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trafen alle ihnen zu Gebote stehenden Anstalten, um gegen den nun bald schonungslos eindringenden Feind, Kälte und Mangel, sich zu verteidigen.

Wenn Abends Schlossen und Regen gegen die kleinen Fenster von Richards schlecht verwahrter, baufälliger wohnung heftiger anschlugen, der Sturmwind lauter brausste, die zersplitterten Bäume im wald krachten, dann überlief ihn wohl ein Schauer, indem er der sechs oder acht vor ihm liegenden Wintermonate gedachte, die er in dieser gänzlich abgeschiednen Einsamkeit, jeder gewohnten Bequemlichkeit entbehrend, ohne Bücher, ohne Freund, ohne alles geistige Interesse mit sich allein zubringen sollte. Helenas Traum von ihrer beider Leben in Sibirien stand oft vor ihm auf, und erfüllte ihn mit bänglichster sehnsucht.

Noch war es Zeit, noch waren die Wege nicht unfahrbar geworden, noch immer stand es in seiner Macht, ohne zu grosse Beschwerlichkeiten zu erdulden, bewohntere Stätten aufzusuchen; doch dazu gehörte ein Entschluss, und diesen zu fassen, lag für ihn, in seiner jetzigen Stimmung, ausserhalb dem Bereiche der Möglichkeit!

So sass er oft Stunden lang in Gedanken, in Erinnerungen, zuweilen in wortlosem, an Betäubung grenzendem Sinnen verloren, nichts von allem was um ihn her vorgehen mochte beachtend.

Siehst Du, Richard, ist es nicht gekommen wie ich es Dir vorher sagte? sprach eines Abends eine kräftige bekannte stimme, dicht neben ihm, und eine warme starke Hand fasste und drückte die seine. Richard schreckte zusammen, er hatte die Eintretenden nicht kommen gehört: ein Mann und eine Frau standen neben ihm, beide in armenischer Tracht. Es waren Iwan und Julie: Deine Kneesen haben Dich verlassen, Deine Glücksträume sind aufgeflogen, Deine Luftschlösser zusammengebrochen, fuhr Iwan fort, darum sind wir gekommen, ich und mein Weib, Dich abzuholen, komm nach haus, was willst Du hier?

O komm gleich mit uns nach haus! bat schmeichelnd Julie, hier ist es nicht gut für Dich. Unsre Mutter hält alles zu Deinem Empfange bereit, und wir wollen Dich lieben, Deiner pflegen, Dich trösten, so gut wir es können: komm nur schnell, komm nach haus!

Und Richard ging mit ihnen nach haus.