Volkslustbarkeiten umgesehn, dann war er nach dem schloss zurückgeeilt, um die Erleuchtungsanstalten um dasselbe zu ordnen. Er meinte hierauf, sich von dem Getöse etwas zurückziehn zu dürfen, und ging durch einen abgelegnen teil des Parks, um seine Sinne zu beruhigen. Auf einmal war es ihm, als höre er ein Geschrei, und als er noch horchte, um sich dessen zu vergewissern, kam schon etwas quer durch die Büsche, die einen Hügel dort bekleideten, herabgestürzt. Es war der Amtmann. Zitternd, entsetzt, rief er: "Mord! Mord!" und rannte über den Weg durch das Strauchwerk weiter.
Mit der Schnelligkeit des Blitzes drang Hermann durch die Büsche die Anhöhe hinauf. Oben ward ihm ein schrecklicher Anblick. Sein Oheim stand bebend, an einem Baume sich haltend, furchtsam weggekrümmt; einige Schritte von ihm der alte Erich, die weissen Haare wie Borsten emporgesträubt, die Büchse im Anschlage haltend. Mechanisch warf sich Hermann zwischen seinen Oheim und den wütenden Greis. "Lass ab!" rief er. Der Alte schien durch Hermanns Entschlossenheit ausser Fassung zu geraten, liess die Büchse sinken und schlug sich vor die Stirne.
"Unglücklicher, was wolltest du tun!" sagte Hermann, schritt beherzt auf den Alten zu und nahm ihm, ohne Widerstand zu finden, das tödliche Gewehr ab.
"Das Haus meines Herrn beschützen", versetzte dumpf und kalt Erich. "Sie sollen nicht sitzen, wo meine Herrn gesessen haben."
Es kamen Menschen. Der Amtmann war es und der Gerichtshalter mit seinen Dienern. "Da steht der Mörder!" rief der Amtmann überlaut. "Assassinat!" sagte der Gerichtshalter. "Ergreift ihn und bringt ihn in das Gefängnis. Einer aber gehe sofort und zeige es Seiner Durchlaucht an." – "Halt!" rief Hermann. "Tun Sie, was Ihres Amts ist, aber niemand soll heute abend von diesem Vorfalle etwas erfahren; am wenigsten der Herzog. Das fest darf nicht gestört werden, und ich mache Sie dafür verantwortlich, dass Ihre Leute schweigen."
"Mein Herr", versetzte der Gerichtshalter, und warf sich in die Brust, "wer gibt Ihnen das Recht, mir Befehle zu erteilen?"
"Sie gehorchen!" sagte Hermann fest. Der Alte sah ihn an, erhob die stimme und rief: "Zanke nicht mit einem Gewaltigen, dass du ihm nicht in die hände fallest. Viele Tyrannen haben müssen herunter, und ist dem die Krone aufgesetzt worden, auf den man nicht gedacht hätte."
Der Gerichtshalter, welcher von natur verlegen und ängstlich war, bedachte sich einige Augenblicke, dann sagte er zu seinen Leuten: "Es mag so geschehn. Führt ihn auf Umwegen, wo niemand ihn sieht, nach dem Gefängnis, und keiner rede von der Sache."
Als der Alte abgeführt worden war, wandte sich Hermann zu seinem Oheim, der sich kaum auf den Füssen halten konnte. Er verlangte nach dem Gastofe, schweigend führte ihn der Neffe dortin. Er erkundigte sich mit Schonung nach dem Hergange; der Oheim wusste ihm aber weiter nichts zu sagen, als dass jener Unselige, der ihnen nachgeschlichen sein müsse, plötzlich hinter den Bäumen, das Mordgewehr auf ihn gerichtet, hervorgetreten sei, ihn mit furchtbaren Drohworten aus den Propheten anfahrend. Der Amtmann habe gleich die Flucht ergriffen, und ihn dem Grimme des Alten überlassen.
Er liess Postpferde bestellen. Hermann suchte alles mögliche auf, ihn von dem Entschlusse zu einer nächtlichen Reise nach solcher Alteration abzubringen, und führte ihm endlich den Plan, mit dem er hieher gekommen, in die Erinnerung zurück. "Das ist vorbei", sagte der Oheim. "Fernerhin soll zwischen mir und dieser Mördergrube nur von Recht und Gerechtigkeit die Rede sein."
Als Hermann bestürzt seinen Verwandten in den Wagen gehoben hatte, ging er nach der wohnung des Gerichtshalters, bei welcher sich auch die Gefängnisse befanden. Er erhielt Einlass in den Kerker des alten Erich, konnte aber mit diesem nichts beginnen, denn der Alte war, als habe er nichts begangen, fest eingeschlafen. Der Gerichtshalter erzählte aus einem kurzen Verhöre, welches er sogleich mit ihm angestellt, folgendes: Er sei dem Amtmann und dem Kommerzienrate nachgegangen, ohne zu wissen, warum? habe ein abscheuliches Gespräch zwischen beiden belauscht und dann gesehen, wie der Kommerzienrat sich auf den Hügel gestellt, die arme ausstreckend, und andeutend, wie und wo er niederreissen, zerstören und bauen lassen wolle, wenn er hier Herr werde. Da sei ihm jener wie der Teufel vorgekommen, der die Hand zum Verderben über eine ganze Gegend ausrekke, und er habe es für nichts Böses gehalten, den Teufel totzuschiessen.
Hermann sagte zu dem Gerichtshalter, dass er es übernehme, den Herzog von diesen finstern Dingen zu benachrichtigen, und gebot ihm, den Alten mit Schonung zu behandeln. Er eilte nach dem schloss, sehr in Sorgen, dass doch eine Kunde bis dahin dringen werde.
Es war völlig Nacht geworden. In den Alleen um das Schloss waren alle Lampen angezündet worden, welche, farbig, ein magisches Regenbogenlicht umherstreuten. Vor dem Portale brannten mächtige Pechpfannen, alle Fenster waren hell erleuchtet, aus dem inneren erscholl die rauschende Tanzmusik. Er schritt, geblendet von dem Glanze, die Treppen hinauf, und stellte sich an den Eingang des Saals. In dem Lichte der Lustres und Kronleuchter bewegten sich die glänzenden und bunten Gestalten, für deren