Gestalt, in welcher er nach kurzem Besinnen Flämmchen erkannte.
Flatternde Bänder zierten Achseln und Schulter, Schmelzbesatz säumte Busen und Leib, das kurze Röckchen war zackig ausgeschnitten, darunter sahen rotflammige Strümpfe und goldne Schuhe hervor. Die schönen nackten arme umschlossen an den Gelenken Korallenschnüre, ein safrangelbes Bindentuch, welches sich durch ihre Locken zog, vollendete den fremdartigen Anblick.
Sie betrat den Saal mehr schwebend, als gehend, spielte mit einem Elfenbeinstäbchen, warf es empor, und fing es mit reizender Beugung des Arms wieder auf.
Ihr nach drang ein Schwarm verwunderlich-geschmückter junger Herrn; eine ältliche korpulente Figur mit kahlem haupt, die Brille vor den Augen, bewegte sich mühsam hinterher. Flämmchen scherzte und schäkerte mit ihrer Begleitung, der ganze Zug rauschte an den Wänden umher, und auf die Gemälde wurde wenig geachtet. Es war das Bild einer leichtfüssigen Nymphe, welche Satyrn und Faunen umspringen, und der Silen mit Anstrengung folgt.
"Was ist Ihnen?" fragte der Prinz Hermann, welcher starr nach Flämmchen hinsah. Dieser versetzte, dass er ein Frauenzimmer bemerke, welches er früher sehr wohl gekannt habe.
"Ach, unsre herkulanische Tänzerin und junge gnädige Frau dort", sagte der Prinz, der nun erst auf den Zug aufmerksam wurde. "Ja, ich erinnre mich, von Ihrer Mentorschaft gehört und herzlich darüber gelacht zu haben. Nun, Ihre Erziehungsplane sind nicht geglückt, anstatt eines Kunstprodukts hat natur das wundersamste, entzückendste geschöpf ausgebildet. Ich behaupte, wer sie tanzen gesehen, kann nie wieder ganz unglücklich werden. Wäre ich ein Freund von Paradoxen, so würde ich sagen: Sie tanzt geschichte, Fabel, Religion, ihre begeisterten Wendungen und Stellungen weihen uns in die geheimsten Dinge ein. Unter uns muss ich Ihnen gestehen, dass jenes Märchen, mit welchem ich in Medons haus so viel Glück machte, nur der schwache Nachhall einer Pantomime war, durch die sie an einem unvergesslichen Mondabende meine Sinne ausser Fassung gesetzt hatte!"
"Verzeihen Sie meinem Erstaunen, gnädigster Prinz", rief Hermann, "wenn ich unbescheiden werde, und mir eine Frage erlaube! Sie sprachen das Wort: Frau, aus. In welcher Verbindung steht dasselbe hier?"
Der Prinz lachte und versetzte: "In der natürlichsten von der Welt. Der närrische Domherr, mit dem wir manchen Scherz getrieben haben, entführte sie, um sie, es koste, was es wolle, zu seiner Frau zu machen, von der abgeschmacktesten Teorie beherrscht, die ihm ein Schalk in den Kopf gesetzt hatte. Die Heirat kam wirklich in reissender Schnelligkeit zustande, und kurz darauf starb der Domherr, völlig beruhigt, wie man sagt, über seine Fortdauer nach dem tod. Das junge Witwenkind lebt nun, wenn sie nicht, wie jetzt, zu kurzem Besuche nach der Stadt kommt, auf der Villa ihres Eheherrn, wo sich die albernsten Verhältnisse angesponnen haben."
Er verbeugte sich gegen Hermann, und ging zu Flämmchen, die ihn mit zierlicher Begrüssung empfing. Der Prinz deutete nach Hermann hinüber, Flämmchen erblickte diesen, und die hellste Freude loderte über ihr Antlitz. Er, etwas Auffallendes an diesem öffentlichen Orte besorgend, trat rasch durch eine Kommunikationstüre in einen Vorraum zurück. Die Treppe hinuntergehend, flüchtete er sich zu den Antiken und Vasen, welche man in den Gemächern des Erdgeschosses aufgestellt hatte. Hier war es menschenleer. Er schritt hin und her und überlegte, wie und wo er seinen ehemaligen Schützling am besten sprechen möchte, als aus einem Seitenkabinette Flämmchen hereinflog. Mit dem Rufe: "Liebster! Bester! Einziger!" hing sie ihm am Halse und die leidenschaftlichsten Küsse brannten auf seinen Lippen.
"Habe ich dich endlich wieder!" rief sie, indem sie ihm Augen und Stirn küsste. "Nun aber werde ich dich nicht lassen, nun sollst du mein werden, sie mögen tun, was sie wollen."
Hermann war in grosser Verlegenheit, jeden Augenblick fürchtete er, Zeugen dieser befremdlichen Szene eintreten zu sehen. Er suchte sich ihren Armen zu entwinden; sie hielt ihn aber fest, und rief: "Sei doch nur auf diese wenigen Augenblicke mein Freund, mein Geliebter, nicht lange wird die Wonne dauern, das abgeschmackte Volk oben, dem ich davongelaufen bin, wird bald kommen, mich zu suchen. Lass deine arme Flamme die kurze Zeit an dir glühen; ach, du weisst es freilich nicht, wie einem Mädchen zumute ist, die nicht an Gott und Teufel, nicht an Himmel und Hölle, sondern nur an ihren Liebsten, an das süsse Fleisch und Blut glaubt! Siehst du, ich bin erwachsen, ich spreche im Zusammenhange, das rührt daher, weil ich kein Kind mehr bin."
"Beruhige dich, mein Flämmchen", sagte Hermann, "erzähle mir ordentlich, wie es dir gegangen ist, ich hörte Dinge, die mir unglaublich vorkamen."
"etwa, dass ich Witwe bin?" versetzte sie, überlaut lachend. "Ja, ich bin eine, und müsste eigentlich Schwarz tragen, denn der Domherr ist erst seit sechs Wochen tot, aber ich traure in Rot und Gelb, wie die Bäume, wenn die Blätter abfallen. Setze dich in den Grossvaterstuhl, frage, und ich will Antwort geben."
Sie drückte ihn in einen antiken Lehnsessel, hockte sich vor ihm nieder, und lehnte ihr Haupt an sein Knie. "Wie hat sich deine Heirat so rasch gemacht? Wer