du, Brutus?" würde im Augenblicke der Tat auf diesen eben so wenig Eindruck machen, als es auf den alten Römerhelden ihn machte; aber freilich hat unser Cäsar es nicht anders um ihn verdient.
Acht Jahre lang trägt diese feste stolze Seele das glühendste Verlangen nach Rache mit sich umher, gibt keinem andern Wunsche Raum, und wird sie erringen, oder im Versuche untergehen. Die Zeit naht, die Stunde wird schlagen, und bald!
Sergius, von einem leichten Champagnerrausche ein wenig aufgeregt, schien ein Bedürfniss der Mitteilung zu empfinden, das in seiner natürlichen Stimmung ihm sonst nicht gewöhnlich war. Er zog mit dem willig und erwartungsvoll ihm folgenden Richard in eine Ecke sich zurück, und machte wirklich Anstalten als wolle er sein ganzes Herz vor ihm ausschütten. Der Anfang dazu war die Auseinandersetzung der Veranlassung des lange unauslöschlich gehegten Hasses gegen den Kaiser, welcher den Kapitain Yakubowitsch unwiderstehlich zu einem Verbrechen trieb, dessen Misslingen, vielleicht auch dessen Gelingen, er nicht zu überleben entschlossen war.
An und für sich lag in der Behandlung, welche der Kapitain auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers von Seiten der militairischen Behörden erfahren, nichts Ausserordentliches. Die Strafe, die ihm zuerkannt wurde, war hart, aber unter den vorwaltenden Umständen keineswegs von der Art, dass er über Ungerechtigkeit sich hätte zu beklagen gehabt; doch dem krankhaften Gefühle wird die leiseste Berührung zum stechenden Schmerze, und Ehrgeiz, durch einen blick, durch ein unbedachtsam hingeworfenes Wort tödtlich zu verletzender Ehrgeiz, war die unheilbare Krankheit des Hauptmann Yakubowitsch. Schon die Möglichkeit einer Zurücksetzung war genug, um ihm das Leben zu verbittern, und für jede andre Gunst des Geschickes ihn fühllos zu stimmen.
Täglich sich häufende Übertretungen der Duellgesetze hatten vor mehreren Jahren den Kaiser bewogen, die strengere Ausübung derselben ausdrücklich und ernstlich anzuempfehlen; und es ward beschlossen, bei dem ersten Übertretungsfalle diejenigen, welche sich dessen schuldig machten, ohne Ansehen der person, genau nach dem Buchstaben des Gesetzes, exemplarisch zu bestrafen. Leider traf Yakubowitsch das los einer von diesen zu sein.
Nicht als Hauptperson, aber doch wegen tätiger Teilnahme an einem Duelle, dessen unglücklicher Ausgang ein sehr vornehmes Haus seines hoffnungsvollen Erben beraubte, und viele der ersten Familien des Landes tief betrübte, wurde er von der Garde, bei welcher er stand, zu einem andern Regimente versetzt. Unter den vorwaltenden Umständen konnte diese, ihn freilich degradirende Strafe, in den Augen seiner Kameraden durchaus nichts seiner Ehre Nachteiliges haben; eher hätte diese, nach dem allgemeinen Begriffe von Ehre, darunter gelitten, wenn er den einzig offnen Weg ihr zu entgehen eingeschlagen hätte, indem er seine Teilnahme an dem Duelle verweigerte, oder gar, um es zu verhindern, als Angeber desselben auftrat. Dennoch brachte sein tief verletzter Ehrgeiz ihn darüber dem Wahnsinne nahe. In wildem unaustilgbarem Ingrimme über das, was er eine himmelschreiende Ungerechtigkeit nannte, erklärte er, ein Leben nicht länger fortschleppen zu können, das von nun an auf ewig ehrlos geworden sei, und würde gewiss in seiner Verzweiflung es freiwillig beendet haben, wäre er nicht gerade im entscheidendsten Augenblicke dem Obrist Pestel in die hände gefallen.
Pestel war gewiss nicht fähig, die grosse Brauchbarkeit dieses Mannes, als Werkzeug zur Beförderung seiner Absichten, zu verkennen. Hastig fuhr er auf den Unglücklichen los, wie eine giftgeschwollene Spinne auf die arme Mücke losfährt, die im Vorüberstreifen ihr Gewebe berührt. Fein und gewandt wusste er von allen Seiten ihn zu umgarnen, umklammerte den künstlich Gefesselten mit aller Riesengewalt seines ihm himmelweit überlegenen Geistes, blies jeden in der Brust desselben glimmenden Funken zur unvergänglich lodernden Flamme alles verzehrenden Rachegefühls an, und liess acht Jahre lang von ihm nicht ab, um seiner gewiss zu bleiben, sobald er ihn bedurfte.
Er ist fest entschlossen, die erste gelegenheit zur
Rache zu ergreifen, und wenn die Tat misslingen sollte, mit einer zweiten, bereit gehaltnen Kugel ein Leben zu enden, dessen Last er schon lange unwillig trägt; setzte Sergius seiner, freilich in ganz anderm Tone gegebenen Darstellung der Verhältnisse des Kapitain Yakubowitsch hinzu.
Und, Brüderchen, die gelegenheit auf die er wartet,
steht vor der tür: höchstens noch zwei kurze Monate und unsre Zeit beginnt! flüsterte er mit vor Entzücken heiserer stimme, mit funkelnden Tigeraugen und einem überkräftigen Händedrucke ihm ins Ohr; Du kennst ja die Festung Beleja Tserkoff? – Du kennst sie nicht? – gleichviel, Du wirst sie kennen lernen, fuhr Sergius in seiner halb berauschten Stimmung fort, die ihn fortwährend zur Mitteilung trieb: dort soll Revue gehalten werden, doch wer sie halten wird? und über wen sie gehalten werden soll? das ist ja eben der Spass dabei, davon lassen gewisse Leute sich nichts träumen. Die werden sich wundern! lachte er frohlockend in sich hinein.
Dann erzählte er sprachselig weiter, wie der Kaiser mit jener Revue, die zu Anfang des Sommers Statt haben solle, eine Art ländlicher Fête für die in jener Zeit zahlreich um ihn versammelte kaiserliche Familie zu verbinden beabsichtige. Ein grosser Park in der Nähe jener Festung wurde zu diesem Zwecke eingerichtet; sowohl der Kaiser selbst als seine hohen Gäste sollten in einzelnen, im Parke zerstreut liegenden Pavillons verteilt, jeder mit seiner Dienerschaft für sich allein, die Nacht zubringen, und schon wurde Alles aufgeboten, diese Gebäude zu kleinen Feenpalästen umzuwandeln, in welchen der ausgesuchteste Luxus unter dem einfachen Scheine idyllischer Ländlichkeit, wie die Grossen sie lieben, sich verbarg.
Bei nächtlicher Zeit sollten in gemeine Soldaten verkleidete Verschworene