Haltet inne, der Herzog kommt!"
Dies wirkte. Sogleich hörte die Schlägerei auf. Die Wirtin sprang vom Fenster und pustete, die Kammerjungfer stellte sich vor den Spiegel, brachte ihre Flechten in Ordnung und keuchte, der Wirt liess den Stuhl los und spuckte, der Reitknecht raffte sich auf, und schüttelte sich am ganzen leib, wie ein durchnässter Pudel.
Hermann erklärte darauf dieser pustenden, keuchenden, und sich schüttelnden Versammlung, dass es des ganzen Krieges nicht bedurft habe, und dass er lieber im Freien zubringen, als jemandem sein Zimmer nehmen wolle. Der Reitknecht sah die Jungfer verdriesslich an, und sagte: "Auf ein andermal lasse Sie einen mit Ihren Dummheiten ungeschoren." Den armen Kerl schmerzten seine Beulen, er ging, sich mit Branntwein zu waschen. Hermann wollte auch hinaus. Aber der Wirt, der seine Schläge umsonst empfangen zu haben, nicht begehrte, hielt
ihn zurück, und erklärte rund und nett, die Jungfer solle nun durchaus ihren Willen nicht haben, die stube sei ihm zugeteilt, und dabei habe es sein Bewenden. Auf dieses Manifest machte die Jungfer ein grimmiges Gesicht. Hermann fürchtete den Wiederausbruch der Feindseligkeiten, und um nur die Sache vorderhand beizulegen, schlug er vor, die stube zwischen ihm und ihr zu teilen; ob der Wirt nicht ein Saattuch oder sonst etwas habe, womit man die beiden Hälften abscheiden könne? Wirklich erinnerte sich jener eines alten riesigen Krankenschirms. Dieser wurde herbeigeholt, aufgestellt, und schied das Zimmer in zwei gleiche Teile. Hermann überliess der Jungfer das Kabinett rechts, und zog links vom Schirm ein. Zuerst hatte sich ihr Zartgefühl gegen einen solchen Vorschlag gesträubt, endlich war sie durch wiederholte feierliche Versichrungen Hermanns, dass er jede ersinnliche Rücksicht auf ihre Nähe nehmen werde, beschwichtigt worden.
Beim Hinausgehen fragte der Wirt seine Gattin mit dem Ausdrucke einer stillen Trauer, ob denn ihre Nachricht von vorher richtig sei, und der Herr sich an ihrem leib noch mächtig erwiesen habe? Die Frau versetzte, er solle doch nicht so töricht sein, sie sei ja weit über die Jahre hinaus. Das war denn doch eine Freude nach manchem Leid, denn der Wirt hatte Kinder genug, und verlangte nicht nach mehreren.
Nun schien Ruhe und Frieden links und rechts des Schirmes eingekehrt zu sein. Die Jungfer nähte, und Hermann hatte sich auf das Bett gelegt, welches in seiner Hälfte stand. Er suchte seine Gedanken zu ordnen, und sich in den mannigfaltigen Zufällen dieses Tages zurechtzufinden. "Ich muss wohl der Mann des Schicksals sein", rief er, "da um meinetwillen ohne Not Unheil und Katzbalgerei entsteht!" – Ermüdet, wie er war, von Wandern und Hitze, versank er bald in Schlummer. Die Kammerjungfer drüben wurde auch des Nähens überdrüssig, legte sich mit dem Kopf auf den Tisch, und nickte ein.
Aber Eris schlief nicht, und brauchte diesmal statt des Apfels einen Hund, um die Eintracht zu stören. Ein Newfoundländer von der grössten und zottigsten Art, den ein Gast mitgebracht hatte, ging, nach Wurstschalen und andern Leckerbissen umherschnoppernd, durch das Haus. Er kam auch zu Nummer Vier, fand die Tür nur angelehnt, und schob sich sacht hinein. Die Hunde wissen auf der Stelle, wer ihr Freund ist. Dieser sah dem schlafenden Hermann so eine Art von Sympatie an. Er setzte sich vor dem Bette nieder, beroch die niederhängende Hand des Schlummernden, leckte dann an derselben, und setzte dieses Spiel eine Weile fort. Hermann, der bald die kalte Nase, bald die warme Zunge des Tiers an seiner Hand hatte, wachte von dieser Abwechslung auf. Der Instinkt des Hundes war richtig gewesen, Hermann hielt wirklich gute Freundschaft mit allen lebendigen schönen Geschöpfen. Er freute sich des mächtigen Tiers, streichelte seinen Kopf und rücken, so dass der Hund vor Vergnügen zu gähnen anfing. Hermann ballte das Schnupftuch zusammen, der Hund apportierte lustig. Ihn ergötzten die gewaltigen Sprünge des Newfoundländers, er wiederholte den Zeitvertreib und warf das Tuch nach dem Schirme zu. Der zottige Gesell sprang mit seiner ganzen Stärke gegen den Schirm, dessen Bespannung, alt, mürbe und kaum noch in den Nägeln hangend, einem solchen Stosse nicht zu widerstehn vermochte. Ein grosser Fetzen riss aus, der Hund fuhr hindurch, und in das Gebiet der Kammerjungfer; Hermann hörte den Hund bellen und die Jungfer schrein.
Diese war durch das Getöse, welches der Köter machte, längst erweckt worden. Tapfer gegen ihresgleichen, war sie überaus furchtsam, wenn sie nur eine Spinne oder Kröte sah. Und nun gar eine Newfoundländer Dogge! Sie floh vor der erregten Bestie in eine Ecke, warf sich dort nieder, und brachte, wie der Vogel Strauss, ihren Kopf in Sicherheit, alles übrige preisgebend. Der Hund sprang ihr lustig nach, und mit den Vorderfüssen auf beide Hüften. So stand er halb auf der Jungfer und bellte aus Leibeskräften, ohne etwas Arges im Schilde zu führen. Die Sache schien ihn vielmehr ausnehmend zu belustigen, und er wurde immer vergnügter, je heftiger die Jungfer kreischte. Vergebens rief ihn Hermann durch das ganze Register der ihm bekannten Hundenamen.
Indessen war der bedrängten Jungfer bereits ein Retter erschienen und zwar in der person des verständigen Wirts, welchen der abermalige Lärmen in der verhängnisvollen Nummer Vier wieder herbeigezogen hatte. Um gutzumachen, was er an der Jungfer verbrochen, fasste er den Beller am Schweif, ihn von ihrem rücken herabzureissen. Der Hund