der Verwirrung selbst nicht was er wollte, fühlte von zwei ihn umschlingenden Armen sich gehalten, und sah dicht vor sich die geliebten Züge, die freundlichen Augen des ihn umfangenden Fürsten, fast bittend ihn anlächeln.
Das war nicht meine Absicht, gewiss das war sie nicht! sprach Andreas, indem er ihn fester an sich drückte, ehe er ihn los liess und nur Mitchels starr auf ihn gerichteter blick verhinderte ihn, sich unter Tränen der Reue an die Vaterbrust zu werfen, wie er als Kind so oft getan.
Gewöhne das verwünschte Gerührtsein Dir ab, es steckt an wie der Schnupfen; flüsterte der Fürst ihm zu, hustete ein wenig, griff deshalb nach seinem Taschentuche, und näherte mit Richard sich dem Tische, auf welchem Mitchel seine Raritäten ausgebreitet hatte.
Wie konntest Du dem Zufalle überlassen, ob es ihm belieben würde, mir die höchst schätzbare Bekanntschaft Deines Landsmannes zuzuführen oder nicht? Verdient diese Vernachlässigung nicht einige Strafe? sprach Fürst Andreas mit seiner gewohnten verbindlichen Art gegen an Rang ihm untergeordnete Fremde, und laut genug, dass Mitchel es hören konnte. Wäre mein Kammerdiener nicht so glücklich gewesen, Herrn Mitchel im Zeitungsklubb anzutreffen, und nicht so gescheit gleich einzusehen, welchen unschätzbaren Wert seine Bekanntschaft für mich haben müsse, ich hätte sie vielleicht zeitlebens entbehrt: fuhr er auf die nämliche Weise fort. In der Tat, Herr Mitchel ist für mich eine wahre Fundgrube von Allem, was mich erfreut und interessirt.
Ich bitte, lassen Sie uns nochmals den Plan des Tunnel vornehmen, und – doch vorher noch ein Wort mit Dir, Richard: setzte er hinzu, indem er mit diesem ein wenig seitwärts trat.
Du weisst, der Braune mit den weissen Füssen, der Dir so wohl gefiel? sprach er halblaut: Du findest ihn morgen in Deinem Stalle, ich habe ihn hineinführen lassen. Keinen weitläuftigen Dank; dass ich weiss, dass ich Dir eine Freude damit mache, ist mir genug; obgleich Du ihn für jetzt noch nicht sobald nötig haben wirst, als wir es meinten, denn der Kaiser hat die Revue wieder abbestellt.
Die Revue? Die Revue? rief Richard heftig.
Nun ja, die Revue bei Beleja Tserkoff, die nächsten. Dienstag über acht Tage gehalten werden sollte. Sie ist ganz aufgegeben, wird wahrscheinlich nie Statt haben, in diesem Jahre wenigstens gewiss nicht; antwortete der Fürst und setzte gleich darauf im gleichgültigsten Tone von der Welt hinzu: jetzt, Herr Mitchel, sind wir ganz zu Ihren Diensten.
Vater! o mein Gott! ist es möglich, rief Richard ausser sich, wie verwildert vor freudigem Erstaunen.
Ob Du ein Kind bist! über ein neues Spielzeug, über ein artiges Pferd so in Entzückung zu geraten! lächelte der Fürst, indem er Richards ungestümen Freudenbezeigungen sich zu entziehen suchte. Glückliches Alter! nicht wahr, Herr Mitchel? wer das auch noch so könnte!
Noch ehe der Fürst diese Worte vollends ausgesprochen, war Richard schon zur tür hinaus, zu Helenen.
Er fand sie in ihrem, nur ihm und ihren nächsten Freunden zugänglichen Arbeitszimmerchen, in welches sie sich Abends unter irgend einem Vorwande zurückzog, so oft sie schicklicher Weise es konnte, um von der betäubenden Nichtigkeit des Lebens in der grossen Welt sich zu erholen.
Fröhlich trat sie ihm entgegen, ohne über seinen stürmischen Eintritt zu erschrecken, und rief, sich ein wenig wendend: siehst Du, Alte? Hatte ich nicht Recht, als ich Dir im Voraus sagte, dass die Freude über meines Vaters Geschenk ihn noch heute Abend zu uns führen würde?
Und zu seinem nicht geringen Verdrusse musste jetzt Richard aus der dämmrigsten Ecke des nur von einer einzigen Lampe schwach erhellten Kabinets die gebeugte, eisgraue Gestalt der Amme sich entwickeln sehen, an die er seit langer Zeit eben so wenig gedacht hatte, als meine geneigten Leser es getan haben mögen; denn die gute Frau hatte in den letzten Jahren, wenn gleich nicht geistig, doch körperlich sehr gealtert, und verliess jetzt nur sehr selten das ihrer Tätigkeit besonders angewiesene Revier in den inneren Gemächern der Fürstin Eudoxia.
Schick sie fort! o schick sie fort! bat Richard in englischer Sprache, welche Frau Elisabet nicht verstand, die indessen mit durch die Jahre wahrlich nicht verminderter Redseligkeit, in Freudensbezeugungen über das lang entbehrte Wiedersehen ihres Lieblings sich ergoss. Helena, wie konntest Du mir so etwas antun! denn Du erwartetest mich doch! o schick sie fort! Erlaube meinem übervollen Herzen nur ein einzigesmal sich vor Dir zu ergiessen; Du siehst ja, mir ist wie dem Galeerensclaven, dem nach unendlich peinvoller Zeit die Ketten abfielen.
Warum willst Du der armen Elisabet es nicht gönnen, Dich zu sehen, den sie so lieb hat! sie kommt so selten aus ihrem Zimmer; erwiderte Helena in der nämlichen Sprache, und wandte sich dann an die Amme. Nicht wahr, Mütterchen, Du hast auch Richards neues Pferd gesehen?
Ob ich es gesehen! war die Antwort: hiess Fürst Andreas mich nicht express ans Fenster rufen, als er im hof es sich vorführen liess? Das schöne Tier, mit den netten zierlichen Füssen, wie tanzte es, wie brüstete es sich als es meine junge Gebieterin trug! Aber das sage ich Dir, Richard, in Beleja Tserkoff muss sie es wieder reiten, Du musst es ihr leihen.
Dich, Helena, Dich hat es getragen? rief Richard entzückt.
Weisst Du nicht mehr welche mutige Reiterin ich bin?