, welche vorangegangen waren, hatten die Stimmung erhöht und leidenschaftlicher gemacht. Von den Wagen flogen zärtliche Blicke nach manchem der schmucken Reiter. Das fest begann.
Eilftes Kapitel
Um den grossen, mit Sand reinlich belegten Platz liefen auf zierlichen Bogenstellungen die Sitzreihen für die Zuschauer von stand. Man hatte dem Holzwerke eine muntre Färbung, gelb und braun, gegeben, Behänge von rotem Tuch, mit goldnen Fransen gesäumt, deckten die Brüstungen. In der Mitte dieses Amphiteaters bezeichneten bessere Stoffe, ein Baldachin, und das grosse, im schwersten Zeuge gestickte Wappen des Herzogs den Ehrenplatz. Zu demselben bis dicht unter die Brüstung führten vom grund aus tuchbelegte Stufen. Hier sollte die Königin der Schönheit und Minne auf einem tronartigen Sessel Platz nehmen, auf etwas niedrigeren Lehnstühlen neben ihr zu beiden Seiten wollten Herzog und Herzogin sitzen. Zierliche Pagen in Blau und Silber standen hinter Tron und Lehnstühlen, und hielten auf weissen goldgestickten Atlaskissen die Ehrengeschenke, welche die geschicktesten Ritter aus den Händen der Königin als Dank empfangen sollten. In der Auswahl dieser schönen und kostbaren Sachen hatte die Herzogin ihren ganzen Geschmack bewiesen.
Auf ihre Veranlassung, durch Wilhelmis und andrer Vertrauten Bemühungen war bunte Reihe gestiftet worden, die verschiednen Stände, Gäste in und ohne Kostüm, sassen gemischt untereinander, ja sie selbst hatte ein gutes blödes Kind, welches ängstlich nach einem freien platz umherschaute, auf einen Sessel in ihrer Loge genötigt.
Neben dem Kaufmann sass der Enterbte, der an dem Caroussel keinen Anteil nehmen wollte, und mit allerhand spitzigen Bemerkungen halblaut um sich warf.
Dem herzoglichen Sitze grade gegenüber leuchtete der grosse, geräumige Pavillon von roter und gelber Leinwand, unter welchem sich die Kavaliere zu Ross versammelt hielten. Die Wappen des Herzogs und der Herzogin standen gepaart auf beiden Seiten der breiten Öffnung, behütet von kräftigen Schildhaltern.
Als alles sich gesetzt hatte, richtete sich jeder blick nach dem Pavillone. In diesem war ein kleiner Verzug entstanden. Unterwegs hatte sich nämlich, Hermann wusste selbst nicht wie? ein Ritter zu den übrigen gefunden, welcher eine halbe Larve vor dem gesicht trug. Sein Putz überstrahlte an wilder Pracht den der andern weit, ebenso auffallend erschien sein Tier. Als man ihn fragte, wer er sei, antwortete er, er nenne sich den Neffen des Enterbten. Im Pavillon verlangte Hermann, dass jener sich demaskieren solle, welches höflich aber bestimmt verweigert ward. Hermann wusste nicht recht, wie er sich hiebei zu benehmen habe, während er aber noch zaudernd stand, ertönte der erste Trompetenstoss, und nun war keine Zeit zu verlieren. Um kein Aufsehn zu erregen, und in der Meinung, dass hier ein artiger Scherz beabsichtigt werde, reihte er den Neffen des Enterbten eiligst bei dem letzten Gliede ein, während die Trompeter schon aus dem Pavillon ritten.
So breit war die Öffnung des letzteren, dass mit Bequemlichkeit sechs Mann hoch ausgeritten werden konnte. Voran zogen zwölf Trompeter und Pauker, ihre Instrumente mit schwerem Silberzeug verziert. Hinterdrein folgte der Herold, in der Rechten eine grosse Pergamentrolle haltend. Nach ihm ritten in vier Zügen vierundzwanzig Kavaliere mit entblössten Schwertern. Dieser herrliche und glanzvolle Aufzug bewegte sich unter den Tönen eines triumphierenden Marsches längs der Umschränkungen des Platzes hin. Als er vor dem Balkone des fürstlichen Paars angelangt war, senkten die Kavaliere die Schwerter, schwieg die Musik, entfaltete der Herold die Pergamentrolle. Er verlas die Namen der Edelleute, und erbat für sie von dem Burgherrn und der Burgfrau Vergunst, ritterlich Wesen sehen lassen zu dürfen. Die Herrschaften neigten sich gewährend, der Zug setzte seine Runde fort. Nach deren Vollendung zogen sich die Kavaliere wieder in den Pavillon zurück, Trompeter und Pauker aber schwenkten ab, und ritten unter dem Balkone der Herrschaften auf.
Nunmehr war es an der Zeit, zu der Wahl zu schreiten, welcher alle schönen Busen mit gerechter Bewegung entgegenschlugen. Ein andrer Herold in Friedenskleidern, einen Kranz in den Haaren, kam geritten, hielt in der Mitte des Platzes, und rief mit lauter, verständlicher stimme:
Wann wird der Dank zum lieblichen Gewinne?
Wann ihn die Kön'gin beut der Schönheit und
der Minne!
Wem ziemt die Wahl? Den Schönheit setzt in
Qual;
Wohlauf, ihr Herrn! Erkiest sie allzumal!
Die Herzogin hatte nämlich, um Neid und Eifersucht möglichst zu entfernen, beschlossen, dem Zufall das Amt aufzutragen. Jeder Herr sollte auf ein elfenbeinernes Täflein den Namen derjenigen schreiben, welcher er die Würde zudachte. Aus diesen Täflein, in eine Urne geworfen, sollte dann Damenhand das beglückte Los ziehen. Anfangs hatte sie sich hiebei ganz auf den Takt der Anwesenden verlassen zu dürfen geglaubt, bei der nunmehr doch sehr gemischten natur der Gesellschaft waren aber den beiden Edelknaben, welche die Stimmen einsammeln sollten, geheime Anweisungen erteilt worden, und wir dürfen wohl verraten, dass bei dieser gelegenheit der Unterschied der Stände scharf im Auge gehalten wurde.
"Was bedeutete der Spruch jenes Menschen?" fragte der Kaufmann seinen Nachbarn. "Nichts", versetzte der Enterbte, "er drehte sich, wie das ganze fest, um nichts."
Die beiden Edelknaben, der eine mit den Täflein, der andre mit der Urne näherten sich ihnen. "Ich wüsste keine, der ich die Palme gönnte", sagte der Enterbte; "geschwind, alter Herr, fällt Ihnen kein Mädchenname bei?" Der Kaufmann erwiderte: "Meine Bekanntschaft unter dem jungen Frauenzimmer ist auch sehr schwach, ich kenne fast niemand ausser meiner Tochter Cornelie