brach durch die Schale. Anfangs war sie noch einigermassen in den Grenzen erträglicher Grösse, aber mit Sturmeseile wuchs sie, wahrscheinlich durch die einströmende atmosphärische Luft geschwellt, ins Ungeheure, so dass der Erde vor dieser Geburt angst und bange wurde. Doch fasste sie sich und sagte: "Gesell, du wirst nicht vergessen, wer deine Stärke also gepflegt? Komm, sei mein Freund." – "Was Freund?" fuhr sie der feurige Recke an, "ich habe nicht Zeit zur Empfindsamkeit, meine Bahn geht selbständig durch die unermesslichen Räume." Und damit schoss er fort, der Undankbare, und ward der erste Fixstern. Seinem Beispiele folgten die andern Geburten, die nun bald nacheinander kamen, sie wollten alle nichts von Häuslichkeit und gemütlichem Zusammenleben wissen, vielmehr eigne Fortüne droben im Blauen machen, was ihnen denn auch gelungen sein muss, wie der gestirnte Himmel besagt.
Nur ein Flüchtling, eine schöne üppige person von lebhaftem Temperament, bereute den Undank, als sie ein paar Millionen Meilen weit fortgerannt war, hielt inne in ihrem wüsten Laufe, und ward feuerrot vor Scham. Sie sieht sich noch immer von Zeit zu Zeit nach dem verlassnen Neste um, und das Erröten dauert auch noch fort, welches uns sehr zustatten kommt, denn wenn die Sonne sich nicht so schämte, und uns dadurch nicht mit einheizte, wären wir alle längst erfroren, weil die Dinge bald eine betrübte Gestalt annahmen, wie ich gleich erzählen werde.
Zuerst schüttete die Erde, in ihren Hoffnungen so schmerzlich getäuscht, einige noch nicht ausgekommne Eier zornig über Bord. Sie fielen eine geraume Zeit unaufhaltsam in die Tiefe, endlich stiessen sie doch irgendwo an eine scharfe Weltecke, die Schalen zerbrachen, und die unreifen Geburten taumelten heraus. Diese haben nun ein Leben und haben keins, im halbwachen Traume schiessen sie dahin und dortin, ziehen einen feurigen Schweif von allerhand Eulenspiegeleien hinter sich her, und sind mit einem Worte unglückselige Kometen, auf die am ganzen Sternenhimmel kein Verlass und Glaube ist.
Doch, was gehen uns die Kometen an? Auf der Erde entstanden ganz andre Folgen der misslungnen freundlichen Absicht. Zuvörderst zog sie sich aus der offnen Nestgestalt in die abgeplattete Kugelform zusammen, welcher nur bis auf eine geringe Tiefe etwas anzuhaben ist. Sodann schlug sich in ihren Eingeweiden durch einen heftigen Gallenerguss Proteus, der Metallkönig, nieder, der also eigentlich der kristallisierte Verdruss der Erde ist, und bei allen nachfolgenden Händeln eine grosse Rolle spielt. Darauf, um ihr einigen Ersatz zu geben, geschah die Schöpfung in sechs Tagen mit Kräutern und Bäumen, Fischen, Vögeln, vierfüssigem Getier und endlich dem Menschen. Die Erde tröstete sich wohl, als sie das alles auf sich grünen und blühen, krabbeln und zappeln sah, aber dann war's ihr doch wieder nicht recht, und sie sprach alle Tage unzählige Male zu sich selbst: "Das tut's doch alles nicht." Und sooft sie das für sich sagt, stirbt oder verdorrt etwas.
Proteus aber, der Metallkönig, der alte Verdruss, drängt sich unaufhaltsam an das Tageslicht. Denn es ist nicht wahr, dass die Menschen ihn suchen, und dass er gern in seinen dunklen Kammern bliebe; nein, er blickt und lockt nach ihnen aus dem Finstern, und wenn er ihnen nicht anders beizukommen vermag, so sucht er ihre Träume heim. Dann müssen sie, von Unruhe gepeinigt, die Erde aufreissen und ihr Elend herauffördern. Denn wenn er oben ist, so ergreifen den alten Griesgram kindische Launen; er kann es nicht leiden, in zerstückten Gliedern sich durch die Welt zu breiten, er will immer beisammen sein. Aus dieser sehnsucht des Metalls nach sich entstehen dann alle Plagen, welche das unglückliche Menschengeschlecht heimsuchen: Krieg, Eigennutz, Dieberei, Raub. Denn so strebt z.B. der aufgespeicherte Vorrat an Schwertern, Gewehren und Kanonen in den Zeughäusern des einen Landes nach seinesgleichen in dem andern, das Eisen reizt durch geheime Einflüsse den Arm des Menschen so lange, bis dieser sich zu seinem Dienste darbietet, und es mit grossem Getöse aus dem Verschlusse hervorholt. Dann heisst es, die und die Nation habe der andern den Krieg erklärt. Nun ziehen die Heere, oder vielmehr die verstreuten Glieder des Proteus einander entgegen. Endlich treffen sie sich, und es gibt ein frohes Wiedersehn und Umarmen, bei welchem die dazwischen befindlichen Menschen übel wegkommen; das nennen sie dann eine Schlacht, und meinen, sie wären es, die selbige geschlagen, während doch nur Eisen und Stahl sich lebhaft begrüssten, und die Schlünde des Erzes einander feurige Küsse zuwarfen.
Ebenso geht es mit Silber und Gold. Wo dessen eine Menge vorhanden ist, da regt sich in ihm die Lust, mit einem Schatze, der anderswo liegt, verbunden zu sein. Die bösen roten und weissen Zauberaugen schauen nach Händen um, welche den Gefallen ihnen täten, der Wucherer und Betrüger, den sie erblicken, wird von ihnen bestrickt, er muss daran, und mit allerhand schlimmen Künsten die getrennten Horte zusammenbringen. Er meint, den Mammon zu haben, und der Mammon hat ihn. Aber über den Redlichen ist diesem die Gewalt versagt, daher der auch für die Vereinigung der Metalle nichts tut, den Proteus, wenn dieser sich aus Irrtum einmal zwischen seine Finger verirrte, sogleich wieder aus denselben fallen lässt, mit andern Worten zeitlebens arm bleibt.
Also geht es zu in der Welt; das wissen wir alle