lag alles daran, sich in der Gunst eines der mächtigsten Fürsten des Reichs dadurch immer fester zu stellen, dass er jeden Auftrag desselben auf das pünktlichste und schnellste ausführte.
Der englische Banquier, Sir John Murray, war nicht weniger dabei interessirt, die Wünsche eines so bedeutenden Handelsfreundes, wie Herr Gross ihm war, zu erfüllen, und die zwischen ihnen beiden bestehende Connexion dadurch immer fester zu knüpfen. Dass er sein grosses Übergewicht über den zwar ebenfalls reichen, aber doch, als Ladenhändler in der City, tief unter dem zum Ritter erhobenen Wechsler stehenden Strumpfhändler dabei in Anwendung brachte, kann man ihm schwerlich verargen; und dass Master Smit, abgesehen von andern noch solidern Gründen zur gefälligkeit, durch die herablassende Freundlichkeit eines so vornehmen Mannes zu geschmeichelt sich fühlte, um nicht seinen demütigen Gevatter und Freund, den kleinen geldarmen aber kinderreichen Strumpf-Fabrikanten durch die lockendsten Verheissungen zu seinem Willen zu bringen, liegt nun einmal in der menschlichen natur.
Leid, sehr leid tut es uns, dass wir die gute Sally, mit ihrem warmen Mutterherzen, noch gewissermassen dem Ende dieser Kette anhängen müssen; aber abläugnen lässt es sich nicht, dass nur einer von allen Trostgründen, mit denen ihr Ehegemahl sie überschüttete, des gewünschten Eindrucks nicht ganz verfehlte.
Und wenn wir nun, vielleicht noch ehe Jahr und Tag verstreichen, mit hülfe des von Sir John Murray und Smit & Compagnie uns verheissnen Credits, es dem stolzen Narren Bird und seinem aufgeblasenen weib gleich tun können? fragte er, ihr listig lächelnd ins Gesicht schauend; oder wenn, denn man kann nicht immer wissen wie alles kommt, wenn nun gar Misstress Wood, in ihrem eleganten neuen Landauer voll geputzter Kinder, an dem magern Einspänner der Misstress Bird vorüberrollend, mit einem kaum sichtbaren Kopfnicken sie begrüsst? Sally! Du kleine Hexe, was sagst Du d a z u ? He?
Sally sagte kein Wort. Sie weinte immer hin, aber sie lächelte doch ein klein, klein wenig, ganz heimlich und verschämt, mitten in ihren Tränen.
Wolle doch Keiner den ehrlichen Wood zu hart verdammen, oder wohl gar des Kinderhandels ihn beschuldigen, ohne vorher die grosse Gewalt eines von Jugend auf gesehenen Beispiels zu bedenken. In England, dem Markte der Welt, wie Schiller es sehr treffend nennt, ist vieles auf eine, uns Bewohnern des festen Landes unbegreifliche, ja empörende Weise verkäuflich. Offiziersstellen bei der Armee haben, bis zu einem gewissen Grade, ihren Preiss, um den jeder sie erhandeln, und wenn er sie aufzugeben geneigt ist, auch wieder verkaufen darf. Wie viel Gold und Goldeswert ein Sitz im Parlamente kostet, ist allbekannt. Der glückliche, der, wenn er auch nur ganz oberflächlich Teologie studirt hätte, durch Familienverbindungen oder Protection, einer bedeutenden Stelle im Dienste der englischen Kirche sich erfreut, darf frei und öffentlich um geringen Sold einen ärmeren Geistlichen sich erkaufen, der alle Pflichten und arbeiten seines Standes für ihn übernimmt, während der sehr ehrwürdige Herr, ganz mühelos, eines Einkommens von mehreren Tausenden sich erfreut.
Um die für ihn unerschwinglichen Kosten einer Klage auf Ehescheidung zu ersparen, bindet der englische Tagelöhner, durch einen uralten Gebrauch dazu berechtiget, seinem untreuen weib einen Strick um den Hals, und verkauft es an seinen begünstigten Nebenbuhler um wenige Schillinge auf öffentlichem Markte.
Der feine honorable Gentleman aber trägt in ähnlichem Falle die Schande seines Namens, seines Hauses, seiner Kinder vor Gericht, breitet sie dort vor den Augen der Richter auf die widerwärtigste Weise weitläuftig aus, duldet es gelassen, wenn freche Zeitungsschreiber die scandalöse geschichte zu einem pikanten Artikel in ihren Blättern benutzen, und klagt nicht auf Ehescheidung, sondern auf Schadenersatz durch Geld für den erlittenen Verlust; der denn auch von den Richtern gehörig gewürdigt und taxirt wird, ehe man die gebührende Summe ihm zuerkennt, die er auch ohne Erröten sich richtig auszahlen lässt.
Möge denn auch der vom täglichen Beispiele verleitete Wood für seine Speculation einige Entschuldigung hier finden, von der sich doch nicht voraussagen liess, ob sie nicht für den dabei am meisten beteiligten Richard am vorteilhaftesten ausfallen möchte. Unter Tränen, Klagen und häuslichem Jammer aller Art, kam die verhängnissvolle Mittwoche heran. Wenn die Mutter in der Zwischenzeit von Trennung sprach, so weinte Richard mit ihr, und versicherte schluchzend, dass er lieber sterben wolle, als sie verlassen; wenn aber der Vater von der Kutsche und dem prächtigen Schiffe erzählte, auf welchem Richard fahren sollte, so geriet der kaum achtjährige Knabe in eine ganz andre Stimmung, und schien den Tag der Abreise kaum erwarten zu können. Richard war eben ein Kind, wie alle an Leib und Seele gesunde Kinder sind, der Gegenwart lebend, und immer das Allererwünschteste von der Zukunft erwartend.
Als er das Vaterhaus verlassen sollte, hing er unter lautem Geschrei am Halse der trostlos jammernden Mutter; als man von ihr ihn gewaltsam entfernte, klammerte er sich an den Fuss eines nahe an der Haustüre stehenden Tisches an. Aber der Anblick der vier stattlichen Pferde vor der ihn erwartenden Kutsche milderte, sobald er auf der Strasse war, seinen Schmerz. Die ihm neue Freude des Fahrens, nebst einer Schachtel voll Confect, mit welcher James Cox sich in London zu diesem Zwecke versehen, trockneten völlig seine Tränen. Er langte ganz wohlgemut bei seinem Paten an, liess all' die guten Dinge, die ihn dort erwarteten, sich wohlgefallen, weinte ein wenig, als er beim Zubettegehen die Mutter vermisste, schlief aber,