, ist alles keusch und sittsam geworden. Es scheint, dass in ihrer Nähe nichts Unreines den Mut hat, sich hervorzuwagen."
Er machte sich von der Alten, die gern noch fortgeschwatzt hätte, los, und brachte einige Stunden des Nachmittags für sich zu, um seinen Entschluss in Ruhe vorzubereiten. Aber ein solches Abwarten bringt den entgegengesetzten Erfolg hervor; er wurde nur immer unruhiger und betrat gegen Abend mit starkem Herzklopfen das Blumengärtchen, welches sich Cornelie neben dem haus angelegt hatte, und worin er sie ihre Pfleglinge begiessen sah.
Doch nahm er sich zusammen, trat zu ihr, ergriff die Giesskanne, und tränkte die Pflanzen. Nachdem dies geschehen war, wobei ihm Cornelie lächelnd zugesehen hatte, fasste er sanft ihre Hand, und sagte: "Du weisst, geliebte Cornelie, warum ich gekommen bin."
"Ich kann es mir denken", versetzte sie leicht errötend. "Und da du nun hier bist, so wollen wir die Sache auch recht klar besprechen."
Sie gingen zusammen nach einer Laube und setzten sich. Noch hielt er ihre Hand, die sie ihm ohne Widerstreben liess. "Du hast mir nicht geschrieben!" rief er. "Aber alles ist vergeben. Das Gedächtnis dieser lieblichen Stunden, die ich heute mit dir verleben durfte, löscht jede bittere Rückerinnerung aus. Ich habe es durchgedacht und durchgefühlt, Cornelie, nur deine süsse Unschuld, deine holde Stetigkeit kann mich dem Leben gewinnen, meinem Dasein die Grundlagen geben, ohne welche es doch sonst früh oder spät versinken wird. Ich wiederhole die Frage und die Bitte, die ich an jenem stürmischen Morgen tat, ich wiederhole sie heute mit voller Ruhe und Sicherheit des Gemüts. Willst du die Meine sein? – Der Oheim wird einwilligen, wenn er unsern Ernst sieht; sein Sinn hat sich gewendet, er ist mir nicht mehr unfreundlich."
"Ich habe dich angehört, nun höre auch du mich an", versetzte Cornelie mit niedergeschlagnen Augen. "Dass ich mich nicht gegen dich verstellen kann, weisst du, und mein Herz kennst du. Ich denke an dich, wo ich bin und weile, das war seit der Nacht im wald so bei mir entschieden, und mit Freuden ginge ich für dich in den Tod. Es wäre mir auch kein grösseres Glück auf der Welt, als wenn ich dich so täglich einige Stunden sähe, oder wenn das nicht anginge, so wäre ich schon zufrieden, wenn du nur abends im letzten Strahle der Sonne auf die Spitze des Hügels dort trätest, der so grün in das Tal schaut, und ich dann dein Bild von fern in mir empfinge, und es still mit mir zur Ruhe nähme. Sieh, so ist es mit mir. Deinen Wunsch erfülle ich nicht, das ist auch beschlossen."
"Um Gottes willen", rief Hermann bestürzt, und sprang auf, "was ist das?"
"bleibe ruhig, Lieber", sagte Cornelie. "Wie übel wäre es, wenn wir jetzt uns nicht zu finden wüssten. Du fragst mich, was das sei, was zwischen dir und mir so hindernd steht? ich weiss es selbst nicht. Wie gern möchte ich, dass es anders wäre, aber kann ich dafür, dass es nun einmal so ist? Die Tage, welche deiner heftigen Erklärung im haus des Rektors folgten, waren schrecklich, ich hatte nie geglaubt, dass ich solche Schmerzen je würde zu ertragen haben. Ich war dumpf, und wie zerstückt in mir, wüstes Wunderliches bedeckte meine ganze Seele, ich hatte beinahe einen Hass gegen dich, und empfand Ekel vor mir selber. nachher klärte sich alles, ich wurde ruhig, mein Gefühl für dich schied sich recht lieblich aus diesem Wust, aber neben demselben stand auch ganz fest der Widerwille gegen eine Verbindung mit dir, und dieser ist durch nichts vermindert worden."
"Sollte man nicht glauben, ein bleichsüchtiges, krankes Mädchen aus der Stadt zu vernehmen?" murmelte Hermann dumpf vor sich hin. "Eine von denen, die verzärtelt und überbildet, nur noch in Überspannungen und künstlichen Nöten einen gemachten Halt für ihr Wesen gewinnen?"
"Wie du mich kränkst", sagte Cornelie leise. "Kaum verstehe ich, was du meinst, aber recht hart muss es sein."
"Cornelie!" rief er überlaut, indem der gewaltsamste Schmerz Ströme von Tränen aus seinen Augen trieb, "ändre dein Wort, sage mir etwas Gutes, liebes!"
"Ach, was hülfe es dir, wenn ich dich und mich betröge", versetzte sie, auch weinend, und drückte seine Hand mit der zärtlichsten Gebärde gegen ihre Brust.
"Du beharrst bei deinem Entschlusse?"
"O, dass ich dein Herz quälen muss!" rief sie, indem sie aufstand, und nach dem haus ging. Er machte eine Bewegung, ihr zu folgen, sie winkte, dass er es unterlassen solle. Er schlug die hände vor das Gesicht, und blieb eine Weile in dieser Stellung. Als er wieder aufsah, war er allein. Er riss eine Blume vom Stengel und warf sie wild weg. Die Sonne schickte ihre letzten glühenden Lichter über die Hügel; er blickte starr hinein, bis er es vor Schmerz nicht mehr ertragen konnte. Geblendet, taumelnd machte er sich auf den Weg, der zu den Hügeln führte. "So muss dieser Tag enden, so!" rief