, sei völlig unnütz, und führe immer nur zu verkapptem Hochmute. Dagegen legte er mir die strengsten Andachtsübungen und eine völlige Versenkung in Gott und die göttlichen Dinge auf. Oft meinte ich, dass ich in diesem Ringen nach dem Unsichtbaren erlahmen werde, aber wundersam stärken die Leiden der Heiligung; wenn unsre Wangen auch darüber bleich werden, so wächst doch freudige Gesundheit durch sie um das Herz. Nach und nach erwarb ich, sagen darf ich es, Fertigkeit im Büssen.
Man wollte mich zerstreun, ich versetzte, dass mir die Sammlung notwendiger zu sein scheine. Erheitrungen sollten mir bereitet werden, mir, die ich von meiner immer wachsenden Heiterkeit schon andern hätte mitteilen können. Diese konnten keine Anfechtungen zerstören. Der Herzog begann, gewiss in guter Absicht, mir unmutig zu begegnen, ich opferte gern den Frieden des Hauses auf dem Altare meines Gottes.
Nachmals gab es noch einen gewaltsamen Krampf in dem schwachen Geschöpfe, der zuletzt in eine Krankheit sich auflöste. Von dieser erstanden, war ich geheilt in jedem Sinne des Worts. Der Weg war mir jetzt ganz gebahnt, von welchem mich auch die schwersten Unglücksfälle nicht haben abbringen können.
Wem kein so reicher Geist gegeben worden ist, dass ihm nur das verworrne mancherlei des Lebens Beschäftigung gewährt, wer an einfachen Wahrheiten und grundsätzen die Nahrung seines inneren findet, der soll erziehn. Denn dieses Geschäft besteht nur darin, dass man den jungen Seelen eine Ausstattung schlichter Begriffe mitgibt, mit denen sie durch das Irrgewinde des Markts sich helfen sollen, so gut es gelingen mag. Diese in geduldiger Treue immer zu wiederholen und einzuprägen, habe ich meine jungen Mädchen um mich versammelt.
Ich unterrichte und bilde sie, nicht als ob ich damit etwas Verdienstliches zu vollbringen meinte, sondern weil ich eben dazu passe, und an den Ort gestellt worden bin, wo diese Pflicht geleistet werden sollte.
Johannas Bekenntnis
Von dem kriegerischen Schauspiele, welches die Menge der Fürsten und Prinzen unglaublich glänzend machte, mit dem Generale zurückgekehrt, fand ich Ihren Brief und die Bücher, welche die Herzogin inzwischen gelesen, und mir übersendet hatte. Also so haben wir ausgesehen? sonderbar, dass man von seinem inneren Antlitze keinen Begriff hat, wie oft man sich dies auch einbilden mag. Oder vielmehr die Sache steht so: Wir wissen um unsre Verhältnisse, Stimmungen, Irrtümer und Schwächen recht wohl, aber sie im Spiegel zu erblicken, ist schauderhaft.
Anfangs war ich auf den Autor bitterböse, und keinesweges gemeint, mich, wie die Herzogin, der durch ihn von Gott mir verhängten Busse zu unterwerfen. Auch der General wollte nichts von Nachgiebigkeit gegen den im stillen an uns herangeschlichnen Memoiristen wissen. Als wir aber die Sache näher bedachten, sahen wir ein, dass meine geschichte Frauen und Mädchen, in deren hände unsre Denkwürdigkeiten doch auch wohl gelangen mögen, zur Lehre dienen kann, und dass, wenn auch alle Beispiele die Wiederholung der Irrtümer nie verhüten, die Irrenden doch an meinem Falle zu ihrem Troste erkennen werden, wie das Gemüt uns in grosses Leid bringt, die arme unsres Schutzgeistes aber stark genug sind, uns aus demselben emporzuziehn.
Da käme ich nun in das Fach der Herzogin und wollte auch erziehn. Aber freilich beruht mein Unterricht auf andern Voraussetzungen. Die Stille, Liebe meint, so sehr die Demut ihr auch gebietet, ihre ganze Wirksamkeit vor der Welt als zweifelhaft darzustellen, insgeheim denn doch, dass ihre moralischreligiösen Vorschriften die jungen Seelen vor dem Strudel bewahren werden. Ich habe dagegen die Überzeugung, dass gerade die edelsten Naturen unsres Geschlechts unbedingt tiefen Verwicklungen dahingegeben sind, welche keine Regel der Klugheit, kein Präservativ der Sitte, und keine Andachtsübung aufhält. Viele gehen in denselben unter, wenige werden gerettet. Zu diesen gehöre ich, und wenn auch die Art meiner Herstellung sich nicht bei jeder Unglücklichen wiederholen wird, so lehrt sie wenigstens, dass das Leben selbst aus seiner Fülle den Stab wachsen macht, welchen die Dressur der Pensionsanstalt nicht darreicht.
Dies will ich erzählen, schlicht, einfach, kurz; zu ausgeführter, oder gar kunstreicher Behandlung habe ich weder die Lust, noch das Geschick, noch die Zeit.
Die Stellung der Frauen in der Gegenwart ist sonderbar. Was hat unsre Mütter beschäftigt, ihren Geist und ihr Gemüt ausgefüllt? Das Haus oder die Gesellschaft. Die Ruhigen wandten sich jenem, die Lebhafteren dieser zu. Nun gibt es aber keine Häuslichkeit mehr im alten Sinne, und aus der Gesellschaft ist der feine Zauber längst verschwunden, durch dessen Verwaltung wir die Priesterinnen und Fürstinnen der Salons wurden. Unser Platz in der Welt ist also leer oder anderweitig besetzt, wie man dieses Missverhältnis ausdrucken will. Wenn wir uns auch vor der durch die Saint – Simonisten uns zugedachten Emanzipation schönstens bedanken wollen, so lässt sich doch ahnen, dass unser Zustand bedeutenden Verändrungen entgegengeht.
Der Autor hat der Wahrheit gemäss erzählt, dass mich schon als Mädchen auf dem schloss meines Vaters das Gefühl eines Vaterlandes mächtig bewegte. Die natur musste vielleicht so bei mir verfahren, mir Ersatz durch eine allgemeine Empfindung geben, weil mir der Segen einer gesetzlichen Geburt, mir eine Mutter vorentalten worden war.
Madame de Staël – wenn ich nicht irre – hat einmal gesagt, dass in zeiten, wo man auch den Frauen die Köpfe abschlage, ihnen notwendig erlaubt sein müsse, sich um die Politik zu bekümmern. So schlimm steht es nun bei uns nicht. Aber da wir durch die Staatsumwälzungen unser Vermögen einbüssen, uns mit