mit grosser Ehrfurcht an, und zerbrach sich den Kopf, was bei diesem gespräche herauskommen werde. Seinerseits fühlte Hermann, dass er nunmehr durchaus ohne Weg und Steg sei. Unfähig, den angelegten Wüstlingscharakter rein und frech zu halten, verlegte er sich auf Andeutungen. Er stammelte und stotterte allerlei daher; dass er den andern mit Flämmchen da und dort gesehen habe, dass es Eindrücke gebe, rasch und augenblicklich und doch tief und entscheidend, dass die Liebe ein Wunder sei, und als Wunder behandelt werden müsse, über kleinliche Formen erhaben, dass die sehnsucht eines fühlenden Herzens nach Vereinigung lechze, und was dergleichen mehr war.
Der Pflegevater begleitete diese verworrnen Reden, solange sie bloss von Flämmchen handelten, mit Ausrufungen, deren Muster in den Stücken zu finden war, worin eine Tochter dem Vater wegläuft. Als er aber von dem Eindrucke hörte, von der Liebe und von der sehnsucht, als er das erhitzte Gesicht, die feurig umherirrenden Augen des Jünglings erwog, da kam ihm eine andre Gedankenreihe und zwar eine sehr freudige. Was konnte der junge Mann Schlechteres sein, als ein verliebter Edelmann, der einen dummen Streich machen, und ein schönes Findelkind heiraten wollte? Es war ein Fall, der ganz in seine Praxis gehörte. Zu Hunderten hatte er abends zwischen neun und zehn Uhr hinter den Lampen die Missbündnisse eingesegnet. Seine Seele frohlockte; endlich erschien der Tag, an welchem er Flämmchen gründlich loswerden sollte, und was ging ihm nicht alles noch daneben auf! Er überlegte in der Geschwindigkeit, ob er seine alten Tage auf den böhmischen Gütern, oder in der schwäbischen herrschaft zubringen solle, und entschied sich für Böhmen, wegen des Karlsbades. Die Augen trocknend, welche immer weinten, sobald er wollte, schnupfte er stark, und wiegte vergnügt das Haupt hin und her, während Hermann seine Bruchstücke vortrug. Als dieser ausgestottert hatte, stand jener auf, streckte die Hand in Hemdärmeln aus der Enveloppe, nahm unsern Freund bei der Rechten, und sagte, Kriegsrat Dallner in Stellung, blick und Gebärde: "Lieber Baron, die Papiere über Ihre Angaben! Sind die Papiere in Ordnung, hegen Sie wirklich die Absichten, welche Sie hegen, so sage ich, es sei! Nimm sie hin!"
"Und wie machen wir es mit Ihrem alten Freunde?"
"Nun mein Gott, von dem kann ja gar nicht mehr die Rede sein. Wenn ein Mann, wie Sie, mit solchen Anträgen auftritt ..."
"Ha, Schändlicher!" rief Hermann, sich vergessend, packte den Komödianten bei der Brust und schüttelte ihn aus allen Kräften. "Schändlicher Kuppler, habe ich dich endlich?" –
"Donner und Doria, zu hülfe!" ächzte der entsetzte Alte.
Der Johanniterritter trat ein. "Was gibt es hier?" fragte er erstaunt. Hermann liess den vermeintlichen Lastervater los. "Mord! Mord, und Mortimer!" rief der Komödiant. "Dieser Mortimer drang zum Heiligtume meines Herdes, begehrte Flämmchen zum weib, ich willige ein, da spinnt er meinen Tod, der Entsetzliche!"
"Grauer Lügner!" rief Hermann. "Ich hätte Flämmchen zum weib begehrt?" – "Nun, was wolltest du sonst, Ungeheuer der Nacht?" fragte der Pflegevater. – "Hier muss ich Licht anstecken", rief der Johanniter, und trat dicht vor Hermann. "Wenn dem so ist, wie mein Freund hier sagt, so haben Sie sich, auf Ehre, sehr sonderbar betragen, mein Herr, und ich bitte mir von Ihnen eine Erklärung aus, und zwar eine bestimmte."
"Sie wollen von mir eine Erklärung, und in dem Tone?" rief Hermann mit funkelnden Augen. "Wohlan, hier ist sie. Sie sollen Ihr Vorhaben mit dem unschuldigen kind nicht ausführen, solange ich einen Arm rühren kann! Pfui, mein Herr! Sie betragen sich Ihrer Jahre wenig würdig. Das Kreuz auf Ihrem Rocke ist übel daran."
Der alte ehrenzarte Johanniter, der sich ohne irgendeinen Grund so empfindlich beleidigen hörte, geriet in einen schrecklichen Zorn, der sich durch ein dumpfes lachen ankündigte. Er knöpfte seinen Rock zu, grub mit den Fingern in der schwarzen Halsbinde, zerrte am Schnurrbart, sein gelbes Gesicht wurde dunkelbraun. In der Ecke hatte der Komödiant das Schwert des Otto von Wittelsbach stehen, auf dieses warf der Gekränkte einen blick, welcher das Schlimmste fürchten liess. Der Komödiant, der seinen Freund kannte, und nichts inniger hasste, als wirkliches Blutvergiessen, war mit einem Satze in der Ecke, packte die Waffe, und sprang damit in die kammer, welche er hinter sich verriegelte. Der Johanniter sagte, mühsam unter der Wucht seines Grimms atmend: "Es sind nur zwei Fälle möglich. Entweder, Sie sind ein hergelaufner Landstreicher ohne Namen und Stand, dann werde ich Ihnen angedeihen lassen, was Ihnen gebührt, oder Sie sind imstande, mir Genugtuung zu geben, dann wissen Sie, was ich für Ihre Worte von Ihnen zu fordern habe."
"Ich weiss", versetzte Hermann. "Man darf sich das Äusserste erlauben, und dann doch sehr entrüstet sein, wenn der andre die Sache bei ihrem Namen nennt. Die Sitten und Gebräuche der Welt sind über mir. Ich war Offizier; verlangen Sie, mein Patent zu sehen?"
Der Johanniter verneinte kalt und höflich, und das war gut, denn jenes Dokument