Abschied vom Regiment einzukommen, befolgen muss?
Dass mein jüngster Sohn Alex dies Schicksal mit ihm teilt, will ich nicht erwähnen; Alex ist noch so jung, dass diese Frist, die ihm vergönnt, in England oder Amerika für den Dienst der Marine sich vollends auszubilden, ihm nur vorteilhaft werden kann. Du siehst ich bin billig, ich suche nicht Deine Schuld zu vergrössern.
O warum musste ich, von geheimnissvollem Dunkel umgeben, auf den schmalen, zwischen Abgründen hinlaufenden Pfad hinausgestossen werden! ratlos! verlassen! ohne eine leitende Hand, die mir zum Führer dienen konnte! seufzte Richard.
Dieses Warum kann mit sehr wenigen Worten Dir gelöst werden; erwiderte der Fürst: Dir ward kein Führer beigesellt, weil Du auf dem platz, an welchen Du gestellt worden warst, keinen bedurftest. Hast Du denn unsre Abschiedsstunde, vor Antritt Deiner Reise mit dem nervenkranken Schwärmer Iwan, so gänzlich vergessen? und wie zutraulich ich damals mein ganzes Herz, alle meine Gedanken Dir offenbarte? Erinnerst Du Dich nicht mehr Deines Versprechens: es komme was da wolle, mir unbedingten Glauben zu schenken? Hättest Du Dir an dem Vertrauen genügen lassen, das ich Dir bewiesen; wäre es nie Dir eingefallen, da selbsttätig eingreifen zu wollen, wo Du doch offenbar die Verknüpfung des Ganzen nicht überschauen konntest, ja freilich, dann stände Alles um uns her anders!
Der Mensch im Allgemeinen ist bestimmt, entweder Ambos oder Hammer zu sein, sagt ein berühmter deutscher Poet; fuhr der Fürst fort: Du wardst zum Ambos geschaffen, Du meintest Dich geeigneter Hammer zu sein, und nun liegen die Folgen dieses stolzen Wahns, zu Deinem eigenen Entsetzen, in Trümmern um Dich her!
Richard errötete; es ward ihm schwer das zornige Gefühl zu unterdrücken, das bei dieser letzten Äusserung des Fürsten in ihm aufloderte; doch behielt er sich genugsam in seiner Gewalt, um weder sich selbst zu viel zu vergeben, noch die dem edlen Greise schuldige Ehrfurcht zu verletzen, dem er so unendlich viel zu verdanken hatte.
Hammer wollte ich nie sein, denn ich fühle zum Zertrümmern mich nicht geeignet; doch wahrlich auch nicht der geduldige Ambos, der schwerfällige Klotz, auf welchem Jeder nach eigenem Gutdünken herumhämmern darf; erwiderte er bescheiden, aber fest und bestimmt. Nur Ihr Unwille kann für den Augenblick mich so erniedrigen wollen; all mein Hoffen, das ganze Glück meines Lebens geht an ihm zu grund; wie ich es in Zukunft tragen werde, weiss ich nicht, wohl aber dass ich Ihrer Verachtung rettungslos erliegen müsste. Mein Fürst, fuhr er in steigender Bewegung fort: Sie, der Sie im niedrigsten Leibeigenen das Gefühl seines Menschenrechtes anerkennen, können Sie mir, dem Unglücklichen, den Sie einst Ihren Söhnen gleich stellten, es verargen, dass er zum blinden Werkzeuge sich nicht erniedrigen lassen konnte?
Mein Gleichniss hinkt, ich merke es wohl; doch das ist nun einmal so in der Regel, mag es darum sein! erwiderte der Fürst leicht hingeworfen, mit scheinbarer Gleichgültigkeit. Doch jetzt sprich ohne Scheu es aus, was Du etwa noch auf dem Herzen haben kannst. Ich möchte diese letzte gelegenheit dazu, die sobald Dir nicht wiederkehren wird, Dir nicht verkümmern; setzte er nach einigem Schweigen hinzu, während welches er Richard betrachtete, als wolle er die geheimsten Gedanken seiner Seele durchschauen.
Durch Mitchell veranlasst, entdeckte mir ein Zufall die Gefahr, welche dem Geheimnisse des Bundes drohte; fing Richard an.
Und Du meinst dass ich, ja dass selbst Pestel, sie nicht weit früher erkannt haben sollten, als Du und Dein weiser Landsmann? fiel der Fürst ihm lebhaft ein.
Richard erbleichte vor Schrecken. O hätte ich dies ahnen können! rief er: hätten Sie damals, als ich, wahrscheinlich im Vorgefühle dessen, was jetzt geschehn, so ängstlich strebte – –
Nach gewünschter gelegenheit all Deine Zweifel, Deine Besorgnisse, zum – ich weiss nicht wie vielsten Male vor mir auszuschütten? fiel Fürst Andreas abermals ihm ein. Ohne die Wahrheit im mindesten zu verletzen, könnte ich, bei dem seit Mitchells Hiersein besonders sich häufenden Andrange von Geschäften, den wirklichen Mangel an Zeit als erstes Hinderniss angeben, daneben aber auch, ganz unter uns, die heimliche Furcht vor dem Ennui, dem dabei nicht entgehen zu können, ich voraussah. Doch die ganze Sache ist für uns Beide zu ernst geworden, als dass ich nur den Anschein eines frivolen Scherzes darüber mir erlauben sollte. Da ich indessen von Allem was Dich angeht zu genau unterrichtet bin, um von Dir etwas Neues erfahren zu können, so höre lieber meine Bekenntnisse an:
Stets ging ich darauf aus meine Menschenkenntniss zu erweitern, und machte mir daher, von Eurer frühesten Kindheit an, sowohl Deinen, als meiner eigenen Söhne Charakter zum gegenstand aufmerksamster Beobachtung. Dein ahnungsvolles Wesen, Dein zu weiches, leicht zu verletzendes Gemüt, zeichneten vor allen Deinen Jugendgenossen sehr merklich Dich aus; daher fasste ich, als Du völlig erwachsen warst, aus wahrhaft väterlicher Fürsorge für Deine künftige Ruhe, den festen Entschluss, von jenem Geheimnisse, auf welches ich damals noch meine kühnsten Hoffnungen gründete, Dich stets fern zu halten, und Deine Aufnahme in den Bund, so eifrig Dein Freund Eugen sie auch betreiben mochte, standhaft zu verhindern.
Der Zufall wollte es anders; wider meinen Willen machte er Dich zum Augenzeugen dessen, was ich Dir ewig verbergen wollte; und um aus dringender, sehr grosser Gefahr Dich zu retten,