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. Anschläge bestehen, wenn man sie mit Rat führet, und Krieg soll man mit Vernunft führen. Wie man einen Knaben gewöhnet, so lässt er nicht davon, wenn er alt wird."

Er setzte sich zu seinen Wurzeln, Ölen und Schmalzen, und begann, in diesen unsaubern Dingen zu wühlen. Ein widerlicher, für nicht ganz abgestumpfte Geruchsnerven unerträglicher Dunst begann sich zu verbreiten, von dem auch wohl der Schläfer erwachen mochte. Er rieb die Augen, riss sie dann weit auf, sprang von seinem Strohlager empor, stellte sich vor den Alten und rief: "Lass deine albernen Schmierereien und hilf mir!"

"Was fehlt Euch denn, und wo sitzt es, Junker?" fragte der Alte.

"Hier", rief Ferdinand, und schlug mit der geballten Faust auf die Brust.

"Sprecht und saget an, dass man Euch verstehe", erwiderte der Alte. "Vorhin, als Ihr zu mir gestolpert kamt, wart Ihr so ausser Euch, dass ich meinte, Ihr hättet vom Bilsenkraut genossen, welches der Menschen Gehirn verstört. Nichts habe ich von allem dem begriffen, was Euren Lippen da entsprudelte."

Der verwilderte Jüngling setzte sich dem Alten gegenüber, stemmte den Kopf auf, und aus seinen Augen brach ein Tränenstrom mit einer Gewalt, wie wenn Quellen sich durch Felsen die Bahn erzwingen. Dieser Regen des Schmerzes erweichte seine Züge, welche, ungeachtet aller Entstellung durch Ausschweifungen, noch immer viel von ihrem ursprünglichen Adel und von der unschuldigen Schönheit der Kinderjahre hatten, so dass sein Anblick jeden Empfindenden mit Rührung erfüllt haben würde. Der Alte aber liess ihn weinen, rieb gleichgültig seine ekelhaften Spezies ferner ab, und sagte nach einer Weile: "Vom Trauern kommt der Tod, und des Herzens Kummer schwächt die Kräfte. Redet endlich, denn am lachen und Flennen soll man den Narrn erkennen."

"Er ist wieder da; bei dem pfaffen versteckt er sich, der Leidige, das Ungeheuer, dem ich das Herz aus dem leib reissen möchte, und es in die Tiefe werfen, da, wo es die Füchse fressen!" rief Ferdinand. "Wie lange wird es dauern, so heiraten sie einander! Ich glaubte, es sei vorbei, dein Branntwein schmeckte mir, und der Spass mit dem Mädchen, zu dem du mich führtest, tat mir wohl, aber nun er wieder da ist, hat sich alles umgekehrt. Ich will nur gleich zwischen des Vaters Maschinen geraten, und von ihren Rädern zerquetscht werden, wenn ich Cornelien lassen soll, die mein Leib, meine Seele, mein alles ist, um die ich durch die brennende Hölle ginge!"

"Da wäre nun kein andrer Rat", sagte der Alte, "als, Ihr müsstet Euch des Kerls zu entledigen suchen. Lauert ihm auf, wenn er allein geht, und stosst ihn von hinten nieder, so ist der Weg zum Mädchen frei."

"Wie dumm du bist!" rief Ferdinand. "Mord kommt an den Tag, das habe ich in allen Geschichten gelesen. Sie schlügen mir den Kopf ab, und ich hätte nichts davon. Nein, wozu ich noch immer Verlangen trüge, das wäre ein Duell auf Leben und Tod. Wenn man darin seinen Gegner niederschiesst, so kommt man zwar auch auf die Festung, aber sie lassen einen bald wieder frei. Das erzählte neulich einer über Tisch."

"Ihr habt ja Pistolen, fordert ihn also", sagte der Alte.

"Und wer versichert mich, dass ich ihn treffe?" fragte Ferdinand. Er sann eine Weile stumm vor sich nieder, dann riss er das Haupt des Alten, der immer in seiner Beschäftigung fortfuhr, gewaltsam beim Schopfe empor, sah ihm mit einem seltsamen Blicke in das Antlitz, und sagte leise: "Höre du; weisst du, ob es Treffkugeln gibt?"

Der Alte legte seine Sachen weg, und versetzte: "Oho! Wollt Ihr da hinaus? In der Stadt haben sie, wie ich mir sagen lassen, einen grossen Spektakel und Gesang darüber gemacht. Sie ziehen einen rot an, den nennen sie den Simon oder Samuel, ich weiss nicht recht, wie er heisst, und dann geht ein aberwitziger Lärmen in der sogenannten Wolfsschlucht vor sich. Nichtsnutzige Possen das! Auf solche Lappalien horcht nichts in dem Abgrunde der Kräfte, die muss man an einem andern Zipfel zu fassen wissen. Ob es wahr ist, weiss ich nicht, gesprochen wird davon unter uns Leuten vom Fache.

Es steht geschrieben im zweiten buch Mose am einundzwanzigsten: Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuss um Fuss, Seele um Seele. Davon machen sie die Nutzanwendung; wer seines Lebens nicht achtet, um das Schiessblei zu gewinnen, dem wird das Blei auch alles Leben in die hände geben, an welches er will. Sie sagen, wer ein Stück Blei, aber es muss nicht von einer Kirche sein, mit Todesgefahr erobert, der kann daraus Kugeln giessen, vor denen kein Kraut gewachsen ist. Wisst Ihr ein solches Stück Blei, so tut, was Ihr nicht lassen könnt, und plagt mich nicht weiter, denn es ist hoch Mitternacht, und ich bin schläfrig."

Die Lampe war über diesem gespräche erloschen. Ferdinand tappte im Dunkeln fort, und der Alte streckte sich mit den Worten: "Wenn ihm nun ein Unglück begegnet, so ist die Brut