um Ihre Bedingung, wenn ich Sie jetzt hier festielte, während ich in Ihrer wohnung Ihre Papiere in Beschlag nehmen liesse?
Hier sind meine Schlüssel, sprach Richard, indem er sie dem Minister darbot, der sie aber nicht annahm: jede Untersuchung wäre indessen überflüssig, und könnte nur unbefriedigend ausfallen, indem ich über diesen Gegenstand dem Papiere keine Zeile anvertraute, die nicht allenfalls gedruckt erscheinen könnte. Mein eigentliches Archiv trage ich in Kopf und Herzen.
Und dieses Archiv – es gäbe wohl Mittel zu dem Inhalte desselben zu gelangen: erwiderte der Minister streng und scharf.
In diesem Falle gibt es nur eines, die Gewährung der von mir vorgeschlagenen Bedingung; denn wer Todesfurcht nicht kennt, kennt auch keinen Zwang, antwortete Richard.
Und doch! Sie müssen mir zugeben, dass Sie in einem ziemlich verdächtigen Lichte erscheinen; was könnte mich abhalten Sie deshalb hier auf der Stelle verhaften zu lassen, und, ohne auf irgend eine Bedingung einzugehen, mich der Liste der Verschworenen und des Berichtes über die Verschwörung zu bemächtigen?
Mein Fürst! rief Richard und fuhr betroffen einige Schritte zurück, doch fasste er sehr bald sich wieder.
Verzeihung, sprach er, dass ich durch diese ganz unerwarteten Worte mich überraschen liess: erschrekken konnten sie mich nicht! Bericht und Liste liegen, unzugänglich jeder menschlichen Gewalt, ebenfalls auch in meinem vorhin erwähnten Archive, sprach er lächelnd; ich erwarte nur Ihren Befehl, um sie hier an's Licht treten zu lassen.
Und für sich verlangen Sie gar nichts? machen keinen Anspruch auf wohl verdiente Belohnung?
Wenn mein Kaiser und mein Wohltäter durch mich dem Untergange entgehen, was bliebe mir da noch zu wünschen? erwiderte Richard, etwas vorschnell.
Hm! sprach der Minister vor sich hin, ist es so? jetzt fange ich an den Zusammenhang besser zu begreifen. Sie haben, wie Klugheit und Vorsicht es gebieten, auf alle Fälle sich vorgesehen, sprach er zu Richard gewendet, weit freundlicher als vorhin; dieses kann in der guten Meinung mich nur bestärken, die ich, seit ich in der Familie des Fürsten Andreas Sie kennen lernte, von Ihnen gefasst habe. Verargen Sie dagegen den Anschein von Misstrauen mir nicht, den ich wider Willen annehmen musste, um den mannigfaltig complicirten Pflichten zu genügen, welche die Gnade des Kaisers mir auferlegt hat; setzte er verbindlich hinzu.
Beide, der Minister und Richard, wurden jetzt sehr schnell, und zu gegenseitiger Zufriedenheit mit einander einig. Mit aller dazu gehörigen Formalität legte der Minister, im Namen seines Kaisers, das von ihm verlangte unverbrüchliche Versprechen in Richards hände nieder, der seinerseits, ohne fernere Bedenklichkeit, auch seine Verpflichtung erfüllte.
Ein beifälliges Lächeln glitt über des Ministers feingeformte Lippen hin, indem er die ihm überreichte Liste der bedeutendsten Mitglieder der Verschwörung schnell mit den Augen durchlief.
Der also ist es! rief er, und wies auf den Namen des Fürsten Andreas: und ich habe in meiner Vermutung mich nicht geirrt. Gestern noch hätte ich Alles was ich besitze für die Unmöglichkeit dessen eingesetzt, wovon ich hier den Beweis in der Hand halte! Wer mag alle die Abwege im Voraus berechnen, auf welche wir im Laufe des Lebens geraten mögen! setzte er mit trübem Ernste hinzu.
Ein einziges in Ihrem Eifer von Ihnen nicht genugsam überlegtes Wort verriet mir vorhin dieses geheimnis; fing der Minister nach kurzem Schweigen wieder an: jede Spur von Misstrauen, das Sie, wenn Sie einen Augenblick in meine grosse Verantwortlichkeit sich hineindenken wollen, nicht ganz ungerecht finden werden, wurde durch diese Entdeckung beseitigt. Ich kenne den ganzen Umfang Ihrer Verbindlichkeit gegen jene Familie, ich begreife welche edleren Motive Sie zu dem Schritte bestimmten, den Sie jetzt tun, und alles was bis dahin mir an Ihnen zweideutig erschien, und erscheinen musste, gewinnt nun eine andere Gestalt. Nochmals verpfände ich freiwillig Ihnen mein Ehrenwort, Sie sollen in mir sich nicht getäuscht sehen! Andreas wird einen Freund, einen Bruder in mir finden, der ihn vertritt, und, so viel dieses in meiner Macht steht, vor jeder zu herben Folge seines Fehltritts ihn schützt.
Auf des Ministers ausdrückliches Verlangen teilte Richard ihm nun umständlich mit, wie ein wunderlicher Zufall, früher als seine Freunde es beabsichtigten, in die Geheimnisse des Bundes ihn eingeweiht habe. Er verhehlte die warme Begeisterung nicht, mit welcher der anscheinend hohe Zweck desselben ihn Anfangs erfüllte, bis er späterhin mit Schrecken und Abscheu ihn besser erkannte.
Das aufmerksame Wohlgefallen, das seinen Worten geschenkt wurde, ermutigte ihn weiter zu gehen. Er sprach vom Fürsten Andreas, von der warmen Vaterlandsliebe seines Beschützers, und wie dieser mit innigster Treue dem Kaiser ergeben, nur durch seinen leidenschaftlichen Hang zu ausländischen Erfindungen und Neuerungen verlockt, in die Schlingen eigennütziger, herrschsüchtiger Bösewichter gefallen sei, von deren tiefer Verworfenheit seine edle natur keine Ahnung haben konnte, während sie sein besseres Wollen, seine durchaus tadelfreien Absichten, in ganz entgegengesetztem Sinne auf das schändlichste missbrauchten.
Über dem allen war indessen viel Zeit verstrichen; der Courier, der Richards Aussage dem Kaiser überbringen sollte, war längst abgefertigt, der Abend brach mit starken Schritten herein. Richard, der bis dahin gar nicht in der Zeit gelebt hatte, wurde jetzt mit Schrecken gewahr, wie lange er hier verweilt habe, und erhob sich unter vielen Entschuldigungen, um sich vom Minister zu beurlauben, was dieser aber, und zwar auf das allerfreundlichste, gar nicht zugeben zu wollen schien. Richard begriff Anfangs nicht