nicht merken, dass meine Einwilligung ergänzt worden ist."
Hermann verwarf mit Entrüstung diesen Vorschlag. "Niemals", rief er, "werde ich ein Mädchen, welches ich liebe, in Zwiespalt mit ihrer Dankbarkeit versetzen! Cornelie weiss, was sie Ihnen schuldig ist, und ich bin der Sohn Ihres Bruders. Können wir nicht in Geduld und Harren Ihre Weigerung auflösen, so wollen wir lieber unglücklich sein."
"Das ist die Jugend", sagte der Oheim. "Ein wahres Trübsal, dass viele Menschen meinen, das Leben lasse sich auf Empfindungen, Zartsinn und Gefälligkeiten erbaun, denn aus dieser hohen Stimmung entspringen in der Regel grade die gemeinsten Folgen. Man muss mit Verstand zu rechnen wissen, und von sich und andern nie eine andre Maxime erwarten, als die, dass erlaubt sei, was nicht verboten wurde. Dann legt man zu seinem Geschicke einen tüchtigen Grundstein, und das Schöne und Gute findet sich wohl obendrein hinzu. In entgegengesetzter Richtung handeln, heisst an Blütenzweige Zentnergewichte hängen. Du siehst, ich kann auch in meinem Fache zum Dichter werden, wenigstens war dieses, wie mich dünkt, ein passendes Gleichnis."
Hermann war an das Fenster getreten, um seine Aufregung zu verbergen. Der Oheim stand eine Zeitlang schweigend am Tische, dann ging er zu ihm, legte ihm die Hand auf die Schulter und sagte mit dem gutmütigen Tone, der diesem mann trotz seiner Kälte eigen sein konnte: "Du dauerst mich, armer Narr. Aber sieh; über gewisse Dinge, Verhältnisse und Konjunkturen habe ich nun einmal meine ganz bestimmte Meinung, von der ich nicht ablassen kann, da meine sechzig Jahre sie mir immer bestätigten. So wenig ich meinen Sohn Ferdinand Soldat werden lasse, so wenig ich Cornelien an einen Seefahrer verheiraten würde, so wenig bekommst du sie mit meinem Willen. Die Sünden der Väter sind eine Last für die unschuldigen Kinder; es ist schlimm, aber wer kann es ändern?"
"Entdecken Sie mir denn, was Sie von mir, von meinen Eltern wissen!" rief Hermann. "Was für Gespenster der Vergangenheit schleichen um mich her? Was bedeuteten die Tränen meiner Mutter? die Seufzer meines Vaters? Was sollen die Bilder, Inschriften und Erinnrungsdenkmale, die mich in den Zimmern des Herzogs wie gefährliche Zauberzeichen anstarrten? Reden Sie, ich will alles erfahren."
"Frage deine Brieftasche", versetzte der Oheim. "Den Willen meines Bruders habe ich vollstreckt, etwas Weitres fordre nicht von mir. Den Inhalt fremder Geheimbücher verrät kein rechtlicher Kaufmann."
Er brachte das Gespräch auf einen andern Gegenstand, und fragte Hermann, wann das fest vorbei sein werde, da er gleich nachher den Herzog zu sprechen wünsche, indem seine Zeit gemessen sei. Jener sagte ihm darauf das Nötige, und eröffnete ihm, dass er von der Herzogin den Auftrag empfangen habe, ihn ebenfalls einzuladen. Er beschwor ihn, dieser freundlichen Frau mit Freundlichkeit zu begegnen. "Wüssten Sie", rief er, "was für Menschen diese, die Sie angreifen wollen, trotz aller ihrer Schwächen und Vorurteile sind. Sie würden in Ihrem grausamen Beginnen wankend werden."
"Grausam!" versetzte der Oheim einigermassen empfindlich. "Du gehst mit den Worten nicht eben genau um. Ich will ihnen ja einen Vergleich vorschlagen, und einen billigen. Wir wollen miteinander teilen; sie bleiben dann noch immer reich genug. Ich erzeige ihnen die Ehre, selbst zu kommen, da sie meinen Sachwalter verführt haben. Wie kann man nachgebender, gefälliger sein?"
"Soviel ich von diesem Handel weiss", sagte Hermann, "ist er der ungereimteste, der sich denken lässt. Sie, der Bürgerliche, werfen dem Edelmann den Flekken seiner Abstammung vor, und wollen aus diesem grund, Sie, ihn von Haus und Hof treiben. Ein solcher Erwerb, den nur der Widersinn mir zuwerfen könnte, würde mir Grauen verursachen."
"Gib mir die schönen Güter, das andre will ich tragen", erwiderte der Oheim. "Habe ich die Rechte gemacht? Bin ich schuld an den Verwicklungen der Zeit? Glaubst du, dass ich mich wie ein Geier auf die Beute stürze? kommt es zum Prozess, und verliere ich ihn, so werde ich an dem Tage, wo ich es erfahre, nicht um ein Haarbreit unzufriedner sein, denn ich weiss recht wohl, dass mit den Reichtümern auch die Sorgen wachsen, und dass man nur bis auf einen gewissen Punkt besitzt. Darüber hinaus hat man eigentlich nichts mehr von dem Seinigen. Aber eine günstige gelegenheit von der Hand schlagen, zu einem Glücke, welches uns gleichsam zugeworfen wird, sagen: 'Geh, ich mag dich nicht', das würde ich weder vor mir, noch vor meiner Familie, noch vor den vielen Menschen, die von mir leben, verantworten können. Auch ist es endlich einmal Zeit, dass eine bessre Ordnung in der Welt gestiftet wird. Das Herz blutet einem, wenn man sieht, wie sie mit dem Ihrigen wirtschaften. So erfuhr ich im Vorüberfahren, dass der Herzog einen herrlichen Kalkbruch, der ihm jährlich die sicherste Rente abwerfen würde, aus blossem Eigensinne nicht aufbrechen lässt. Weil sie nie etwas zu erringen brauchten, so denken sie auch nicht an das Vermehren, kaum an das Bewahren.
Man spricht so viel von der vergeltenden Gerechtigkeit Gottes, und wenn sie sich einmal an einem deutlichen Beispiele zeigt, so ist des