wie ich es anfangen könnte, Sie ohne Vorwissen meines Eheherrn zu einem Stelldichein zu laden, und nun überheben Sie ganz von selbst mich der Mühe. Aber Moderation, Moderation, Falkenstein! Er liebt mich so zärtlich, es rührt ihn der Schlag! trillerte sie lachend, in die Rolle der Tante im Matrimonio Secreto, eine ihrer liebsten, sich versetzend, während Richard ganz verlegen sie anstarrte.
Ungeachtet seiner inneren Beklommenheit konnte aber auch er das lachen nicht lassen; die bängste sorge, um einen Freund – stotterte er endlich.
Das ist der Punkt, vom dem ich reden wollte: unterbrach Frau Karoline ihn, patetisch tragirend, winkte ihm, sich traulich neben ihr nieder zu lassen, und fuhr dann, ganz ernstaft, zu ihm zu sprechen fort:
Wir, ich und mein Mann nämlich, oder vielmehr mein Mann und ich, haben bis jetzt, in Hinsicht auf unsre Julie, in einem gewaltigen Irrtume gestanden, dem auch Sie, und durch Sie ihren Freund Iwan zu entreissen, mir Gewissenssache ist. Wir meinten das Mädchen sei die verwaisete Tochter eines Freundes, unseres Bruders in Königsberg, deren er menschenfreundlich sich angenommen. Ihre Stellung in der Welt schien eben nicht zu grossen Ansprüchen sie zu berechtigen. Ihr Vormund hatte seine Rechte auf uns übertragen, wir sahen deshalb Iwans Bewerbungen um ihre Gunst mit Zufriedenheit zu, und hatten auch nichts gegen die später aufflammende gegenseitige Neigung des jungen Paares. Lieben sie sich, was geht das uns an, dachten wir, mögen sie sich immerhin lieben: eine ächte Jugendliebe bewahrt vor weit schlimmern Torheiten; dagegen aber ist ein junges unbeschäftigtes Herz, besonders ein Mädchenherz, das gefährlichste Ding von der Welt. Löset diese erste Jugendliebe sich später in Rauch und Nebel auf, je nun! sie sehen mir beide nicht darnach aus, als ob sie vor Herzweh' darüber sterben würden; und bewährt sie sich als eine ächte Liebe wie sie sein soll, so kann ja mit der Zeit auch eine Ehe wie sie sein soll daraus werden, beide sind jung und können es abwarten. So philosophirten wir, und eben nicht unvernünftig, meine ich. Doch mit dem Allen ist es nun rein aus und vorbei, und unsere Weisheit ist zur Torheit worden. Dieses, und manches Andere was noch darum und daran hängt, mussten Sie durch mich, und soll ihr Freund durch Sie erfahren, damit wir kein Unglück erleben; wie Sie es ihm beibringen wollen, sei Ihnen überlassen.
Julie ist Torsons Braut? rief Richard, aufflammend in heftigem Zorne.
Warum nicht gar! so weit sind wir noch lange nicht, war die sehr gelassene Antwort. Was, wer, wohin, woher sie ist, wissen weder ich, noch mein Kapellmeister, noch Julie, noch ihr Vormund in Königsberg, es ist damit wie mit der Höhe des berges Sinai. Niemand weiss es als Torson, das übrige steht bei den Göttern, setzte sie singend hinzu, von neuem in teatralischen Mutwillen verfallend.
O liebe gütige Frau! nur jetzt keine Rätsel, keine Scherze, sie peinigen mich furchtbar: flehte Richard.
Nun dann, also ganz plane, im Geschichtsstyle meiner Mutter Gans, erwiderte sie, sich zusammennehmend, und setzte wie eine Mährchenerzählerin ganz gravitätisch sich zurecht. Sechzehn Jahre mögen es her sein, als unsrem Bruder in Königsberg von unbekannter Hand ein kleines zweijähriges Mädchen ins Haus prakticirt wurde, mit ihr zugleich eine nicht ganz unbedeutende Summe Geld, der Abdruck eines wunderlich verschnörkelten Siegels, auf welchem kein Buchstabe sich entziffern liess, und ein Brief, in welchem er gebeten wurde Vormundsstelle bei dem kind zu vertreten, es von dem Ertrage des Kapitals einfach bürgerlich zu erziehen, über die Art, wie es in sein Haus gekommen, gegen Jedermann, wie auch gegen das Mädchen selbst, das strengste Stillschweigen zu beobachten, den Abdruck des Siegels wohl zu bewahren, und die Zeit abzuwarten, bis Jemand käme, der ein Schreiben von der nämlichen Hand, und den genau auf das Siegel passenden Siegelring ihm überbrächte. Was dann ferner mit dem kind geschehen solle, würde aus jenem zweiten Briefe sich ergeben. Unser Bruder hat, was von ihm gefordert wurde, so gewissenhaft erfüllt, dass selbst wir dieses alles erst jetzt von ihm erfahren haben.
Ungemein romantisch! rief Richard in bitterm Unmute; und Herr Torson sind wahrscheinlich der Überbringer des verhängnissvollen Siegelringes?
So ist's, mein Feldherr, erwiderte Frau Karoline nach gewohnter Art.
Und hat erklärt, dass er gekommen sei, Julien zu ihren Eltern abzuholen? fragte Richard.
Das noch nicht, das wollen wir abwarten; ist's erst getan, wird's auch zur Sprache kommen; war die Antwort der kleinen Frau, der es nun einmal unmöglich schien, lange über einen Gegenstand mit gebührendem Ernste zu sprechen.
Aus Verdruss darüber stampfte Richard ein klein wenig mit dem fuss, bedachte sich aber gleich wieder eines Bessern; also Julie ist eine anonyme Prinzess? fragte er wieder.
So gründlich anonym, dass sie selbst nicht weiss wer sie ist, noch wie sie heisst; erwiderte Frau Karoline.
Und dieser vermaledeite Torson ist ebenfalls solch ein anonymes Rätsel! rief, bleich vor Zorn und mit den Zähnen knirschend, Richard, der sich nicht mehr zu fassen im stand war.
Moderation, Moderation, sonst nehme ich mir ein Herz und laufe davon; ermahnte seine Freundin.
Wie fing er es an, um in dieser anmassenden Stellung in Ihrem haus festen Fuss