zu entfernen, der Herzog wollte es nicht von der Stelle gerückt wissen. Hierüber kam es zwischen beiden zu einem heftigen Auftritte, welcher damit endigte, dass Wilhelmi seinen Dienst aufsagte, und der Herzog ihm erwiderte, er halte niemand, der nicht bei ihm bleiben wolle.
Seit diesem Tage lebte er im Kruge, wollte abziehn und liess doch seine Sachen im schloss, indem er sich vorsagte, dass er die Geschäfte erst ordnen müsse, gleichwohl aber von Tage zu Tage verschob, Hand daran zu legen. Seine beste Lebensnahrung entging ihm, seit er nicht mehr von den Blicken der Herzogin zehrte. Er sah übel aus. Hermann suchte den trübsinnigen Lieben, der, wie er sagte, irgendwo Galerieinspektor werden wollte, um nicht mehr mit Menschen, sondern nur noch mit Sachen zu tun zu haben, zu trösten, und nahm sich gleich vor, Versöhnung zu stiften.
Er erinnerte sich der Teorie, welche die alte Rektorin für ähnliche Fälle angeraten hatte, begann also damit, dem Herzoge, der jetzt gegen ihn in der gnädigsten Laune war, zu sagen, wie sehr Wilhelmi den Vorfall bedaure und sich seiner Hitze schäme.
Der Herzog hatte grade den Brief des Oheims, welcher seine Ankunft nunmehr auf die nächsten Tage verkündigte, empfangen. Er war nachdenklich und in sich gekehrt. "Ich brauche ihn zwar nicht", erwiderte er auf Hermanns vermittelnde Reden, "aber wenn er kein andres Unterkommen hat, so mag er immerhin einstweilen zurückkehren."
Hierauf sagte Hermann zu Wilhelmi, dass der Fürst nur ungern an die Übereilung denke, deren auch er sich schuldig wisse. Er wünsche nichts sehnlicher als die Wiederkehr des alten bewährten Dieners, ohne den er, wie er fühle, nicht bestehn könne. Über Wilhelmis Gesicht flog es, wie wenn die Sonne im Januar auf Eisfelder scheint, er rief: "Dann ist es freilich meine Pflicht, den Vorfall zu vergeben!"
Kurz, nachdem Hermann noch einige Male hin und her parlamentiert hatte, brachte er die Ausgleichung zustande. Die Szene hatte etwas Diplomatisches. Der Herzog kam, wie zufällig, begleitet von einigen Verwaltern, bis an die Grenze des Parks geritten, dort fand er Wilhelmi, der ebenso zufällig daherum spazierengegangen war. Der Herzog hob sich etwas im Sattel, grüsste den Verbannten und sagte in leichtem Tone, als ob nichts vorgefallen wäre: "Ah!" – Wilhelmi, der gebückt und einigermassen verlegen vor dem Herrn stand, erwiderte: "Ja!" Der Herzog machte einen Gestus nach dem schloss zu und sagte: "Nun?" worauf der andre sich von seinem Freunde in das Schloss führen liess, und noch vor Abend grosse Päcke Korrespondenz erhielt, welche freilich inzwischen unerledigt geblieben waren.
Hermann, der den Friedensstifter, Festordner, Vertrauten abgeben musste, nebenbei noch Bräutigam war, und zu allem Überflusse die aufregendsten Entdeckungen gemacht hatte, hätte sich nur gleich zerteilen können, um allen den verschiedenartigen Anforderungen zu genügen. Man verlangte ihn hier, man verlangte ihn dort, man verlangte ihn allentalben. Im stillen durfte er sich doch die Frage vorlegen, was denn aus allen diesen Dingen hätte werden sollen, wenn er nicht zufällig im rechten Augenblicke hergekommen wäre?
Wahrhaft unleidlich war ihm die Aufdringlichkeit des Amtmanns, der wie an seine Fersen gebannt zu sein schien. Die Bemerkungen dieses Menschen hatten alle etwas Gemeines und Höhnisches, er war der Sklav', der um die Schwächen der herrschaft weiss, und in dieser Kunde sich dreist und behaglich fühlt. "Sie glauben nicht, mein gnädigster Herr", sagte er, als er jenen am Abend vor dem Feste auf dem Turnierplätze fand, beschäftigt, die Anstalten noch einmal sorgfältig zu überschaun, "wie viele Verändrungen ein alter treuer Diener mit durchmachen muss, der so ein fünfzig Jahre nebenher gegangen ist. Der Herr Vater würden über diese Gerüste recht lachen und der Herr Grossvater kreuzigten und segneten sich gewiss, hörten sie von dem vielen Gelde, was sie gekostet haben. Der Herr Grossvater taten nichts, als sparen und schaben, Bäume pflanzen, Feld und Vieh in Ordnung halten. Wie oft erinnre ich mich, aus seinem mund gehört zu haben: 'Wenn man alles hätte, müsste man noch etwas mehr zu bekommen suchen.' Der Herr Sohn war denn schon anders, brachte Mosen und die Propheten wieder unter die Leute, in der Jugend hatte er ein empfindliches Herz, aber schön war es; die Liebe brachte ihn nie in gross Leid, er wusste sich immer mit so guter Manier zu helfen. Nachmals, als die Kräfte schwanden, wollte der Selige Gold kochen, späterhin sahen wir Geister, und endlich wurden wir gar fromm und liessen uns von Rom einen Priester kommen, nicht so einen, der in der Sache jung geworden und auferzogen worden ist, nein, einen express sich selbst Verfertigtabenden, welche immer, gleich der eigengemachten Leinwand, die besten sein sollen. Nun sind denn endlich Seine Durchlaucht an das Regiment gekommen, da geht alles gross und staatisch zu, ich glaube, sie legen sich sogar mit ihren Orden zu Bette; das habe ich nun so insgesamt mit angesehn, und was werde ich vielleicht noch alles erleben müssen!"
In diesem Geschwätze fuhr er fort, obgleich Hermann ihn durch dazwischengeworfne verdriessliche fragen abzubringen versuchte. Endlich rief er: "Wenn ich nur einmal das Glück hätte, die ganze liebe Familie hier beisammen zu sehen!" Worte, über die Hermann nachdenken musste,