der Nächte, und in ehrwürdiger Verborgenheit, dem edlen Karfunkel nachstreben, dessen alles überstrahlender Glanz, dereinst zu Tage gefördert, wetteifernd mit der Sonne, die blöde, träge Welt aus ihrem Schlummer erwecken soll.
Wir aber, wir Vereinte zum Bunde des Heils, sind anders gestellt. Unser Bund gleiche der aufgehenden Sonne eines glorreichen Sommertages, die ihre Segen spendenden Strahlen über alle Kinder unseres weiten unermessenen Vaterlandes, Licht und Leben überall verbreitend, ergiesst. Keine Höhle, keine Kluft, keine noch so tief in endlosem Schnee vergrabene Hütte, bleibe von ihr unerleuchtet. fest an einander haltend, alles überwältigend, müssen wir zum Lichte durchdringen. Das ganze Reich, jede in demselben atmende Seele, muss dieses Heiles teilhaftig werden, daher darf nichts die Zahl der Anhänger des Bundes für dasselbe beschränken. Daher habe ich in den eurem Wunsche gemäss von mir verfassten, und von Euch gebilligten Statuten desselben, es unsern Brüdern allen als heiligste Pflicht auferlegt, zur Verbreitung unsres Bundes selbst unter den Geringsten im volk – –
Ein Verräter in unsrer Mitte! – ein Spion! riefen einige Stimmen. Der Redner war unterbrochen, ein furchtbarer Tumult entstand in der Gegend der tür. Festgehalten, vorwärts gestossen, umklammert, erdrückt von den ihn Umdrängenden, war für Richard an keinen Widerstand zu denken. Nieder, nieder mit ihm! erscholl es von mehreren Seiten mitten durch das rasende Toben, durch das wilde mit Flüchen und Schwüren gemischte Geschrei. Säbel und Degen waren mit den Hüten und Mänteln im Vorzimmer abgelegt, aber gefährlichere heimlichere Waffen, kleine blinkende Dolche, leicht zu verbergende Taschenterzerole wurden in vielen Händen sichtbar; drohende Geberden, wutblitzende Augen, überall, wohin Richard die Blicke wandte.
Ruhe, Ruhe! gebot Fürst Andreas, als Herr des Hauses. Niemand hörte auf ihn, bis es ihm endlich gelang, unter dem Beistande seiner Söhne zu dem gegenstand der allgemeinen Erbitterung durchzudringen.
Du bist es, mein Sohn? Niemand als Du? rief er erstaunt, als er Richard recht ins Auge fasste. Lasst ihn unbesorgt los, Ihr Herren, dieser da ist kein gefährlicher Verräter, sprach er, indem er seine Hand ergriff und ihn an Eugens Seite führte. Nun wahrlich, dies heisst doch mit Recht, viel Lärm um Nichts, setzte er hinzu; und suchte, wenn gleich mit bleicher zitternder Lippe, ein heitres Lächeln zu erzwingen.
Wie Vielen unter uns wäre er denn so ganz unbekannt? Freunde, Brüder, besinnt Euch doch, setzte, vom ersten Schrecken sich erholend, der Fürst hinzu; es ist ja kein hier eingedrungener Fremdling; es ist Richard, mein in meiner Familie, mit meinen Söhnen, unter meinen Augen erwachsener lieber Pflegesohn.
Wie kam er hieher? – wie durfte er es wagen? – wie konnte er ohne Verrat bis zu uns durchdringen? – Verrat! – eingeschlichen – ein Engländer – erkauft – Spion – nieder mit ihm – Schlange, die der edle Fürst in seinem Busen erzog – fort mit dem Undankbaren – nieder, nieder mit ihm! – brüllte es von allen Seiten. Die wenigen, Richard in Schutz nehmenden Stimmen, drangen nicht durch das verwirrende Geschrei; und immer gefährlicher, tobender, drohender, wurde die allgemeine Stimmung.
Mein Leben für meinen Bruder Richard! rief Fürst Alex, sprang herbei, ihn mit seinen Armen umschlingend. Voreiliger! konntest Du es denn nicht abwarten? flüsterte Eugen ihm zu, und warf die wehrlose Brust den wütend auf ihn eindringenden Feinden seines Freundes entgegen.
Wer will in meinem haus es wagen, mit frevelnder Hand den unter meinem Schutze Stehenden zu berühren! rief Fürst Andreas mit aller ihm zustehenden Würde.
Ruhe! gebot eine kräftige, den lauten Tumult hell übertönende stimme. Der Redner von vorhin drängte sich hervor: Befleckt nicht durch Mord unsern heiligen Bund; hört ihn an, ehe Ihr über ihn das Urteil fällt, sprach er mit gebietendem, ernstem Tone; ergriff Richards Arm, zog ihn aus der Mitte der ihn umtobenden Schreier, stellte frei, allen sichtbar, mitten im saal ihn neben sich hin, und befahl den Übrigen, einen eng geschlossenen Kreis in ziemender Entfernung um sie Beide zu bilden. Alles dieses mit so überraschender, kaltblütiger Gelassenheit, als wäre er hier König, und müsse ihm alles gehorchen.
Wer Mut hat, mit fester sicherer Hand das Steuer zu ergreifen, bleibt mitten im Sturme der Gebieter der wütenden oder zagenden Menge, die nie weiss, was sie eigentlich will oder zuerst zu ergreifen hat. So war es denn auch hier; man rangirte sich rings an den Wänden hin, wie es Obrist Pestel, denn dieser war der Redner, gebot, und der Aufruhr war für den Augenblick gänzlich beschwichtigt.
Richard Wood, jetzt befrage ich Sie, im Namen des Bundes zum Heil des Vaterlandes, nahm Pestel mit dem Anstande und der Würde eines dazu befugten Richters das Wort, wie gelang es Ihnen, uns so ganz unvermutet hier zu überfallen, und was beabsichtigten Sie damit? Sprechen Sie frei und furchtlos, aber bedenken Sie Ihre Worte. Die kleinste Verletzung der Wahrheit wäre gefahrdrohend. Ich warne Sie wohlmeinend.
Richard war inzwischen auch wieder zur Besinnung gelangt, um welche das betäubende Geschrei, das wütende Eindringen auf ihn, anfangs ihn gebracht hatte. Er beantwortete offen und wahr die an ihn gerichteten fragen, und erklärte nebenher, wie eine Reihe unbedeutender Zufälligkeiten ihn bewogen, seinen, seit mehreren Tagen nicht gesehenen Freund, den Fürsten