hat das Wort die Welt verfitzt, gesunde Knochen und tüchtige Fäuste sollen ihr wieder zum Besinnen verhelfen. Also Bruder Schreiber und Schriftwart, lies kurz und gut die Frage des Tages ab. Dann stimmt, und hernach streife jeder den Arm auf, gürte seine Lenden, und tue, was der Beschluss ihm auflegt!"
Der Sekretär las aus den sogenannten Akten: "Der dritte Bundestag hat die Königs- und Fürstenfrage zur Entscheidung des vierten gestellt. Die heute versammelten Kreise und Stände des Reichs, welches da kommen soll, haben folglich darüber abzustimmen: Sollen die Könige und Fürsten alle ohne Ausnahme niedergemacht werden, oder kann man in betreff einiger und welcher? mildere Entschliessung eintreten lassen?"
"La mort sans phrase!" riefen die Belgier hastig.
"Burgundier", versetzte der Präses, "es steht noch nicht einmal fest, ob wir euch zum Reiche nehmen, oder euch nicht lieber den Pariser Wölfen überlassen. Wollt ihr aber mit uns tagen, so redet die Sprache Teuts, und nicht die der Welschen und Franschen."
"Ich lasse meinen König nicht umbringen"; sagte der aus Obersachsen. "Ich habe eine Freistelle auf der Fürstenschule gehabt, er heisst Friedrich August der Gerechte; was kann er dafür, dass er ein König ist."
"Alle ohne Ausnahme abgemuckt!" riefen die Franken. Niedersachsen stand zu Obersachsen; die Debatte wurde stürmisch. Einige Schwaben und einige Westfalen suchten vergeblich einander deutlich zu werden. Ein Kreis verstand den andern nicht.
Der Präses klopfte auf den Tisch, und redete, nachdem alles still geworden war, so: "Zankt euch nicht! Durch Span und Zwist sind die Reiche verfallen, das hat Rom und Griechenland gestürzt, soll auch unsre Stärke dadurch schwach werden? Ich meinesteils bin für Mässigung. Furchtbar ist ein Volk, welches sich im Glücke zu fassen weiss. Wir haben die Oberhand, lasst sie uns nicht missbrauchen. Ich schlage eine Sondrung vor. Die bis zur Leipziger Schlacht teutscher Sache noch nicht beigetreten waren, sollen sterben, und denen, die vor diesem Zeitpunkte ihre Pflicht erfüllt haben, geben wir Pension, oder Leibzucht, vaterländischer zu reden. Auf diese Weise sind wir zugleich gerecht und milde."
Über diesen Vorschlag entstand ein hitziger Streit, bei welchem die äusserste Rechte und die äusserste Linke einander beinahe zu Kragen geraten wären. Endlich siegte die gemässigte Mitte, die Mehrheit nahm den Vorschlag an, und der Mecklenburger entwarf sogleich die Pensionssätze, wobei der für den grössten Fürsten von Norddeutschland mit besondrer Rücksicht auf dessen Verdienste und Schicksale bis zu achtundert Talern jährlich anstieg, obgleich die gewöhnliche Pension eines Königs nicht mehr als fünfhundert betragen sollte.
Während man noch mit der Festsetzung dieser Angelegenheit beschäftigt war, sagte ein Franke: "Ihr habt einen Hauptpunkt vergessen. Was soll mit den dirigierenden Bürgermeistern der freien und Hansestädte werden?"
Es entstand eine Pause allgemeinen Nachdenkens. "Dass auch in den sogenannten freien Städten keine Freiheit weilt, dass dort die Gewalt oft noch verderbter ist, als in den Fürstentümern, kann niemand leugnen", sagte endlich der Präses. "Wo wird man mehr mit dem Pass geschoren, als in Frankfurt? Wo ist teurer leben, als in Hamburg? Aber dein Bedenken ist ganz richtig, Bruder. Wenn wir auch die Bürgermeister hinwegräumen, so bleiben ja immer noch die Senate übrig, fünfzig Mann in jeder Stadt, die zur Zwingherrschaft berechtigt, ja auch daran beteiligt sind."
Die Burgundier rieten zur Abschlachtung der gesamten Senate, welcher Gedanke jedoch als zu blutdürstig von den eigentlich deutschen Kreisen einstimmig verworfen wurde. Man sprach von Kerker, eidlichem Verzicht und dergleichen, fand aber diese Mittel alle zu ungenügend. Zuletzt rief ein Schwabe: "Brüder! Eine nach der andern frisst der Bau'r die Würst'. Lasst uns die Könige und Fürsten erst einmal auf'm Kraut haben, unterweil fällt uns vielleicht wegen der Bürgermeister etwas ein."
Alles lachte über den Schwaben, konnte aber gleichwohl keinen besseren Rat ersinnen, denn er. Wer weiss, wie lange dieses Nachdenken noch fortgesetzt worden wäre, wenn nicht Hermann, der dem Wahnsinne nicht länger zuzuhören vermochte, eine Doppelpistole, welche er in der Stadt erhandelt, herausgezogen und sie vor den Studenten langsam scharf geladen hätte? "Was soll das?" fragten einige.
"Der Männerbund führt nur Schiessgewehr", versetzte Hermann kalt. Er spannte den Hahn und hielt die Pistole vor sich hin. Dann sagte er: "Der erste, welcher mir zu nahe kommt, wird totgeschossen. Ihr albernen Toren, ihr verblendeten Jünglinge! Ein schlimmes Übel erfordert bittre Arzneien. Indem ich euch zu heilen unternehme, sage ich daher, dass ich nicht weiss, ob ich über eure Schlechtigkeit zürnen, oder über eure Dummheit lachen soll. Ihr beruft euch, irregeführt von euren Verleitern immer auf das Altertum; ahmt demselben nach und erinnert euch zuerst daran, dass zu jenen zeiten die Jungen nicht mitsprechen durften; in Sparta musste einer dreissig Jahre alt sein, wenn er den Mund über Staatsangelegenheiten auftun wollte. Ihr Unsinnigen, die ihr euch herausnehmt, Könige und Fürsten absetzen, pensionieren, ja erdolchen zu wollen, weil sie, wie ihr wähnt, ihrer Würde nicht vorzustehen wissen, und die ihr selbst noch nicht den allerkleinsten und abgeleitetsten teil dieser Würde zu bekleiden vermöchtet! Geht in euch, lernt eure Hefte, singt Trink- und Burschenlieder, geniesst die schöne Jugend, und