und sagte zu den Leuten laut, so dass Hermann es hören musste, sie möchten ja alles pünktlich tun, was der gnädige Herr befehle.
Bei Tafel sah er sich vergebens nach Wilhelmi um. Er fragte seinen Nachbar nach diesem alten Freunde. Der Mann blickte verlegen vor sich hin, und gab ihm ein Zeichen, dass er es zu vermeiden wünsche, über jenen hier Auskunft zu erteilen. Mit dem arzt hatte er über Flämmchen reden wollen, dieser vermied ihn sichtlich, und setzte sich ein paar Plätze weit von ihm weg. Das Gespräch berührte nur die gleichgültigsten Dinge; alle schienen mit ihren Gedanken abwesend zu sein.
Die ausserordentlich heitre Laune des Herzogs fiel ihm immer mehr auf. Der sonst ziemlich trockne Herr erschöpfte sich in muntern Einfällen, die nur zuweilen einem eignen schwärmerischen Ernste Raum gaben. Seine ganze Stimmung schien eine erhöhte zu sein. Auch ein gewisses Zeremoniell hatte sich an der Stelle der sonstigen Ungezwungenheit eingefunden. Früher waren die fürstlichen Personen, jede für sich, wie die Dame ihre Toilette, der Herr seine Geschäfte beendigt hatte, in den Speisesaal getreten. Heute war von zwei Bedienten, nachdem die Gesellschaft eine volle Viertelstunde versammelt gewesen, die Flügeltüre aufgetan worden, und der Herzog hatte seine Gemahlin feierlich-zierlich an den Fingerspitzen in den Saal geführt. In gleicher Weise nahm er mit ihr nach aufgehobner Tafel seinen Rückzug, ohne weiter mit den Tischgenossen zu verkehren.
Indessen hatte unser Freund nicht lange Zeit, über diese Verändrungen nachzudenken. Schon waren die jungen Edelleute wieder angekommen, welche, wie neulich die Rüstungen, so nun Lanze und Schwert probieren wollten. Hermann wurde beordert, die Rekken zu empfangen, und der Übung als Waffenkönig vorzustehn. Wieder legte man im Ahnensaale unter schallendem jubel die Panzer und Schienen an, die nun, glänzend, den Gliedern angepasst, die vielen jugendlichen Gestalten kräftig hervorhoben.
Der klirrende, schimmernde Zug stieg eine verborgne Treppe hinunter, um durch eine Hintertüre in das Freie zu gelangen. Alle waren ausser sich vor Freude und Hermann hatte genug zu tun, um die lauten Ausbrüche des Entzückens, welche ungelegne Zuschauer herbeiziehn konnten, zu mässigen.
Draussen standen die Pferde der Ritter. Sie scheuten bei dem Anblicke ihrer verwandelten Gebieter, und prallten zurück. Die Reitknechte hatten einige Mühe, die brausenden Tiere zu begütigen, was indessen doch zuletzt den angewandten Schmeichelkünsten gelang. Man sass auf, und nach einigem Springen und Bocken schien die Gewandteit der jungen Männer siegen zu sollen. Nur einer, ein ältlicher Herr, der es aber für seinen Vorteil ansah, sich so lange als möglich zur Jugend zu halten, konnte trotz aller Mühe nicht auf seinen Rappen gelangen, und musste endlich von dem schweisstreibenden Werke abstehn. Er gab dem armen Tiere, welches in seiner Furcht vor dem stählernen Herrn wahrlich noch mehr ausstand, als er, einen ungerechten Schlag, liess sich entwaffnen, und setzte sich in seinem grünen Nankingröckchen traurig unter eine Fichte. Seit der Zeit ward dieser Mann, welcher vorher das fest eifrigst hatte betreiben helfen, ein Verächter desselben; die andern aber gaben ihm unter scherzhafter Anspielung auf den Helden des Scottschen Romans den Spitznamen: el Desdichado, oder der Enterbte. Auch wir sind genötigt, ihn künftighin, wo er uns noch vorkommen sollte, unter dieser Bezeichnung aufzuführen, da die geschichte seinen wahren Namen nicht aufbewahrt hat.
Hermann liess die Ritter nun zuvörderst einige Volten auf dem Turnierplätze machen, und dabei den Speer senkrecht im Bügel führen. Dann mussten sie in gleicher Weise, zwei Glieder tief und zwölf Lanzen hoch – denn im ganzen hatten sich so viele Kämpferpaare gemeldet – rund um den Plan sprengen. Diese vorläufigen Übungen gelangen vortrefflich, und gaben die besten Hoffnungen. Dass einige etwas hart die hölzernen Schranken streiften, andre nicht die völlige stallmeisterliche Sicherheit in den Sätteln behaupteten, konnte hiebei nichts verschlagen, da solche kleine Unregelmässigkeiten kaum irgendwo ausbleiben, wo Mensch und Ross sich zusammenfinden.
Man war daher kühn geworden, und wollte gleich mit dem Schwierigsten beginnen, mit dem allgemeinen Lanzenstechen, zwölf gegen zwölf. Hermann hielt es aber für ratsam, stufenweise zu verfahren, und bestand darauf, dass sich zuerst die Paare einzeln gegeneinander versuchen sollten. Er selbst begann, im knappen Collet auf einem leichtfüssigen Engländer sich wiegend, an der Sache Geschmack zu finden. Die Herzogin sah zwischen den Bäumen aus ihrer Droschke zu, und man will wissen, dass unser Freund mehr als nötig, sein Rösslein habe courbettieren lassen, obgleich er sich gewissenhaft bestrebte, nur an die ferne Cornelie zu denken.
Wie es bei solchen Gelegenheiten zu geschehen pflegt: die Schwächsten drängten sich zu den ersten Versuchen, während die tüchtigsten Reiter lächelnd warteten, um zuletzt das Hauptstück zu vollführen. Leider zeigte sich nur zu bald, wie gegründet Hermanns Vorsicht gewesen war, da auch sie das Geschick nicht abzuhalten vermochte, welches nun einmal in seinem Eigensinne jeden Versuch, dahingeschwundne zeiten wiederzuerwecken, vereiteln zu wollen scheint.
Man kann nicht sagen, dass diese Adlichen das Unmögliche gewollt hätten. Die Aussicht, mit zerbrochenen Gliedern vor Oheimen und Tanten, Schwestern und Bräuten im Sande zu liegen, hatte für keinen der Kämpfer etwas Erfreuliches; es war daher durch eine stillschweigende Übereinkunft vorgesehen worden, dass so wenig Gefahr, als möglich, entstände. Man hatte die Schäfte der Lanzen dünn und von sprödem, zerbrechlichem Holze machen lassen. Es war mitin mehr Wahrscheinlichkeit vorhanden, dass diese schwachen Waffen auf der beschützten Brust der Gegner zerbrechen, als dass die