' ich nun einen erbaulichen oder vielmehr einen zuschnürenden Plan vor. Das Ding konnte sich nur gestalten im kopf Casimir's des Dichters der barocken titanenhaften Tragödien. Rätst Du's? – Nein, Kerl, das rätst Du nicht, sonst wärst Du ja gleich mir, und ich geriete in einen Streit, ich weiss nicht, mit wem.
Sara soll mir zur Grundlage einer lustigen Tragödie dienen. Ich weiss, das wird den Juden packen und zausen, wie weiland der hilfreiche Ast Absalom's Zopf. Sara ist mir zuweilen gut. Das benutze ich, obwol ich nicht als parfümirter Liebhaber, sondern als bissige Hyäne ihr meine Liebesanträge machen will. Ich werde umwunden mit dem wunderlichen Läppchen, das alle Juden in der Synagoge tragen, vor ihr erscheinen, und sie damit so fest umschlingen, dass ihr die Verbindung beschwerlich wird.
Nun, wie gefällt Dir das, Du amerikanischer Zettelträger? s' Ist 'n Bischen schweflig ausgedacht, mit spanischem Pfeffer und Lauch gewürzt; aber so taugt's. Die Juden lieben ja das Narkotische. Weiss Gott, ich bin eben kein sehr frommer Hans, aber die Juden lass ich mir nicht über mein Glaubenszeug kommen. Mardochai hat's getan, dafür soll er schnattern, dass ihm die Weichen klappern, wie Windmühlenflügel. Mein Bekenntniss muss gerächt werden und wär's durch die ausgesuchteste Sünde! Ich bin der Kerl dazu! Mir ist's ganz gleich, wodurch ich zum Ziel gelange. Nur kleine Seelen erschrecken vor dem Furchtbaren, die grossen Geister zünden sich an den glühenden Nüstern der Hölle ihre Cigarren an. Also prosit Jude!
Im Fall der Engel Raphael mich unter die Cherubim versetzen sollte, nimm dies als meinen letzten Gruss. Ich habe Dich immer geliebt, weil Du so helle Taubenaugen hast. Diese sind meine Passion.
Auf Himmel- oder Höllenwiedersehen, je nachdem! – Da ich kein Siegellack besitze, klebe ich das Ding mit Speichel.
Dein starker Casimir."
Die Glossen zu diesem Schreiben kannst Du Dir
gegen war in den furchtbaren Augenblicken, wo ich das Traurige erlebte. Man könnte rechten mit der Weltgeschichte und ihrem ordnenden geist, läge nicht grade in dem Zusammentreffen so ungeheurer Verbrechen die ewige Sühne! Dies muss auch Mardochai gefühlt haben, denn ein Brief, den er mir vor kurzem schrieb und den ich Bardeloh mitteilen soll, lässt mich erkennen, dass noch weit grössere Frevel, als die bisher verübten, im Werke waren. Du wirst sagen, es sei unmöglich, allein verworrenen, unnatürlichen Zuständen ist nichts unmöglich. Das gährende Chaos kann in jeder Stunde mit der hohen Besonnenheit des Schöpfers in die Schranken treten. Diese Extreme berühren sich, wie alle andern, und unsterblich und unbesiegbar sind Gott und der Tod, – ewiges Schaffen und ewiges Zerstören! Was sich ereignen sollte, erzählt unumwunden genug Mardochai's Schreiben, in dem der alte klare Geist, umwunden mit dem Dornenkranz des Völkerschmerzes, wie früher spricht, schafft, Entsetzen erregt und zur Bewunderung hinreisst. Nochmals muss ich es laut bekennen, ich liebe diesen seltenen Menschen, weil mein tiefstes Gemüt sich danach sehnt, ihn hassen zu können. So ärgert sich der gewaltige Geist über die göttliche Kraft und droht mit seiner kleinen Faust und dem Geifer seines Mundes hinauf zum ruhigen Himmel, weil er die Lust fühlt, Gott sein zu wollen und doch die Schwäche ahnt, die ihn an der Verwirklichung des unerlaubten, aber doch natürlichen Gedankens verhindert.
Auch diesen Brief teile ich Dir mit, vielleicht spricht er eben so gewaltig zu Deinem Herzen, wie er mich bewegt hat in Schmerz und zürnendem Grimme.
Mardochai an Sigismund.
"Der Stolz meines Volkes liegt gebrochen vor meinem Auge und der Gott Israels trauert, weil heimgegangen ist der letzte Spross aus dem Stamme Davids!
Ich klage nicht, denn ein Mann kann sich fassen, wenn auch über ihn der Himmel seine Flammen donnernd zusammenschlägt und unter ihm die Erde sich bewegt, wie ein Blachfeld rollender Schädel. Noch sehe ich ja leuchten in ihren Augenhöhlen die Pracht des jungen Morgenlandes, als leuchtende Opale wandeln mit flimmerndem Fuss die Zaubermährchen meines Mutterlandes um die bleichen Stirnen, und das Morgenland lebt immer, wie auch das Abendland aufschiessen möge in Blüte und Frucht. –
Mein Leben war der Versöhnung gewidmet, der Versöhnung, die achtzehnhundert Jahre vergeblich zu stiften suchten zwischen Juden und Christen. Ich hielt mich berufen, als ein Messias aufzutreten unter meinem volk, ich bat, ich flehte, ich dachte für sein Heil. Meine Träume klangen wie das Rasseln verroWachen sah ich blank geschliffene Panzer um den Leib Israels schlagen, nicht um ihn zu rüsten, sondern zu erdrücken. Was ich darauf tat, Sie wissen es. Als ich Ihrer ansichtig wurde, stieg die Furcht auf aus dem Boden und ringelte, eine bleiche Schlange, sich um mein Haupt. Ich hasste Sie, weil ich Sie fürchtete; aber ich gestand es mir selbst nicht. Ihr Umgang mit Bardeloh, noch mehr mit Gleichmut, liessen mich eben sowohl Hoffnungen fassen, als Zweifel in mir entstehen. Die Kälte