Seite schwirrten Pfeile nach dem Vogel, auf der andern flogen Kugeln nach der Scheibe.
Besonders tat sich der alte Erich mit der Büchse hervor. Er schoss fast jedesmal ins Schwarze, und hatte schon manchen schönen Preis erbeutet. "Wenn Ihr so fortfahrt, wird für uns nicht viel übrigbleiben", sagte ein Schütze zu ihm. "Der Hauptschuss steckt noch im Laufe", versetzte der Alte.
"Trinkt nur nicht so viel", sagte der andre zu ihm. "Bedenkt Euer Alter. Ihr habt schon zweimal soviel zu Euch genommen, als wir."
"Meine Seele dürstet nach Kraft wider die Ungerechten!" rief Erich und leerte einen ganzen Krug des Getränks, welches an den Schiessstätten in reichem Masse aufgefahren war. Die Augen des Alten glühten, seine Finger bewegten sich unsicher; gern hätte man ihm das Gewehr weggenommen, wenn dies in seinem Zustande nicht noch gefährlicher gewesen wäre.
"Es ist nur zu verwundern, dass er in der Beschaffenheit so gut trifft", sagten einige der Umstehenden. "Er muss es mit jemand haben", sprachen andre, "denn er murmelt beständig von dem Fürsten der Finsternis, den er vertilgen wolle. Ist er von einem beleidigt worden?"
Der Herzog erschien mit seiner Gemahlin. Eine Menge der reichgeputzten Gäste hatte sich schon vorher eingefunden und unter die Volksgruppen gemischt, deren Lust immer stürmischer emporloderte. Junge Herrn setzten sich zu den schmucken Bauermädchen in die Schaukeln; die Herzogin war, begleitet von einigen Edeldamen, nach der Bretterbude gegangen, und hatte dort mit älteren Leuten aus dem dorf ein herablassendes Gespräch angeknüpft. Der Herzog stand bei den Büchsenschützen und besah ihre Gewehre, von denen mehrere sehr künstliche Stücke waren.
Auch der Oheim war gekommen und zu dem Schiessstande herangetreten. Der Amtmann machte sich um ihn zu tun, und bewies sich auch gegen ihn sehr demütig und vielgesprächig. "Wenn hier viel Geld vertan wird", sagte der Oheim mehr für sich, als zu seinem Begleiter, "so muss man gestehn, dass es wenigstens auf eine muntre Weise geschieht. Ich werde mich hüten müssen, dass diese Lust nicht mich, wie meinen Advokaten ansteckt."
"Wie schön werden diese Plätze sein", versetzte der Amtmann, "wenn erst überall hier der Nutzen herrscht. Schon sehe ich z.B. im geist auf jener Anhöhe das lange Trockengebäude mit Fachwerk errichtet, denn dicht daneben im grund steht das ergiebigste Torflager, welches Seine Durchlaucht nur nicht anbrechen lassen, weil Sie sich einbilden, der Gewinn ertrage die Kosten nicht."
"Lassen wir das", versetzte der Oheim. "Noch gehört dieses alles ihm, und ich gebe mir heute Mühe, zu vergessen, weshalb ich eigentlich hier bin." – "Tun Sie das nicht, wertester Herr Kommerzienrat", sagte der Amtmann. "Betrachten Sie immerhin, was Sie vor sich sehen, als das liebe Ihrige. Denn selbst wenn der alte Adelsbrief aufgefunden werden sollte, wozu kein Anschein, so würde es immer noch Mittel und Wege geben ..."
"Wie?" fragte der Oheim und zog den Amtmann beiseite. Gleich darauf gingen sie miteinander fort, einem Wege durch das Gebüsch zu.
"Ich möchte wohl durch jemand einen Schuss auch für mich tun lassen", sagte der Herzog an der andern Seite der Schiessstätte.
"Dessen ist niemand würdig", versetzte ein Schütze, "als der alte Erich. Der wird einen Meisterschuss, einen Herzogsschuss für Ew. Durchlaucht tun."
Man suchte nach dem Alten. Er war nicht zu finden. Man verwunderte sich; noch ganz vor kurzem hatte ihn jedermann hier gesehen. Ein Knabe sagte, er habe mit einem Fluche seine Büchse geladen und sei raschen Schritts unter die Menschen gegangen, wo er ihm aus dem gesicht gekommen sei.
Ein Walzer ertönte aus der Bude; die Herzogin liess ihren Gemahl bitten, dortin zu kommen. Ein ehrenfester Bursche wurde der Gnade teilhaftig, mit der Fürstin den Tanz zu eröffnen. Der Herzog machte mit einem hübschen flinken Mädchen die Runde. Auch einige der vornehmen Herren griffen da und dort zu. Demnächst nahm man mit guter Manier seinen Rückzug, um die Toilette für den Ball herzustellen, der nun sogleich im schloss beginnen sollte.
Unterwegs trat der Burgemeister den Herzog an und fragte ihn, ob er wohl erlauben wolle, dass auch seine bürgerlichen Gäste verkleidet erschienen? "Ich bedachte", sagte er, "als ich die geschmückten Herrn und Damen sah, wie kahl wir uns unter ihnen ausnehmen würden, und erinnerte mich, dass wir auf dem rataus noch mehrere Kisten voll Maskenzeug von dem Redoutenunternehmer stehen haben, der uns die Saalmiete schuldig geblieben ist. Diese habe ich holen lassen; das Zeug wird für die Männer vollständig hinreichen, und auch unsre Frauenzimmer werden genug Bänder, Flor, Schmelz, Blumen und Borten finden, um sich ein fremdes Ansehn zu geben."
Der Herzog erteilte mit Vergnügen seine Zustimmung. "Aber freilich", sagte der Burgemeister, "sind es nicht lauter Ritterkleider; es sind Schweizer, Türken, Polacken, Juden, Indianer, Gärtner und Zigeuner darunter."
"Je bunter, desto besser!" rief der Herzog. "Dieser Tag gehört der Freiheit und Freude. Eilen Sie, sich anzukleiden, wir wollen gleich anfangen, damit unsre jungen Damen und Herrn etwas vor sich bringen können."
Hermann hatte einen Augenblick sich unter den