, Geschick zu zeigen, auch bei ihnen empfängt der Kavalier aus den Händen der Dame den Dank; Galanterie und Sitte haben auch da freien Spielraum. Und alles ist mit einigen Quadrillen, mit dem Stechen nach dem Ringe und nach dem Türkenkopfe abgetan. Jeder wird sein Vergnügen haben, und wir dürfen vor keiner Leiche besorgt sein."
Die Herzogin entzückte dieser Vorschlag. "Aus welcher Verlegenheit retten Sie mich? Wie erkenntlich muss ich Ihnen sein!" rief sie. Hermann fuhr fort: "Alle Anstalten zu dem Turniere können wir auch zu dem Caroussel gebrauchen; an dem Kostüm der Damen und Herren braucht kaum etwas geändert zu werden, denn es ist nichts törichter, als in solchen Fällen, worin es doch nur auf gesellige Freude ankommt, gelehrt sein zu wollen. Schliesst sich an unser Ringelrennen ein Ball für die Herrschaften, ein Scheibenschiessen für Diener und Untertanen an, so wüsste ich nicht, wie es einen bunteren und lustigeren Tag geben könnte."
Hermann bekam unumschränkte Vollmacht, alles, was die Umwandlung des Festes erforderte, zu verfügen. Die Herzogin händigte ihm die Schlüssel zu den Zimmern ihres verstorbenen Schwiegervaters ein, worin sich, wie sie meinte, einige Abbildungen befänden, die ihm bei Ausführung des neuen Plans nützlich sein würden. Sie selbst übernahm es, den Herrn, welche bei dem Caroussel tätig sein sollten, die Ändrung des Festspiels anzuzeigen; was die übrigen Gäste betraf, so war man übereingekommen, dass es klüger sei, diesen nichts zu sagen, da sie doch hinnehmen müssten, was ihnen geboten werde.
Während Hermann sich in den Zimmern des alten Herrn umsah, empfing der Arzt seine Boten, die er nach der Hütte der Alten, und hinter dem Domherrn her gesandt hatte. Der erste meldete, er habe die Alte nicht in der Hütte betroffen, und in letztrer eine greuliche Zerstörung alles dessen, was nicht niet- und nagelfest gewesen, wahrgenommen. Der zweite, welcher zu Pferde dem Domherrn nachgesetzt war, gab das Wort des Rätsels an. Er hatte den Flüchtigen in einem kleinen Orte getroffen, wo er mit Flämmchen und der Alten ganz geruhig zu Tische sass und speiste. Nach einigem Hin- und Widerreden erfuhr er den ganzen Hergang. Die Alte hatte in der Wut alles in ihrer Hütte zerschlagen und war dann wie rasend der Spur des geraubten Kindes nachgelaufen. Halbtot erreichte sie den Entführer, und beide, Flämmchen und sie, erklärten ihm, er müsse sie entweder zusammen mitnehmen, oder zusammen entlassen. In seiner jetzigen Stimmung war ihm die braune Greisin ein erwünschter Zuwachs, leicht entschloss er sich, sie ebenfalls zu behalten. Dem arzt liess er auf dessen Anfordrung, das Mädchen zurückzuschicken, sagen, es bliebe beim Erziehen und Heiraten.
Zum ersten Male war dieser entschlossne Mann in Verlegenheit. Wir dürfen bei dieser gelegenheit sagen, dass der Beweggrund zu seiner Handlungsweise gegen den Domherrn nicht bloss die Lust gewesen war, psychologische Experimente anzustellen, sondern hauptsächlich in dem Misstraun gesucht werden musste, welches er gegen Hermann fühlte. Dessen ganzes Wesen, diese Mischung von Leichtsinn und Ernst, von Frühreife und Jugendlichkeit war ihm unverständlich, und da er nur das, was er begriff, gelten liess, so hielt er ihn lieber für einen charakterlosen Abenteurer. Er fürchtete, dass jener nicht wiederkommen, dass ihm die Last der Obsorge für das verwaiste Mädchen bleiben werde, und diese wollte er auf die Schultern des Domherrn abladen, aber freilich nicht so übereilt, bei nächtlicher Weile, auf eine Art, die üble Nachreden geben konnte.
Nun war aber Hermann zurückgekehrt. Was sollte er ihm sagen, wenn dieser das Mädchen forderte? Er war äusserst verdriesslich auf sich, auf die Menschen, auf die Welt. Am meisten schmerzte es ihn, von einem Narren überlistet worden zu sein.
Indem er noch erwog, wie er dem jungen Vormunde den Handel am wenigsten zu seinem Nachteil darstellen solle, trat dieser in sein Zimmer. Zufällig war er mit den beiden Boten des Arztes zusammengetroffen. Es waren Bürgersöhne aus dem Städtchen. Sie kannten Hermann, er hatte im Winter oft mit ihnen gejagt; es bestand zwischen ihnen eine Art von Kamaradschaft. Voll, bis zum Überfliessen, von ihrem Geheimnisse, teilten sie es ihm nach den ersten Begrüssungen unter dem Siegel der Verschwiegenheit mit.
"Ich weiss alles", rief Hermann dem verlegnen arzt zu. "Nur eine Frage: Ist der Mann, der sich so rasch in unser Geschäft gedrängt hat, gut, gesetzt, zuverlässig?"
"Das möchte ich von ihm mit Sicherheit behaupten", antwortete der Arzt kleinlaut.
"So danke ich Ihnen und ihm, dass mir eine sorge abgenommen worden ist, der ich doch auf die Länge nicht gewachsen war", sagte Hermann. Der Arzt sah ihn verwundert an. Jener händigte ihm eine Rolle Gold ein und fuhr fort: "Wenden Sie dieses Geld, welches mir von milder gnädiger Hand für das Mädchen vertraut war, zu ihrem Besten an. Ich sage mich hiemit von ihr los, da sie einen andern Beschützer gefunden hat."
Nach seiner Entfernung brach der Arzt in ein bittres Gelächter aus. Er schwor sich zu, niemals wieder vor der Beständigkeit und Konsequenz eines Menschen Furcht zu hegen, und erklärte ein für allemal das ganze Geschlecht nur für die höchste Gattung des Tierreichs.
Und doch tat er unsrem Freunde unrecht. Dieser war, sobald er nach dem entscheidenden Augenblicke mit Cornelien zur Besinnung kam, in die