." – "Bravo!" rief der Enterbte, schrieb und warf sein Täflein in die Urne.
Nachdem die Knaben den Umgang gemacht hatten, erhob der Herold wieder seine stimme und rief:
Die Lose ruhn verhüllt! Von Frauenhand
Wird nun in des Geschickes Dienst gezogen,
Und glücklich, die der zarte Finger fand!
Die andern doch sind auch nicht ganz betrogen.
Ob sie auch fern vom Tron des Festes blieben,
Ein Herz beherrschen sie; des, der sie
aufgeschrieben!
Diese Wendung fand allgemeinen Beifall. Man wiederholte sie lachend und scherzend; die anmutigsten Gesichter mussten die meisten Neckereien anhören. Ein alter lustiger Herr sagte: "Dies ist sonach die wahre Republik Polen, wo jeder, wenn er auch nicht zum Zepter gelangte, im stillen sich dazu berechtigt fühlte. Ich fürchte nur", setzte er lauter hinzu, "die Erwählte wird ein noch angefochtneres Regiment haben als jene Sarmatenkönige."
Der Edelknabe mit der Urne bog sein Knie vor der Herzogin. Sie wies ihn an die vornehmste Dame nach ihr, welche in ihrer Nähe sass. Diese, eine hohe, majestätische Gestalt, erhob sich, gebot, die Lose in der Urne umzuschütten, griff hinein, zog ein Täfelchen hervor, las und verwunderte sich. "Ich finde hier nur den Namen Cornelie aufgeschrieben", sagte sie zur Herzogin. "Wer ist diese Cornelie? Gebe Gott, dass nicht mehrere dieses Namens hier anwesend sind, sonst wird es eine schwierige Entscheidung geben."
Der Herold, welcher aufmerksam nach dem Namen hingehorcht hatte, fiel mit dem auf das Stichwort vorbereiteten Spruche ein: "Cornelie ist zur Königin der Minne und Schönheit erwählt worden. Ihr Edelfräulein, geleitet die Königin zum Trone!" Ein jauchzender Tusch der Trompeten und Pauken bekräftigte diesen Ruf.
Die vier jungen Mädchen, welche von der Herzogin zu Ehrendamen bestimmt worden waren, traten hinter ihr Tabouret, und sahen, der Anweisung bedürftig, auf sie. Ein Murmeln lief rings um die Tribünen, man fragte nach der ausgerufenen Dame, man überzeugte sich bald, dass sie nicht zur Stelle sei. Die Herzogin, das Täfelchen von der andern empfangend, spielte verlegen damit und befand sich in grausamer Unschlüssigkeit. Der Herzog nahm es ihr aus der Hand und sagte mit gehaltnem Tone, deutlich, dass seine Worte über den ganzen Platz hin vernommen wurden: "Da die Königin des Festes, wie es scheint, abwesend ist, so ersuche ich meine Gemahlin, ihre Stelle zu versehn. Vielleicht ist diese Gestalt der Wahl die richtigste, denn das Höchste soll uns ja eigentlich immer fern und unsichtbar bleiben. Ich erkläre hiemit im Namen der unbekannten Schönheit den Tron für besetzt, und bitte, das Spiel zu ihrer Ehre anfangen zu lassen."
Er legte das Täfelchen auf den Tron. Die Ehrenfräulein setzten sich auf Sessel an den Stufen desselben. Die Herzogin behielt ihren Platz, und blickte zerstreut vor sich hin. Auch ihm sah man an, dass er eine kleine Bewegung niederzukämpfen hatte.
Was Hermann betrifft, der von dem Vorfalle durch einen aufmerksamen Zuschauer unterrichtet worden war, so möchte es schwer sein, seine Stimmung genügend zu schildern. Es war ihm, als blicke er durch ein Kaleidoskop, worin sich unscheinbare Kleinigkeiten zu glänzenden Figuren verbinden. Diese deuten auf Gestalten der Wirklichkeit hin, und sind sie doch nicht.
Zwölftes Kapitel
Schon bei den Quadrillen, die zuerst abgeritten wurden, hatte sich die Aufmerksamkeit bald vorzugsweise dem Verlarvten zugewendet. So gut die übrigen, von tüchtigen Stallmeistern eingeübt, ihre Sachen in Schwenkungen und Volten machten; dem Verlarvten kam keiner gleich oder nur nahe. Das Staunen über seine Geschicklichkeit war um so grösser, als er dieselbe durch den Gegensatz noch zu heben wusste. Denn anfangs hatte er wie im Schlafe auf seinem Tiere gehangen und war nur so mitgezuckelt, hatte auch wohl zum Sattelknopf seine Zuflucht genommen, so dass schon mancher über den Ritter von der schneiderhaften Gestalt zu lachen begann. Auf so einmal aber rückte er sich zurecht, alle Muskeln schwollen von kräftigem Fleische, er ritt nicht mehr, er schwebte auf dem Gaule, seine Hand spielte mit dem Zügel, er führte die seltensten Kunststücke so edel-nachlässig aus, als seien sie eigentlich noch unter seiner Würde. Hierauf gefiel es ihm denn auch wohl wieder, zur grossen Erlustigung besonders der Leute aus dem volk, die unter den Bogen der Tribünen, hinter den Schranken zusahn, in den anfänglichen Schneidertrab zu verfallen, und so fesselte er die ganze Versammlung in lachen und Bewundrung an sich. Was das Merkwürdigste war, sein Tier, eine katzenartig gezeichnete, lange Schecke, die aus tückischen, leuchtenden Augen schaute, schien mit dem Herrn völlig eins zu sein. Wurde er über ihr zum Schneider, so wurde das Tier unter ihm zur Mähre, liess die Ohren hängen, senkte den Kopf, und tat, als ob es lahme. Sobald dagegen der Reiter er selbst sein wollte, tanzte es wie ein Hirsch, flog es wie ein Vogel.
Besonders entzückt über diese Künste war ein alter Landedelmann, der einen teil seiner Jugend in Grossbritannien zugebracht hatte, und alles Pferdewesen leidenschaftlich liebte. Dieser Mann hatte bis dahin seine Nachbarn mit der unaufhörlich wiederholten Erörtrung der Frage, was doch wohl aus ihnen allen hätte werden sollen, wenn die Schlagbäume nicht gehoben worden wären? gepeinigt, als die Freude über den Verlarvten jene Untersuchung niederschlug. Er lehnte sich mit beiden Armen auf die Brüstung, klatschte unmässig,