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, es ist ein Schicksal gewesen, dass ich zu Ihnen gekommen bin. Lesen Sie es, wenn ich Ihr Haus verlassen habe, und gedenken Sie meiner im Besten." – "Gottlob!" rief die Rektorin. "So ist alles gekommen, wie ich gewünscht und gewollt habe. Ich werde Ihre Fürsprecherin bei den Eltern sein", setzte sie mit freundlichem Händedrucke hinzu. "Welche seltsame Missverständnisse!" sagte Hermann und war zur Tür hinaus.

Cornelie hatte an dem Frühstücke nicht teilgenommen. Er konnte unmöglich gehen, ohne ihr Lebewohl zu sagen. Er suchte sie auf ihrem Zimmer, in den Gängen des Hauses, endlich glaubte er ihre stimme vom Gartenhäuschen her zu vernehmen. Dortin eilte er. Wieder war sie, wie damals, als er bei seiner Ankunft sie hier fand, beschäftigt. Sie kniete vor Blumentöpfen. Aber diesmal säte und pflanzte sie nicht; sie nahm einen verwelkten Stock aus dem Topfe.

Er trat bescheiden vor sie hin, und sagte: "Ich gehe, Cornelie." Sie verfärbte sich und antwortete nichts. "Ich weiss", fuhr er fort, "dass ich Ihnen zuwider gewesen bin, lassen Sie es nun gut sein, da ich mich entferne; geben Sie mir ein freundliches Wort mit. Und wollen Sie mich in dieser letzten Stunde recht glücklich machen, so vertrauen Sie mir, warum Sie in der vorigen Nacht geweint haben. Ich wüsste niemand, dem ich lieber helfen möchte, als Sie."

Sie stand, die Augen niedergeschlagen, und versetzte: "Es ist nicht recht von Ihnen, dass Sie tun, als hätte ich etwas gegen Sie. Sie haben wohl gesehen, wie herzlich ich mich freute, als Sie so unerwartet hier ankamen. Aber als Sie sich den falschen Namen gaben, und auch mich zwangen, zu lügen, da bin ich so traurig geworden, wie ich noch nie war. Ich hatte nirgends Ruhe, konnte niemand ansehn. Und darum war ich auch in dieser Nacht so betrübt. Ich hatte mich schon schlafen gelegt, als ich vor Angst wieder aufstehn und mich ausweinen musste. Nun wissen Sie es, sein Sie mir deshalb nicht böse."

Sie erhob ihr Gesicht gegen ihn, und reichte ihm die Hand. Er sah in das gute unschuldige Auge; das heilige Leidwesen einer reinen natur, die zum ersten Male von dem Gedanken, dass es ein Böses gebe, berührt worden ist, blickte aus diesen bewölkten Spiegeln. Ein zärtlicher Schmerz durchdrang ihn, mit einer Art von Ehrfurcht neigte er sich zu ihr, und sagte: "Ich will mich nie wieder verstellen, Cornelie."

Nun hätte er wohl scheiden sollen, aber er blieb. Ein unbezwingliches Gefühl trieb ihn gegen seinen Willen. Er hatte sich vorgesetzt, schweigend zu gehen, und schon war die scheue Frage über seine Lippen: "Liebst du mich, Cornelie?"

Sie antwortete nicht; sie fiel an sein Herz. In diesem Augenblicke rief einer der Knaben im Garten: "Cornelie, wo bist du? Bruder Eduard ist wieder da!"

Sie fuhr empor und flüsterte ängstlich: "Was haben wir getan?" Er durfte nicht eine Sekunde länger verweilen.

Leidenschaftlich ihren Mund küssend, der nun eher den seinigen vermied, rief er: "Du hast mein Wort! Ich verlobe mich dir und werde bei deinen Pflegeeltern um dich anhalten." Er schwang sich über das Mäuerchen. Sie schickte ihm den schmerzlichsten blick nach, dann wankte sie dem Knaben entgegen, der ihr Wunderdinge erzählte. Sie aber hörte von allem nichts, was er ihr sagte.

Viertes Buch

Das Caroussel, der Adelsbrief

So treiben wir Possen mit der Zeit, und die

Geister der Weisen sitzen in den Wolken und

spotten unser.

Prinz Heinrich von Wales

Erstes Kapitel

In einem gotischen Pfeilergewölbe unter Helmen, Kürassen, Schwertern und Streitkolben stand die Herzogin mit dem arzt in ernstlicher Beratung. "Wenn das Turnier regelrecht sein soll, so muss nicht bloss courtoisiert, sondern auch mit scharfen Waffen gekämpft werden, à outrance", sagte sie. "Suchen Sie doch die besten Speere und Schwerter aus."

Der Arzt nahm eine Anzahl Waffen von den Pflökken, und sagte lächelnd: "Mein Amt ist, Wunden heilen, und hier muss ich, in Ermanglung eines besseren Beistandes, welche vorbereiten helfen. Es tut mir leid, dass ich René d'Anjous Buch, welches ich einst in Dresden durchblätterte, nicht exzerpiert habe. Die französischen Ritterspiele waren weniger ernstaft, als das englische, dessen Nachahmung Ew. Durchlaucht beabsichtigen. Gut möchte es auf alle Fälle sein, wenn die Herren sich zuvor erst sorgfältig auf Stoss und Hieb einüben, sonst dürfte der Chirurgus eine reichliche Ernte haben." gin, "so wäre ich sehr zufrieden, wenn ich die Sache nicht angefangen hätte. Sie macht so viel Arbeit, bringt eine solche Unruhe in das Haus, dass ich nicht weiss, ob das Vergnügen alle diese Anstalten lohnen wird."

"Dann sollten wir lieber dieses ohnehin fremdartige fest einstellen", sagte der Arzt.

Die Herzogin entgegnete aber, dass das nicht möglich sei, der Herzog wisse schon darum und scheine sich auf den Tag ungemein zu freun. Auch könne sie die Einladungen an die Teilnehmer nicht wieder rückgängig machen, ohne zu spöttischen Reden in der Umgegend Veranlassung zu geben.

"Wie sehr entbehren wir unsern Wilhelmi bei dieser gelegenheit!" rief der Arzt. "In seinen